Krefelder Aktion Traumfänger : Familie des Herzkranken Julian zieht um

Julian hat mit seinen fast drei Jahren schon zwei Mal nur knapp einen Herzstillstand überlebt. Beim zweiten Mal wurde sein Gehirn stark geschädigt. Seine Familie pflegt Julian liebevoll. Allerdings mangelt es an den passenden Räumlichkeiten. Nach langer Wohnungssuche gibt es nun gute Nachrichten.

Julian ist ein besonderes Kind. Auch wenn er zerbrechlich aussieht, ist er überraschend stark. Zweimal hat der knapp Dreijährige bereits einen Herzstillstand überlebt. Und er kämpft täglich weiter, macht kleine, aber wichtige Fortschritte. Mutter Christine und Vater David kümmern sich rund um die Uhr um Julian – und das unter schwierigen Voraussetzungen. Denn die fünfköpfige Familie lebt in einer knapp 80 Quadratmeter großen Wohnung im zweiten Obergeschoss. Einen Aufzug gibt es nicht. Und so muss Julians Spezialrollstuhl umständlich durchs Treppenhaus hochgetragen werden.

Nach dem Bericht in unserer Zeitung über die Situation der Hülser Familie gibt es nun gute Neuigkeiten. Im Mai wird Julian mit seinen Eltern und Geschwistern umziehen. Gleich zwei Erdgeschoss-Wohnungen werden der Familie dann zur Verfügung stehen. Der Umzug ist nicht weit. Die Wohnungen sind im selben Mehrfamilienhaus, in dem die Familie auch jetzt schon lebt.

„Es ist schön, dass sie alle bald deutlich mehr Platz haben werden und der Rollstuhl von Julian nicht mehr die Treppen hoch getragen werden muss“, sagt Kevin Pirsig, Vorstandsvorsitzender der Aktion Traumfänger. Der Krefelder Verein hat sich zum Ziel gesetzt, schwer kranken Kindern und jungen Erwachsenen Träume zu erfüllen. Für Julian und seine Familie suchte die Organisation eine neue Wohnung. „Der Familie wurden mehrere Angebote unterbreitet, die aber aus den unterschiedlichsten Gründen nicht infrage kamen. Dann wurde in ihrem Haus eine Etagenwohnung frei“, erzählt Pirsig.

Diese Wohnung wäre jedoch in derselben Größe gewesen wie die jetzige und damit zu klein für eine fünfköpfige Familie mit der Spezialausstattung für ein herzkrankes Kind. Ein Nachbar, der in der zweiten Erdgeschosswohnung wohnt, hörte von dem Dilemma seiner Nachbarn und bot seine Hilfe an. „Ihm macht es nichts aus, die Treppen benutzen zu müssen. Deswegen hat er angeboten, die Wohnungen zu tauschen. Das war großes Glück“, sagt Kevin Pirsig.

Im Mai wird die Hülser Familie den Umzug innerhalb des Hauses vornehmen, so dass sich ab dann das Familienleben in zwei Wohnungen abspielen kann. Angedacht ist, in der einen Wohnung die Schlafräume und in der anderen die Wohnräume einzurichten. Auch zwei Terrassen, die auf den Gemeinschaftsgarten hinausgehen, werden dann genutzt werden können und die Lebensqualität der Familie deutlich verbessern.

Trotzdem ist ein Leben in zwei getrennten Wohnungen nicht das, was sich die Familie auf Dauer wünscht. Deswegen ist auch ein weiterer Umzug nicht ausgeschlossen. „Wir schauen auch in Zukunft nach Wohnungen, die für Julians Familie passen könnten. Doch momentan ist die jetzige Lösung schon eine enorme Verbesserung. Die Familie hat mehr Platz, muss nicht mehr alle Einkäufe und so in den zweiten Stock schleppen, und die älteren Geschwister können weiter in´ihrem gewohnten Umfeld bleiben“, sagt der Vorstandsvorsitzende.

Und er hat noch mehr gute Nachrichten: Nachdem Ende des vergangenen Jahres die Magensonde entfernt wurde, lernte Julian selbstständig zu essen. Inzwischen bekommt er nur noch Flüssigkeit und Medikamente zugeführt. Die Kosten für das aufwändige Sondenentwöhnungsprogramm hat letztendlich doch die Krankenkasse übernommen, die zuerst am Sinn einer solchen Maßnahme gezweifelt hatte.

Denn Julians Gehirn ist durch die Folgen des zweiten Herzstillstands stark geschädigt. Der kleine Junge war damals zu lange auf eine Herz-Lungen-Maschine angewiesen. Es kam zu einem Sauerstoffmangel im Gehirn. Nun muss Julian vieles neu erlernen, wie das selbstständige Essen beispielsweise. Doch einmal mehr hat der fast Dreijährige allen Bedenkenträgern gezeigt, dass ein Kämpfer in ihm steckt. Er will leben. Jeden Tag ein bisschen mehr.