Krefeld: Stadt und Polizei räumen drei Problemhäuser

Krefeld: Stadt und Polizei räumen drei Problemhäuser

Drei Problemhäuser an der Gladbacher Straße sind gestern komplett oder teilweise geräumt worden. In einer gemeinsamen Aktion von Stadt, Polizei und Feuerwehr kontrollierten die Einsatzkräfte einige der 79 dort gemeldeten Osteuropäer. 43 Männer, Frauen und Kinder mussten ihre Wohnungen verlassen. Die Kripo ermittelt unter anderem wegen des Anfangsverdachts des Sozialhilfebetrugs.

Polizei, städtische Vertreter von Bauaufsicht und Einwohnermeldeamt sowie Feuerwehr setzten gestern ihre Linie fort, Problemhäuser in Krefeld zu kontrollieren und gegebenenfalls einzuschreiten. Bei der dritten Aktion standen drei Häuser an der Gladbacher Straße im Fokus. Anlass für das Einschreiten bot ein Anfangsverdacht für Sozialhilfebetrug und illegaler Aufenthalt einiger Bewohner sowie Überbelegung, Brandschutzmängel und Nutzungsverstöße. Das teilte Polizeisprecher Daniel Uebber gestern auf Anfrage unserer Redaktion mit.

Am Präsenzkonzept Innenstadt der Polizei beteiligten sich gestern auch Vertreter der Kommune. Foto: Lothar Strücken

Der Verdacht scheint nicht unbegründet. Das Haus Nummer 169 wurde komplett geräumt und versiegelt, eine weitere Nutzung vorerst untersagt. In den beiden Häusern Nummer 169a und 178 wurden den Bewohner der Dachgeschosse und der Anbauten das Wohnen dort verboten. Von den 79 bei der Stadt Krefeld dort gemeldeten Personen hätten 43 ihre Wohnungen verlassen müssen - darunter 15 Kinder, berichtete der Polizeisprecher. Zwölf Mieter würden zunächst von der Kommune untergebracht. Die übrigen Männer, Frauen und Kinder hätten bei Verwandten und Freunden eine Herberge gefunden, sagte Uebber. "Wir haben die Personalien aufgenommen", erklärte er. Dabei habe es sich hauptsächlich um Osteuropäer gehandelt.

Das Haus Nummer 169 wurde komplett geräumt und eine weitere Nutzung zunächst untersagt. In zwei weiteren Häusern wurden Wohnungen versiegelt. Foto: Lothar Strücken

Die Eigentümer der drei überprüften Gebäude werden über die Feststellungen und Maßnahmen informiert. Gegen sie werden nun ordnungsbehördliche Schritte eingeleitet. Die weitere Nutzung der betreffenden Wohnungen sei hauptsächlich wegen Brandschutzmängeln und baurechtlichen Versäumnissen unterbunden worden. Hinsichtlich der strafrechtlichen Aspekte seien die Ermittlungen aufgenommen worden. Erste Ergebnisse lägen noch nicht vor, berichtete der Polizeisprecher. An dem Einsatz beteiligt waren etwa 20 Mitarbeiter der Stadt und 40 Polizeibeamte. Zwei Dolmetscherinnen unterstützten die Kräfte. Alle Bewohner verhielten sich ausgesprochen kooperativ, teilte die Stadt mit.

Im Februar dieses Jahres rückten rund 70 Beamte von Polizei, Zoll und Stadt an die Lewerentz- und die wenige Meter entfernte Gerberstraße aus, um die Nutzung und den baulichen Zustand von zwei Mehrfamilienhäusern zu kontrollieren. Mitarbeiter des Fachbereichs Bauaufsicht der Stadtverwaltung haben sich dabei auch einen Gesamteindruck bezüglich der Sicherheit im Allgemeinen und der Nutzungen verschafft. Aufgrund erheblicher Brandschutzmängel (fehlende Rettungswege) sei im Gebäude an der Gerberstraße die weitere Nutzung der Flügelwohnungen und des Dachgeschosses untersagt worden, erklärte die Stadt.

Zwei Erwachsene und drei Kinder hätten ihre Wohnung sofort verlassen müssen und seien in städtischen Notunterkünften untergebracht. Rund zwei Dutzend Männer, Frauen und Kinder überwiegend bulgarischer Nationalität seien angetroffen worden. Die Untersuchung des Gebäudes an der Lewerentzstraße habe keine akute Gefährdung für Bewohner und die öffentliche Sicherheit ergeben. Dort sei jedoch eine ungenehmigte Nutzung der Dachgeschosswohnungen festgestellt worden. Auch gegen diesen Eigentümer würden ordnungsbehördliche Schritte veranlasst.

Hinweise auf Straftaten wie Sozialbetrug (unberechtigter Kindergeldbezug) habe es nicht gegeben, teilte Uebber mit. An den Einsätzen waren rund 25 städtische Mitarbeiter sowie 35 Polizisten und mehrere Zollbeamte beteiligt. Während des Einsatzes ist die Gerberstraße für den Straßenverkehr gesperrt.

Die Großrazzia im Februar war die zweite: Bereits im September des vergangenen Jahres hatte die Stadt diesen Weg beschritten, um an der Seidenstraße aktiv zu werden. Damals wurden zwei Häuser kontrolliert und eines von beiden zwangsgeschlossen und evakuiert. Der Grund: gravierende Brandschutzmängel. Beide Häuser seien der Stadt seit geraumer Zeit als Problemimmobilien bekannt, erläuterte seinerzeit ein Sprecher der Stadt. Beschwerden von Anwohnern hatten das Fass wohl zum Überlaufen gebracht und die Behörden zum Handeln veranlasst.

Im Einsatz waren 50 Polizeibeamte, zehn Mitarbeiter der Stadt und ein Brandsachverständiger der Feuerwehr. Die Polizei sicherte den Einsatz, so dass Stadtbedienstete und Feuerwehr die Wohnungen kontrollieren konnten. Offenbar wohnen dort vor allem Bulgaren und Rumänen - nach Auskunft der Polizei waren zwei Dolmetscher für Bulgarisch und Rumänisch mit im Einsatz. Die Polizei betonte, dass es bei dem Einsatz nicht um illegale Wohnungsprostitution ging. Straftaten wurden nicht festgestellt, und es gab auch keine Überbelegung der Wohnräume, hieß es weiter.

Wohl aber waren die brandschutztechnischen Mängel bei einem der beiden Häuser so gravierend, dass die 25 Bewohner des Gebäudes nicht mehr in ihre Wohnungen zurückkehren durften. Alle Einsätze damals und auch der gestern Morgen fand im Rahmen des Präsenzkonzeptes Innenstadt statt.

(sti)