Krefeld: Straßennamen: Experten prüfen Nazi-Bezug

Krefeld: Straßennamen: Experten prüfen Nazi-Bezug

Vor rund acht Monaten haben die Vorsitzenden der Krefelder Ratsfraktionen eine Kommission zur Klärung nationalsozialistischer Zusammenhänge bei den Namensgebern für Krefelds Straßen berufen. Ergebnisse liegen noch nicht vor.

In Krefeld gibt es Straßen, die nach Personen benannt sind, die Nazis waren. Das trifft für Hans-Günther Sohl ebenso zu wie für Carl Diem (wir berichteten). Dass es einer Stadt nicht gut zu Gesicht steht, Menschen mit fragwürdiger Vergangenheit durch die Benennung von Straßen, Plätzen, Schulen oder Preisen zu ehren, erkannten auch die Vorsitzenden der Krefelder Ratsfraktionen und beschlossen deshalb im August des vergangenen Jahres, eine Kommission einzuberufen und mit der Aufgabe zu betrauen, die "Krefelder Straßennamen auf Zusammenhänge mit einem nationalsozialistischen Hintergrund" zu überprüfen. Vor acht Monaten im September habe die Kommission unter der Leitung des Krefelder Stadtarchivs ihre Arbeit aufgenommen, informierte Stadtsprecher Dirk Senger auf Anfrage unserer Zeitung. Wann die Experten ein Ergebnis vorlegen, sei nicht abzusehen. Ein konkretes Datum zu benennen, sei nicht möglich, erklärte Senger. Der Umfang der notwendigen Recherche und weiterer wissenschaftlicher Untersuchungen sei nicht absehbar, so der Stadtsprecher.

Die Vergangenheit von Karl Rembert als Namensgeber der Rembertstraße soll auf Wunsch des Ratsherrn Basri Cakir überprüft werden. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Zumindest, was den Carl-Diem-Weg in Kliedbruch anbetrifft, sollte eine Einschätzung nicht schwerfallen. Der Experte zur nationalsozialistischen Vergangenheit des Sportfunktionärs wohnt quasi in Krefeld. Wenn der frühere Leiter des Hauptstaatsarchivs in Düsseldorf, Dr. Peter Dohms, sein Haus an seinem Wohnort Bösinghoven verlässt und nur wenige hundert Meter geht, dann befindet er sich in Krefeld-Oppum. Keine Distanz also, um auf den ausgewiesenen Fachmann zuzugehen. Dohms Gutachten über Diem ist fast schon 20 Jahre alt. Dessen Arbeit stellte seiner Zeit unter Berücksichtigung der damals vorliegenden Quellen und Literatur eine erste umfassende Würdigung der beruflichen Tätigkeit Diems in der Zeit des Dritten Reichs dar. Auf Dohms' Empfehlung hin haben fast 100 Städte in Deutschland ihre nach Carl Diem benannten Straßen, Wege und Sporthallen umbenannt. Sogar die Stadt Köln hat gegen den Willen der Deutschen Sporthochschule am früheren Carl-Diem-Weg vor Gericht die Umbenennung in Am Sportpark Müngersdorf durchgesetzt.

Dohms erinnerte an Diems Rede kurz vor Kriegsende, die er "als oberster Repräsentant des Sports auf dem Reichssportfeld im von russischen Truppen eingekreisten Berlin vor Einheiten von Hitlerjugend und Volkssturm gehalten hat. 5000 Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 16 und ältere Menschen über 60 hörten seine flammenden Worte von ,spartanischer Opferbereitschaft', die zum ,siegreichen Endkampf für Führer, Volk und Vaterland' gefordert sei. ,Wunderbar ist der Tod, wenn der edle Krieger für das Vaterland fällt.'" Am 18. März 1945 fallen über 2000 Jugendliche dieser Einheiten im Endkampf um Berlin.

Ratsherr Basri Cakir (Die Linke) legte der Kommission nahe, sich mit Karl Remberg zu beschäftigen, nach dem die Rembergstraße in Bockum benannt sei. Er habe in der Ausgabe der Zeitschrift "Heimat" im September 1938 in seinem Vorwort den damaligen "Reichsleiter und Kriegsverbrecher Alfred Rosenberg lobend und dankbar erwähnt und seinen Artikel mit Heil Hitler unterschrieben". Rosenberg wurde im Nürnberger Hauptprozess als Hauptschuldiger der NS-Kriegsverbrechen angeklagt, in allen vier Anklagepunkten für schuldig befunden, zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Hans Günther Sohl ist 1933 in die NSDAP eingetreten, hat im Dritten Reich in der Stahlindustrie Karriere gemacht, war Wehrwirtschaftführer, für den Tod zahlreicher Zwangsarbeiter durch Entkräftung mit verantwortlich und gehörte zum engsten Kreis um Albert Speer. Speer gehörte zu den 24 Angeklagten im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof, dem aber ein erheblicher Teil von Speers Taten nicht vorlagen. 1946 wurde er wegen seiner Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gesprochen und zu 20 Jahren Haft verurteilt. Diese saß er vollständig im Kriegsverbrechergefängnis Spandau ab.

"In die Überprüfung sind alle Namen eingebunden", sagte der Stadtsprecher.

(RP)