Krefeld: Stadt plant den Abschied vom Villencharakter

Krefeld : Stadt plant den Abschied vom Villencharakter

An der Ecke Wilhelmshofallee und Kaiserstraße soll Baurecht für ein Mehrfamilienhaus mit 16 Eigentumswohnungen geschaffen werden.

Die Bockumer sind stolz auf ihren Stadtteil: repräsentative Bauten, viel Grün, prächtige Alleen. Bürger wie beispielsweise Klaus Reymann, Architekt und Denkmalschützer, achten mit Argusaugen darauf, dass der großzügige Charakter des Stadtteils erhalten bleibt. Die Stadt hat mit dem Bebauungsplan 463 eine Art Villengegend planungsrechtlich festgeschrieben. Grundstücksgrößen von mindestens 800 Quadratmetern mit maximal nur zwei Wohneinheiten stehen für einen aufgelockerten Charakter des Quartiers. Die Stadt Meerbusch hat übrigens ihr Recht, über Bebauungspläne solch noblen Wohngegenden zu diktieren, bis vors Bundesverwaltungsgericht durchgefochten.

Jetzt soll in Krefeld diagonal gegenüber dem Kaiserpark alles anders werden: Die Stadtverwaltung schlägt die erste Änderung des Bebauungsplans vor und informiert die Politik in der Sitzung des Ausschusses für Stadtsanierung am Donnerstag, 13. Juni, und die Bezirksvertretung Ost am Mittwoch, 3. Juli, im Bockumer Rathaus. Demnach soll an der Ecke Wilhelmshofallee und Kaiserstraße das vorhandene Wohnhaus abgerissen und stattdessen ein Komplex aus 16 Eigentumswohnungen errichtet werden. Zwei Vollgeschosse und ein zurückgesetztes Staffelgeschoss mit Flachdach erreichen eine Höhe von rund zehn Metern.

Das Objekt füge sich aufgrund der tiefen Vorgartenzone in den villenartigen Bebauungskontext ein und greife dabei die bestehenden Fluchten zu den Nachbargebäuden auf, heißt es in der Verwaltungsvorlage. Der Stellplatzbedarf der künftigen Wohnungsnutzer soll über eine Tiefgarage abgedeckt werden. Die Zufahrt soll über die Wilhelmshofallee erfolgen. Die gesetzlich geschützten Baumalleen würden davon nicht beeinträchtigt, versichert die Verwaltung. Allerdings könne der imposante Bestand an Bäumen und Gehölzen auf dem Grundstück nicht vollständig erhalten werden. Wegen der Größe des Mehrfamilienhauses, der Zuwegungen, der Terrassen und der Zufahrt zur Tiefgarage sei das Vorhaben nicht in Einklang mit der Forderung, die Bäume zu erhalten, zu bringen, heißt es in der Beratungsvorlage.

Das Grundstück ist 2570 Quadratmeter groß, die private Gartenfläche inklusive Terrasse und Wege macht 1825 Quadratmeter aus. Die Grundfläche des Mehrfamilienhauses nimmt 745 Quadratmeter in Anspruch.

(RP)
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