Krefeld: Stadt prüft: Kesselhaus als Eventhalle

Krefeld : Stadt prüft: Kesselhaus als Eventhalle

Alte Industriearchitektur verströmt einen ganz besonderen Charme. Die Zeche Zollverein in Essen ist sogar Weltkulturerbe. Gerade im Ruhrgebiet gibt es viele Beispiele für Veranstaltungsstätten im rustikal historischen Ambiente. Die Turbinenhalle in Oberhausen gehört einem Krefelder und wird aus Bockum gemanagt. Jetzt könnte auch die Seidenstadt eine solch herausragende Eventhalle bekommen - das Kesselhaus im Mies-van-der-Rohe Business-Park an der Girmesgath.

Es wird konkret: Akribisch und sorgfältig bereitet Wolf-Reinhard Leendertz derzeit eine Nutzung des alten Kesselhauses der Vereinigten Seidenwebereien AG (Verseidag) als Veranstaltungshalle vor. Das Objekt in Einheit mit dem benachbarten Kraftwerk ist Zeugnis der Bauhaus-Kultur, für die insbesondere der weltbekannte Stararchitekt Ludwig Mies van der Rohe steht, der an der Girmesgath seinen einzigen Beleg von Industriearchitektur hinterlassen hat. Leendertz geht bei seinem Vorhaben behutsam vor. In Vorgesprächen mit Vertretern der Politik und der Stadtverwaltung hat er Zuspruch erfahren. Jetzt sollen die Pläne für das Projekt Kesselhaus konkreter werden. Leendertz muss die Unterlagen für eine offizielle Bauvoranfrage zusammenstellen. Einen Bescheid erwartet er zeitnah im Frühjahr.

Die Arbeit macht Leendertz nicht alleine. Der Krefelder hat sich dafür Unterstützung bei Fachleuten des Architekturbüros Böll gesucht, die große Erfahrung in dem Metier aufweisen. In Krefeld haben die Experten an der Samtweberei an der Lewerentzstraße bereits ihr Können in der Entwicklung historischer Immobilien unter Beweis gestellt. Darüber hinaus kann Leendertz auf die Kompetenz und Beratung der Wissenschaftler der RWTH Aachen und seines Architekten Georg van Houwald bauen.

Fensterfronten, stählerne Träger und industrietypische Fliesen im Inneren verleihen dem Kesselhaus Charme. Foto: Leendertz

Alle Ratsfraktionen wurden zu einem Ortstermin eingeladen. Die SPD, CDU, Grüne und die FDP haben sich bereits einen Überblick über die Chancen und Rahmenbedingungen zu verschafft. Wichtig: CDU, SPD und Grüne haben in einer gemeinsamen Erklärung öffentlich gemacht, dass sie sich das Kesselhaus als Ersatz für die Veranstaltungsräume im Seidenweberhaus vorstellen könnten. Das Objekt in der Innenstadt ist stark sanierungsbedürftig, die Frage, ob Abriss mit oder ohne Neubau oder aufwendige Reparaturen und Modernisierung für den Altbau ist noch nicht abschließend entschieden. Eine Alternative könnte das Kesselhaus sein. Nach einem Abriss stände der Theaterplatz für eine Neugestaltung zur Verfügung. Die Stadt würde viel Geld sparen.

"Die Arbeit, die wir im Moment erledigen, ist eher nüchtern und sachlich, hat wenig mit großen Träumen von Publikumserfolgen und populären Gastkünstlern zu tun, die womöglich später im Kesselhaus gastieren", sagte Leendertz im Gespräch mit unserer Redaktion. Mathematisch exakt listen die Planer Zahlen auf, an denen abzulesen ist, wie viel Platz das Kesselhaus im Vergleich zum Seidenweberhaus bieten würden. Verschiedene Alternativen sind durchgerechnet, mal bestuhlt ohne Tische, mal mit Tischen. Die Varianten lauten "parlamentarisch" und "gesellschaftlich". Das bedeutet, mal stehen die Tische vor den Stühlen in Blickrichtung Bühne, mal stehen sie an langen Reihen neben den Tischen. "Wir können fast alle Möglichkeiten darstellen, die auch das Seidenweberhaus bietet", betonte Leendertz.

Eine Grundfläche von 1000 Quadratmetern bietet ausreichend Platz für Veranstaltungen. Foto: WRL

Erste Entwürfe sehen einen Eingang fürs Publikum durch die verglasten alten Kohlebunker im Souterrain vor. Foyer und Garderoben mit vier Meter Deckenhöhe sowie zwei Treppenhäuser verteilen sich auf 1000 Quadratmeter. Ein Aufzug würde im alten Schornstein installiert und bringt diejenigen auf die Veranstaltungsebene im Erdgeschoss, die nicht die Treppe nutzen möchten. Dort stehen weitere 1000 Quadratmeter zur Verfügung plus eine Galerie im Obergeschoss für besondere Gäste.

Als kleine, zusätzliche und ergänzende Lösung kommt das angrenzende alte Kraftwerk ins Spiel. Dort gibt es auch eine kleine Bühne und einem Zuschauerraum für 200 Gäste sowie eine Galerie. Zusätzliche Seminarräume runden das Raumangebot ab. Zu den Kosten für den Umbau kann Leendertz noch nichts sagen. Vieles hängt davon ab, was in die Substanz investiert, aber auch für Optik und Akustik installiert werden muss oder soll. Für Bühne, Licht und Ton sollte zumindest eine Grundausstattung her, die dann durch Zumietung für die einzelnen Erfordernisse ergänzt werden kann.

Leendertz erwartet eine Grundsatzentscheidung der Politik bis zum Sommer des kommenden Jahres, für den Fall, dass das Bauhaus-Jubiläumsjahr 2019 am historischen Ort gefeiert werden sollte. Bekanntlich ist Krefeld quasi die Bauhaus-Hauptstadt Nordrhein-Westfalens mit ihren Kostbarkeiten aus der Urheberschaft Ludwig Mies van der Rohes - das Haus Lange, das Haus Esters sowie die Shedhallen und das HE-Gebäude auf dem Leendertz-Areal an der Girmesgath.

Leendertz denkt daran, parallel zum Beratungs- und Entscheidungsweg einen internationalen Architektenwettbewerb mit dem Ziel auszuschreiben, für das Kesselhaus mitsamt dem dazugehörenden Kraftwerk und darüber hinaus Ideen, Vorschläge und Entwürfe von herausragenden Fachleuten aus dem In- und Ausland zu erhalten. Bis dahin hat der Eigentümer des Mies-van-der-Rohe-Business-Parks noch viel zu tun.

(sti)
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