Ein altes Schätzchen made in Krefeld : Wer erinnert sich an den Passat aus Uerdingen?

Schon seit den 1970er Jahren ist die Verkaufsbezeichnung „Passat“ unzertrennlich mit dem Volkswagenkonzern verbunden. Am Stammsitz in Wolfsburg, aber auch in Emden und Zwickau, ist dieses Erfolgsmodell schon millionenfach von deutschen Produktionsstraßen gerollt.

Doch kaum jemand weiß, dass es bereits zu Beginn der 1950er Jahre einen „Passat“ gegeben hat. Ob dieser ein Einzelstück war oder ob mehrere der „sportlich“ anmutenden, dreisitzigen Coupés gefertigt wurden, ist unklar. Ganz klar scheint jedoch deren Entstehungsort, die Duisburger Straße in Uerdingen.

Unter der Hausnummer 36 firmierte bereits Ende der 1940er Jahre der Erbauer dieses „Ur-Passat“, Kurt Faust, mit seinem kleinen Fahrzeugbauunternehmen. Der rührige „Schrauber“, der in den von Mangel und Not geprägten frühen Nachkriegsjahren wohl aus Gebrauchtteilen allerlei Fahrzeuge auf die Räder stellte, hatte jedoch nicht nur den „Passat“ in seinem Verkaufsprogramm. Noch unterhalb des – mit einen fünf- bis sechshundert Kubikzentimeter großen „Motörchen“ ausgestatteten – „Passat“ gab es hubraumschwächere, dreirädrige Modelle mit Namen wie „Aeolus“ oder „Monsun“.

All diese automobilen Kreationen hatten eine für damalige Verhältnisse ungewöhnliche Getriebeautomatik, die später in den niederländischen DAF-Kleinwagen in großen Stückzahlen als „Variomatic“ zum Einsatz kam und noch heute bei vielen Motorrollern verbaut wird. Damit können Kurt Fausts Konstruktionen wohl zu Recht als „zukunftsweisend“ betrachtet werden. Jedoch hatte der Visionär neben dem großen technischen Talent, wohl weniger kaufmännisches Geschick und so verschwanden sowohl die Kleinwagen „Made in Uerdingen“, als auch deren Erbauer spurlos aus der kollektiven Erinnerung.

Zwar hat Kurt Faust wohl noch in den 1950er Jahren Zugmaschinen produziert und die „Passat-Werke“, in die sein Fahrzeugbau umfirmiert werden sollte, hochfliegende Pläne vom Rhein an die Emscher ins Ruhrgebiet umzuziehen, doch verlieren sich seine Spuren damit gänzlich. Die heutige Bebauung an der Duisburger Straße 36 ist augenscheinlich neueren Datums, und selbst in den örtlichen Archiven ist Kurt Faust nicht auszumachen. Ob er mit einem Schlosser namens Wilhelm Faust, der 1931 nach dem Adressbuch an der Ahornstraße 2 wohnte, verwandt war oder vielleicht gar nicht in Uerdingen lebte, ist bis heute unklar.

Im Rahmen der Aufarbeitung der Kleinwagen-Geschichte bittet der in Ostwestfalen lebende Historiker Jörg Militzer nun die Öffentlichkeit um Unterstützung. Wer kannte oder kennt eine Familie Faust aus Uerdingen, insbesondere natürlich den oben erwähnten Kurt Faust und kann eventuell über seinen Verbleib Auskunft geben? Wer kann sich an dieses Kapitel der Kraftfahrzeuggeschichte eventuell sogar noch erinnern oder hat vielleicht Fotografien des Grundstückes an der Duisburger Straße 36, die die ehemalige Bebauung zeigen?

Über eine Kontaktaufnahme und Hinweise würde sich Militzer unter der Telefon 05223 6530230 freuen.

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