Krefeld: Stadtverwaltung plant doch eine neue Pflasterung für die Hochstraße

Krefeld: Stadtverwaltung plant doch eine neue Pflasterung für die Hochstraße

Baudezernent Martin Linne will die gleichen Steine, die am Ostwall liegen, auch in der Fußgängerzone einsetzen. Doch noch viele Fragen bleiben offen.

Sichtlich zerknirscht zeigte sich Baudezernent Martin Linne gestern Abend, als er in der Sitzung des Planungsausschusses die Kritik der Politik bezüglich der Diskussion um die Erneuerung der Pflasterung der Hochstraße anhören musste. "Selbstkritisch muss ich einräumen, dass die Verwaltung nicht bedacht hat, dass sich bei der Umgestaltung mögliche neue Zeitfenster ergeben könnten", formulierte der Beigeordnete umständlich. Im Klartext: Die Netzgesellschaft Niederrhein (NGN) hat - mit Wissen der Stadt - die dringend notwendige Verlegung der über als 50 Jahre alten Wasserleitungen unter der Hochstraße mehrfach verschoben. Damit hätte die Verwaltung genügend Zeit gehabt, sich im Rahmen der Erneuerung frühzeitig über eine mögliche andere Pflasterung für die Einkaufsmeile Gedanken zu machen. Seit wenigen Wochen wird nun in der Straße zwischen Neumarkt und Rheinstraße gebaggert. Die NGN muss - wie mit der Stadt bisher vertraglich vereinbart - nach Abschluss der Arbeiten das alte Pflaster wieder einbringen. Doch Linne überraschte gestern mit einem neuen Vorschlag: Wenn alles ganz schnell geht und sich der Ausschuss in der nächsten Sitzung am 8. Mai entscheidet, will er versuchen, mit den 30 x 50 Zentimeter großen Steinen, wie sie bereits auf dem Ostwall liegen, auch die Hochstraße zu verschönern. "Einerseits macht es wenig Sinn, die inzwischen 21 Jahre alten Steine der Hochstraße ein weiteres Mal zu nutzen. Andererseits hätten wir damit ein einheitliches Erscheinungsbild in der Innenstadt", warb Linne für seinen Plan. Der Dezernent versprach, das Natursteinpflaster an den Randbereichen der Gebäude zu belassen.

Ober sich der plötzliche Aktionismus der Verwaltung allerdings verwirklichen lässt, ist ungewiss. Erst gestern hat der Beigeordnete zum ersten Mal mit der NGN über die jüngsten Überlegungen aus dem Rathaus gesprochen. Offen ist ebenfalls, ob es der Verwaltung gelingt, im vorgegebenen Zeitfenster die nötigen Steine zu beschaffen. Linne: "Zusätzlich muss über die entstehenden Mehrkosten und der Bezahlung gesprochen und entschieden werden."

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Die Situation unter den Steinen Hochstraße ist - laut NGN - "sehr kritisch". Dort liegen teilweise alte Graugusswasserleitungen, die unbedingt ausgetauscht werden müssen. "Sollte ein Rohr brechen, stünde der ganze Schwanenmarkt unter Wasser", so NGN-Geschäftsführer Uwe Linder. Wirtschaftliche Sorgen machen sich parallel auch die angrenzenden Einzelhändler, die bis in den Herbst mit der Baustelle leben müssen. Erst vor wenigen Wochen haben sie lautstark dem Verwaltungsvorschlag widersprochen, in diesem Jahr die Straße mit den alten Steinen zu schließen und im kommenden Jahr ein neues Pflaster zu verlegen. Christoph Borgmann, Vorsitzender der Werbegemeinschaft, hatte dies als "großen Blödsinn" bezeichnet: "Solche Umbauten in der Innenstadt sind wie Operationen am offenen Herzen. Zwei solcher Maßnahmen innerhalb von zwölf Monaten, das ist für manchen Kollegen existenzbedrohend."

(RP)
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