Krefeld: Stellenabbau bei Siemens geht voran

Krefeld: Stellenabbau bei Siemens geht voran

Die Ankündigung von Siemens, in ihrem Zugwerk in Uerdingen 300 Stellen abzubauen, ist jetzt zehn Monate alt. Massenentlassungen in der Kraftwerkssparte, Börsengang im Gesundheitsbereich sowie Widerstände zur Bahnfusion mit dem französischen Konzern Alstom bestimmten zuletzt die öffentliche Diskussion. Doch der Stellenabbau in Krefeld ging still voran.

Ihre Tage bei Siemens sind gezählt: Für 366 Mitarbeiter im Uerdinger Zugwerk an der Duisburger Straße sind inzwischen Vertragsangebote vorbereitet beziehungsweise ausgehändigt worden. Bis zum September haben sie Zeit, sich zu entscheiden. Die neuen Kontrakte dienen dem Stellenabbau und regeln lediglich die Art und Weise, wie dies geschehen soll. Darüber informierten die Industriegewerkschaft (IG) Metall und der hiesige Betriebsrat in der aktuellen "Informationsschrift für die Beschäftigten der Siemens AG am Standort Krefeld".

Die Konkurrenz aus China macht dem Hersteller von Hochgeschwindigkeitszügen in Krefeld das Leben schwer. Preisdruck und aggressive Marktstrategien des Unternehmens China Railway Rolling Stock Corporation (CRRC) aus Fernost zwingen Siemens nach eigenen Angaben zu Einschnitten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Im Werk Uerdingen seien als Konsequenz daraus schon jetzt Anpassungen erforderlich, teilte die Konzernzentrale von Siemens in München im vergangenen Mai mit. "Die sehr starke Intensivierung des Wettbewerbs des weltweiten Bahngeschäfts hat natürlich auch Konsequenzen für uns", sagte Jochen Eickholt, CEO der Division Mobility. "Um in diesem Umfeld weiter bestehen zu können, müssen wir jetzt handeln."

Trotz hoch dotierter Aufträge, die noch bis ins Jahr 2024 reichen, soll die Beschäftigtenzahl in Krefeld reduziert werden. Stand Ende Januar dieses Jahres hätten sich 96 Mitarbeiter aus dem Rohbau bislang geweigert, eines der Angebote anzunehmen. 57 hätten sich auf Altersteilzeit eingelassen und 51 sich für einen Aufhebungsvertrag entschieden. Nur drei votierten für den Eintritt in eine Art Transfergesellschaft. Bei Siemens heißt das "betriebsorganisatorisch eigenständige Einheit (beE)". Das ist ein Rechtsbegriff aus dem Arbeitsförderungsrecht. "In Summe sind damit 111 Verträge abgeschlossen, das heißt, diese Kolleginnen und Kollegen werden unseren Standort verlassen", schreibt der Betriebsrat in der Mitarbeiterzeitschrift "Vier Gewinnt".

Betriebsratsvorsitzender Heinz Spörk und seine Mitstreiter nutzen vor wenigen Wochen beim Besuch des Landeswirtschaftsministers Andreas Pinkwart im Uerdinger Werk die Gelegenheit, sie Sorgen und Nöte der Beschäftigten und aus der Zugsparte generell zu platzieren. Schwerpunkte dabei waren die "schwierige Gesamtsituation der deutschen Bahnindustrie sowie die Situation der großen europäischen Systemhersteller". Asiatische Investoren, vor allem chinesische kauften schon seit Jahren die Filetstücke dieser Schlüsselindustrie auf und drängten damit massiv auf den europäischen Markt, informierte der Betriebsrat. Gleichzeitig schotteten sie ihre eigenen Märkte ab.

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Die Chancen und Risiken der geplanten Bahnfusion von Siemens und Alstom beschäftigt die Mitarbeiter in Krefeld nicht minder. "Aus Sicht der deutschen Beschäftigten ist auch hier nicht zu erwarten, dass die Fusion ohne die Unterstützung der Politik gelingen wird." Insbesondere der dauerhafte Erhalt von Industriearbeitsplätzen in der deutschen Bahnindustrie sei gefährdet. Kritisiert wurde, dass im Gegensatz zu Frankreich in der Bundesrepublik ein Bahnkoordinator fehle.

Im Nachbarland geht die geplante Fusion nicht ohne Nebengeräusche über die Bühne. Mitten in die Anhörung der französischen Arbeitnehmer zur Fusion platzt eine Klage gegen die französische Regierung. Die Antikorruptionsvereinigung Anticor wirft der Exekutiven vor, mit dem Verzicht auf Alstom-Aktien den Steuerzahler um mehrere hundert Millionen Euro geprellt zu haben. Die Klage wurde laut Handelsblatt in Paris eingereicht. Bei Siemens möchte man sich dazu nicht äußern, da Dritte betroffen seien. Die Vorbereitung des Zusammenschlusses laufe vollkommen nach Plan, heißt es. Man rechne mit dem Vollzug der Fusion bis Ende des Jahres.

Auch Alstom sagt laut Handelsblatt, man erwarte keinerlei Verzögerung bei der geplanten Fusion : "Der Staat ist nicht mehr Aktionär, die Vorbereitung läuft gut, die Beziehung zwischen dem Management der beiden Unternehmen ist ausgezeichnet."

(sti)