Krefeld Stadt zweifelt Zensus-Zahlen an

Krefeld · Krefeld hat laut neuer Volkszählung 7,2 Prozent weniger Einwohner als angenommen. Die Konsequenzen wären dramatisch: Die Zuschüsse des Landes würden stark sinken. Die Stadt zweifelt die Ergebnisse an.

 Innenstadt mit Dionysiuskirche und Theaterplatz – es gibt deutlich weniger Krefelder als angenommen.

Innenstadt mit Dionysiuskirche und Theaterplatz – es gibt deutlich weniger Krefelder als angenommen.

Foto: Brefort

Im Krefelder Rathaus war gestern die Aufregung über das Ergebnis der neuen Volkszählung groß. Von einem auf den anderen Tag ist Krefeld nach amtlichen Zahlen deutlich geschrumpft. Für den städtischen Haushalt wird dies gravierende Konsequenzen haben — auf Zuschüsse von Bund und Land in Millionenhöhe wird Krefeld nach Einschätzung von Experten verzichten müssen.

Die amtliche Einwohnerzahl bildet die wesentliche Grundlage für Finanzzuweisungen an die Stadt oder die Einteilung von Wahlkreisen. Ob die neue Einwohnerzahl auch Auswirkungen auf den Flächennutzungsplan hat, ist offen.

Auf der städtischen Internetseite wird Krefelds Einwohnerzahl mit 239.575 Einwohnern (Stand Dezember 2011) angeben. Die bundesweite Volkszählung von 2011, die gestern veröffentlicht wurde, korrigiert nun diese Zahl deutlich nach unten: 222.247 Einwohner leben demnach in Krefeld. Das sind 7,2 Prozent weniger als bisher angenommen. Die letzte Volkszählung von 1987 hatte für Krefeld 234 000 Einwohner ergeben. Das wäre immer noch ein Rückgang von fünf Prozent. Krefeld weicht damit deutlich vom Bevölkerungsrückgang im Bund mit minus 0,6 Prozent sowie anderer Städte ab.

Stadtsprecherin Angelika Peters sagte gestern: "Wir sind sehr überrascht und können nicht ergründen, ob es einen Fehler im System gibt." Die neue Zahl liege sogar noch um rund 5700 Personen unter der Eintragung der mit Hauptwohnsitz verzeichneten Personen im hiesigen Einwohnermelderegister. Eine mögliche Erklärung ist, dass sich viele ehemalige Krefelder bei Wegzug nicht abgemeldet haben.

Wie die jetzt veröffentlichten Zahlen genau zustande gekommen sind, teilt die Landesbehörde den Kommunen erst in den kommenden Wochen mit. Die Kommunen erhalten dann im Rahmen eines Anhörungsverfahrens Informationen und die Erläuterungen zur Ermittlung der amtlichen Einwohnerzahl. "Wir haben danach noch die Möglichkeit zur Stellungnahme", sagte Angelika Peters gestern. Auch die Möglichkeit einer Klage gegen den Zensus bestehe, betonte der Deutsche Städtetag.

Der Zensus liefert über die Einwohnerzahl hinaus Daten zur Bevölkerungsstruktur und Besiedlung Krefelds. Demnach sind 197.640 Krefelder Deutsche (rd. 89 Prozent), 24.610 Ausländer (rd. 11 Prozent). Insgesamt hat Krefeld 46 556 Gebäude und 121 817 Wohnungen.

Viele weitere Ergebnisse im Internet auf www.rp-online.de/krefeld

(RP/rl)
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