Krefeld: Straßennamen mit NS-Geschichte

Krefeld : Straßennamen mit NS-Geschichte

Georg Opdenberg hat ein 300 Seiten umfassendes Werk zur Geschichte der Krefelder Straßennamen verfasst. Darin sind auch Streitigkeiten über Namensbeziehungen zur NS-Zeit und völkischer Ideologie enthalten.

Die "Berliner Straße" in Krefeld hat einen Namen, der erst einmal ganz unverfänglich erscheint. Aber nicht das geteilte Berlin ist gemeint, auch nicht die Bundeshauptstadt, sondern die "Reichshauptstadt." 1936, im Zuge der Rheinbrücken-Einweihung, wurde die Straße so benannt. "Durch das Datum der Namensgebung werden einige Krefelder Straßennamen erst anrüchig", sagt Georg Opdenberg. Der Vermessungsingenieur und seine Kollegen beim Vermessungsamt der Stadt arbeiten seit drei Jahren an einem vollständigen Verzeichnis der Krefelder Straßennamen, das Herkunft und Bedeutung der Namen erklärt.

Georg Obdenberg kennt die Geschichte der Krefelder Straßennamen – von der "Thorner Zeile" bis zur Walter-Flex-Straße. Foto: Bastian Königs

Politische Motive für Änderung

Mindestens 300 Seiten wird das Buch haben, das die drei bisherigen "Schildbürgerpläne" zusammenfasst und ergänzt. Auf einem Stadtplan ist durch farbige Kennzeichnung zu erkennen, wie oft Straßen umbenannt wurden. Nicht nur bei der Eingemeindung von Linn, Bockum, Oppum, Verberg, Traar, Uerdingen, Fischeln und Benrad galt es Doppelungen zu korrigieren. Politische Motive waren es zumeist, die Änderungen auslösten. "Die geistige Haltung einer bestimmten Zeit ist erkennbar", sagt Opdenberg, der beitragen will, Straßennamen bewusster wahrzunehmen.

Nachdem Zweiten Weltkrieg bestimmten die Alliierten, dass Nazi-Namen von den Straßenschildern verschwanden. Aus der "Adolf-Hitler-Straße", die seit dem 20. April 1933 so hieß, wurde wieder die "Rheinstraße." Noch nach über zwei Generationen wirkt die Ideologie jedoch in manchen Straßennamen, wenn auch nicht sofort offensichtlich, weiter. "Wenn wir aber Straßennamen jetzt ändern, sind wir keinen Deut besser als die Nazis", sagt Opdenberg, der keine "Geschichtsklitterung" betreiben will.

Aber noch gibt es Straßennamen, die "völkische Fantasie-Produkte" sind. So an der Siedlung Glockenspitz, wo es einen "Ebersteig", den "Hirschsprung" und den "Kesselplatz" gibt. Und den "Wolfshag", der nicht zufällig an Hitlers "Wolfsschanze" erinnert. Etliche Namen bezogen sich auf Österreich, die "Wiener Straße" gibt es nicht mehr, auch nicht die "Linzer Straße." Wohl noch die "Salzburger Straße", und aus dem früheren "Braunauer Weg" wurde der "Tiroler Weg". Mit Braunau, der Geburtsstadt Hitlers, hat auch die 1940 so benannte "Palmstraße" zu tun. In Braunau wurde 1806 der Buchhändler Johann Philipp Palm hingerichtet, der "Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung", ein "Pamphlet" gegen Napoleon, veröffentlicht hatte. Dienten Straßennamen dazu, neue Herrscher zu etablieren, so wurde in Krefeld noch 1978 ein verdienter Politiker von "seinem" Platz verdrängt. Nach dem Krefelder Zentrumspolitiker Johannes Blum (1857 - 1946) war seit 1947 der Platz vor dem Verseidag-Verwaltungsgebäude benannt. Als die Stadtverwaltung — damals war Hansheinz Hauser (CDU) Oberbürgermeister - dort einzog, folgte die Umbenennung in Konrad-Adenauer-Platz.

(pen)