Krefeld: Strittiger Vorschlag: "Prostitution anerkennen wie andere Berufe"

Krefeld : Strittiger Vorschlag: "Prostitution anerkennen wie andere Berufe"

Die Initiative "Marija Magdalena" hat sich in Krefeld als Sprachrohr der Prostituierten gegründet. Sprecher ist der bekannte Krefelder Ante Franjicevic. Seine Vorschläge bergen Konfliktstoff.

Mit einem umstrittenen Vorschlag wendet sich jetzt Ante Franjicevic als Sprecher der Krefelder Initiative "Marija Magdalena" gegen die Pläne der Bundesregierung, Prostitution einzudämmen. Franjicevic versteht seine Organisation als Sprachrohr der von ihm "Sexarbeiterinnen" genannten Prostituierten, von denen es laut Polizei 200 in Krefeld gibt. "Marija Magdalena" setze sich für die sozialen und politischen Rechte der Frauen ein.

Die Pläne zur Eindämmung der Prostitution würden die Rechte der Frauen beschneiden, sagt Franjicevic, der in Krefeld auch Sprecher des Arbeitskreises für Zuwanderung ist. 99,9 Prozent der Migrantinnen, die als Prostituierte arbeiten, würden sich "aus rationalen Erwägungen" dafür entscheiden. Zunehmend habe es seine Initiative, der neben Prostituierten auch Männer anderer Berufsgruppen angehören, mit Frauen aus Rumänien, Bulgarien und Polen zu tun.

Ante Franjicevic wagt seinen Vorstoß zu einer brisanten Zeit: Die Große Koalition auf Bundesebene plant eine Konzessionierung von Bordellen und damit zusammenhängend Meldepflicht für Prostituierte. Dies könnte auch die Möglichkeiten des Verbots illegaler Straßenstriche erhöhen. In Krefeld wiederum wird genau dies für den Bereich der Neuen Ritterstraße debattiert. CDU-Ratsherr Wilfrid Fabel hat hingegen ein komplettes Verbot der Straßenprostitution mit der neuen Gesetzgebung gefordert.

Auch die Krefelder Initiative "Marija Magdalena" hält eine Reform des 2001 eingeführten Prostitutionsgesetzes, mit dem die rot-grüne Bundesregierung die Rechte von Prostituierten stärken wollte, für notwendig. Folge dieses Gesetzes ist es nämlich mittlerweile, dass in Deutschland die Prostitution so liberalisiert ist, wie in kaum einem anderen Land, als "Paradies der Prostitution" (Alice Schwarzer) bezeichnet wird.

Die Pläne von CDU/CSU und SPD entsprächen aber nicht den Forderungen der Krefelder Initiative ""Marija Magdalena", sagt Ante Franjicevic. Die Konzessionierung der Bordelle und die Meldepflicht der Prostituierten würden zu einem "Zwangsouting" der Frauen führen. Die Polizei könne jederzeit, ohne konkreten Anlass, die Betriebe kontrollieren und bei Verstößen gegen die Auflagen auch schließen lassen, sagt Franjicevic und schließt sich in dieser Formulierung Veröffentlichungen von ähnlichen Verbänden in anderen Städten an. "So kann man ein Geschäft ruinieren".

Von Seiten der Politik wird argumentiert, dass man so der Zwangsprostitution und dem damit verbundenen Menschenhandel entgegenwirken wolle. Auch die Freier sollen belangt werden, wenn sie die Dienste von Zwangsprostituierten in Anspruch nehmen. "Eine mögliche Bestrafung von Freiern, wie sie das französische Parlament jüngst beschlossen hat und in Deutschland im Zusammenhang mit Zwangsprostituierten ebenfalls diskutiert wird, halten wir für absolut pervers", sagt Franjicevic. Er zeichnet ein anderes Bild der Prostituierten — nur 0,1 Prozent seien Zwangsprostituierte, behauptet er. Die meisten der Frauen würden den Schritt unternehmen, der Armut zu entkommen. "So, wie andere arme Einwanderinnen sich einen Job in der Kneipe suchen würden." Den "Sexarbeiterinnen" spreche man jedoch ab, ihre Entscheidung aus Notwendigkeit selbst getroffen zu haben. "Sie werden entmündigt, als Opfer dargestellt, und man nimmt sich das Recht heraus, für sie zu handeln. Das ist entwürdigend."

Als Sprecher des Vereins ist Ante Franjicevic gegen eine Sonderbehandlung von Prostituierten im Strafgesetzbuch. Alle Taten, die an ihnen verübt würden, etwa Körperverletzung oder Vorenthaltung von Geldern, könne man auch mit anderen Paragrafen ahnden als dem für Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung (§232). "Menschenhandel ist sowieso ein Kampfbegriff gegen Prostitution und Migration", behauptet Franjicevic. "Wir fordern, dass Prostitution so anerkannt wird wie alle anderen freien Berufe." Die Betriebe sollten unter §14 der Gewerbeordnung fallen. "Dann kann man auf sie das gesamte Gewerberecht anwenden." Man könne kontrollieren, wenn dort "unsaubere Sachen" laufen, aber das werde vom Zivilrecht und nicht von der Polizei geregelt. Die Prostituierten sollten ihren Beruf auch in ihren Wohnungen ausüben dürfen. "Natürlich muss man dann Regeln finden — wie auch bei anderen Freiberuflern und Mietern."

(RP)
Mehr von RP ONLINE