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Stromautobahn soll über Stadtgebiet von Krefeld führen

Energieversorgung : Stromautobahn soll über Krefelder Stadtgebiet führen

Die Gleichstromverbindung A-Nord soll die größtenteils auf See erzeugte Windenergie in den Süden Deutschlands transportieren. Die Trasse könnte auch durch Krefelder Stadtgebiet führen. Im Sommer sollen Bürger Stellungnahmen zur Planung einreichen können.

Der nächste Schritt zur Vorbereitung des Baus der Stromautobahn von der Nordsee nach Süddeutschland ist gemacht. Und es wird immer klarer, dass die Trasse auch durch Krefelder Stadtgebiet verlaufen wird. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen. „Unser Vorzugskorridor geht über Krefelder Gebiet“, erklärte Projektsprecher Jonas Knoop vom Netzbetreiber Amprion auf Anfrage unserer Redaktion. Das letzte Wort hat die Bundesnetzagentur.

Und eben dort hat Amprion für die Gleichstromverbindung A-Nord – so die offizielle Bezeichnung der Stromautobahn – den Antrag auf Bundesfachplanung nach dem Netzausbaubeschleunigungsgesetz gestellt. Dafür übergab das Projektteam mehr als 50 Aktenordner an die Bundesnetzagentur (BNetzA) in Bonn. Die Bundesbehörde leitet das Genehmigungsverfahren für die Erdkabeltrasse zwischen Emden und Meerbusch-Osterath.

Die Krefelder Nachbarn haben sich vehement gegen den Bau eines Konverters nahe der Wohnbebauung gewehrt. Lange hatte es den Anschein, dass eine Dreiecksfläche nahe Kaarst dafür in Frage käme. Der Regionalrat verweigerte seine Zustimmung, die Auskiesungsfläche planungsrechtlich umzuwidmen. Mit dieser Entscheidung stieg auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Trasse der Stromautobahn Krefeld berührt. Vor einem Jahr hat Amprion begonnen, seinen Vorrangskorridor zu untersuchen. Im Oktober begann das Unternehmen damit, Probebohrungen im Stadt durchzuführen.

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In den kommenden Wochen prüft die BNetzA nun die Unterlagen auf Vollständigkeit. Voraussichtlich im Juni verteilt sie dann die Unterlagen in der Planungsregion, damit sowohl Träger öffentlicher Belange (TöB) als auch Bürger sie einsehen können. Zu den TöBs zählen unter anderem regionale Planungsbehörden, Landkreise, Städte, Gemeinden und Verbände.

Jeder hat dann die Möglichkeit, bis in den Juli hinein bei der BNetzA eine Stellungnahme zu der Amprion-Planung einzureichen. Die Stellungnahmen sollen im Herbst dieses Jahres zwischen den Einwendern und Amprion auf sogenannten Erörterungsterminen inhaltlich besprochen werden, unter Leitung der BNetzA. Ziel ist es, die Bundesfachplanung bis Ende 2020 abgeschlossen zu haben. Mit dem Abschluss des Verfahrens steht der 1000 Meter breite Korridor fest, in dem Amprion letztendlich die etwa 24 Meter breite Erdkabeltrasse planen muss.

„Auf diesen Tag haben wir nun knapp 18 Monate hingearbeitet. Eine Zeit, in der wir uns intensiv mit dem Planungsraum auseinandergesetzt haben. Wir sind uns sicher, eine gute Planung vorgelegt zu haben. Nun sind wir gespannt auf die Rückmeldungen, die dazu aus der Öffentlichkeit kommen“, sagt A-Nord-Projektleiter Klaus Wewering. Im März 2018 hatte Amprion den ersten Antrag nach dem Netzausbaubeschleunigungsgesetz gestellt. Es folgte eine erste formelle Öffentlichkeitsbeteiligung samt Antragskonferenzen. Anschließend legte die BNetzA den Untersuchungsrahmen für den Vorhabenträger fest. Er beschrieb, welche Trassenkorridorvarianten Amprion zu prüfen hatte und wie detailliert diese Prüfung erfolgen musste. Fast eineinhalb Jahre später ist der Untersuchungsrahmen abgearbeitet und die überarbeiteten Antragsunterlagen sind eingereicht. „Für das Team und das

ganze Unternehmen freut es mich, dass wir in diesem wichtigen Energiewendeprojekt wieder einen Schritt weitergekommen sind“, sagt Wewering. Nun komme es darauf an, auf Basis dieser Planung gute Lösungen zu finden. „Wir sind von unserer Vorzugsplanung überzeugt, wissen aber auch, dass es hier und da auch andere sinnvolle Varianten gibt. Dafür sind die Hinweise der Menschen von vor Ort so wertvoll.“

Die Gleichstromverbindung A-Nord soll künftig die größtenteils auf See erzeugte Windenergie in den Westen und Süden Deutschlands transportieren. Über die Leitung können zwei Gigawatt Leistung übertragen werden – das entspricht dem doppelten Bedarf einer Großstadt wie Köln.