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Ärger in Krefeld: Streit um Beerdigungstermine entbrannt

Ärger in Krefeld : Streit um Beerdigungstermine entbrannt

Die Pfarrer sind unzufrieden mit dem Friedhofsamt: Am Wochenende kann die Stadt keine Beerdigungen terminieren. Angehörige von Verstorbenen müssen in ihrer Trauer oft tagelang auf Termine warten.

Der Hülser Pfarrer Paul Jansen kritisiert die bisherige Praxis der Beerdigungsterminierung in Krefeld scharf: "Steinzeitbürokratie", sagt er mittlerweile konsterniert über die Stadtverwaltung. Seit Jahren schon ist den Krefelder Bestattern und den Kirchen die Praxis der Verwaltung, Beerdigungstermine nicht über das Wochenende zu vergeben, ein Dorn im Auge.

Das Problem: Ab Freitag, 12.30 Uhr, schließt das Friedhofsamt. Bis zum nächsten Montagmorgen gibt es keine Möglichkeit, Beerdigungen zu terminieren. Die Zeit drängt in einem solchen Fall: Das Gesetz sieht vor, dass Tote innerhalb von acht Tagen beerdigt sein müssen. Die trauernden Angehörigen warten tagelang, bevor sie Trauerkarten drucken können, müssen mit der Belastung durch die bürokratische Hürde leben.

Pfarrer Paul Jansen hat nach Rücksprache mit dem Pastoralrat, in dessen Vorstand er jetzt als geistiges Mitglied wirkt, eine Initiative angeregt, dass die Stadt den Service einer Online-Buchung mit Zugangscode für Bestatter einrichtet. Die Stadt habe ihm die Antwort gegeben, dass dies kompliziert sei, weil das Kommunale Rechenzentrum (KRZN) in Kamp-Lintfort, das für die Stadt in solchen Fragen Dienstleister ist, keine Möglichkeit sieht, diesen Service zu programmieren.

Stattdessen habe die Stadt angeboten, dass sie die Beerdigungsfrist von acht Tagen nach oben setzen kann auf zehn Tage. "Das kann es ja nicht sein", sagt Jansen. Aus Erfahrung weiß er, dass selbst am Montagvormittag ein Termin schwer zu bekommen ist. Alle Bestatter würden dann bei der Stadt gleichzeitig anrufen, um Termine für Beerdigungen der am Wochenende Verstorbenen zu erfragen.

Auf Anfrage teilte die Stadt am Donnerstag mit, dass der Wunsch nach Online-Beerdigungsterminen bekannt sei. Man werde die finanziellen und organisatorischen Rahmenbedingungen klären. Die Stadt argumentierte bisher, dass viele Pfarrer am Wochenende nicht erreichbar seien. Pfarrer Jansen sagt: "Natürlich gibt es Kollegen, die am Wochenende nicht erreichbar sind, was für mich unverständlich ist. Dies kann aber für uns kein Maßstab sein." Inzwischen hätten sich die Bestatter und Pfarrer geeinigt, dass sie den Onlineservice wünschen und sicherstellen wollen, dass eine Erreichbarkeit gewährleistet ist. In Meerbusch würden die Termine durch die Feuerwehr geregelt, die Stadt Alsdorf habe bereits einen Online-Service. "Warum bekommen wir das in Krefeld nicht hin?", fragt Jansen. Er hat vor einigen Monaten eine Frau beerdigt, die an einem Freitag um 12 Uhr gestorben war.

Bis der Beerdigungstermin feststand, waren laut Jansen 70 Stunden vergangen. In einem anderen Fall hätte die Stadt einen Beerdigungstermin, für den die Trauerkarten schon gedruckt waren, kurzfristig um einen Tag nach vorne verlegt, weil ansonsten die Acht-Tage-Frist nicht eingehalten worden wäre, innerhalb derer ein Toter beerdigt sein muss. Für die Angehörigen sei das Warten auf einen Beerdigungstermin sehr belastend, sagt Jansen. Er kritisiert: "Man kann in Krefeld im Internet sein Wunschautokennzeichen Tag und Nacht buchen, aber als Angehöriger Verstorbener wartet man hier tagelang."

(RP)