Blitzer zu ungenau?: Stadt Krefeld beteuert: "Wir messen richtig"

Blitzer zu ungenau?: Stadt Krefeld beteuert: "Wir messen richtig"

In dem Beitrag "Radarfallen" will der WDR falsche Einstellungen von Messfahrzeugen in Krefeld dokumentiert haben. Die Stadt dementiert die Vorwürfe.

Geht es bei Geschwindigkeitskontrollen um Verkehrssicherheit, oder wollen die Städte lediglich ihre leeren Kassen füllen? Der Westdeutsche Rundfunk hat in seiner Sendung "Könnes kämpft - Radarfallen: der Blitzer-Bluff" versucht, eine Antwort zu geben. Bei den Recherchen war das Team auch in Krefeld. "Wir haben bei Stichproben festgestellt, dass die Messungen in Krefeld nicht korrekt erfolgt sind, und Bußgeldbescheide deshalb angezweifelt werden können", erklärte Jörg Gaensel auf Anfrage unserer Zeitung.

Worum geht's? Das Aufnahmeteam hat in Krefeld Messfahrzeuge im Einsatz entdeckt, die Geschwindigkeiten in beide Fahrtrichtungen gemessen haben. Durch die Scheiben der Wagen wurde an den Blitzern die Standardeinstellung Auto für Automatik dokumentiert. Für eine korrekte Handhabung hätte die Messtechnik auf man für manuell stehen müssen, berichtete Gaensel, damit ein "aufmerksamer Messbetrieb" gewährleistet sei.

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In Krefeld und anderen Städten halten sich Geschwindigkeitskontrolleure nicht, wie zwingend vorgeschrieben, an die Bedienungsanweisungen für die komplizierte Radartechnik. Damit wären die Blitzer-Fotos im Sinne eines "Standardisierten Messverfahrens" eigentlich nicht verwertbar, sie dürften nicht in Bußgeldbescheide münden, teilt der WDR mit. Manuel Kölker, Sprecher der Stadt Krefeld, teilte dem Sender auf Anfrage mit, dass die Messeinrichtungen korrekt betrieben würden - auf manueller Einstellung. Die Fernsehbilder streuen Zweifel an der grundsätzlichen Aussage des Stadtsprechers. Offenbar gibt es Ausnahmen. Dem geblitzten Autofahrer dürften die Rechercheergebnisse des WDR kaum etwas nutzen. Die Schwierigkeit besteht darin, einen Nachweis zu führen, dass die Messtechnik nicht korrekt bedient worden ist. "Es gab bisher keine Einsprüche hinsichtlich der Frage, ob ein ,aufmerksamer Messbetrieb' vorlag", so Kölker.

Ungeachtet dessen ändert die Diskussion nichts daran, dass der geblitzte Autofahrer mit größter Wahrscheinlichkeit tatsächlich zu schnell unterwegs war und womöglich sich und andere gefährdet hat.

(sti)