Neubau KFC Uerdingen: Stadion als Marktplatz: das Kerkrade-Modell

Neubau KFC Uerdingen : Stadion als Marktplatz: das Kerkrade-Modell

Das Stadionmodell, das der niederländische Investor Wyckerveste in Krefeld bauen will, sieht vor, dass die Sportarena das Herzstück eines Gewerbeparks bildet. Als Vorbild dient der Roda Boulevard in Kerkrade. Ein Ortsbesuch.

Geht es nach Hessel Meijer, dann sieht Krefelds mögliches neues Stadion aus wie eine Mischung aus luxuriöser Einkaufsmeile, Premium-Hotel und Großraum-Kinocenter. Das Modell des niederländischen Investors Wyckerveste, dem Meijer vorsteht, sieht vor, dass in den Tribünen der Sportstätte großflächige Unternehmen untergebracht werden, so dass von außen auch nicht erkennbar ist, dass im Mittelpunkt des Komplexes ein rund 20.000 Zuschauer fassendes Stadion integriert ist. Als Vorbild dazu dient das Parkstad Limburg, in dem der niederländische Ehrendivisionist Roda Kerkrade spielt. Das dortige Stadion wurde nach einem knappen Jahr Bauzeit im Jahr 2000 eröffnet.

Im Stadion selbst sind neben den Räumlichkeiten des Fußballvereins zahlreiche Unternehmen, die viel Platz benötigen, angesiedelt. Eine große Discothek beispielsweise ist dort untergebracht, ein deutsches Call-Center hat dort ebenso seine Räumlichkeiten wie ein großes Spielwarengeschäft, ein Casino, ein Großraumrestaurant oder ein Hotel einer großen niederländischen Kette mit einer Auslastung von angeblich 85 Prozent. Um die Arena herum sind unter anderem ein großer Baumarkt, ein Fitnesscenter, ein Sportdiscounter, eine Fast-Food-Niederlassung und eine mehr als 3000 Autos fassende Parkplatzanlage gelegen. Der drittgrößte Kinokomplex der Niederlande mit acht Sälen und Platz für über 2000 Besucher inklusive integriertem Bowlingcenter und überdachter Minigolfanlage wird gerade gebaut.

Diese Immobilien stellen die Grundlage der Finanzierung des Stadions und des gesamten Geländes dar; Wyckerveste sucht die Firmen selbst, errichtet für sie Gebäude und rechnet in den Komplettpreis für die Miete bzw. die Erstellung die Kosten für die Erschließung des Geländes und die Baukosten des Stadions von rund 25 Millionen Euro mit ein. Ziel ist, dass der Nutzer des Vereins (in Krefeld wäre das der KFC Uerdingen) dadurch kostenfrei dort spielen kann.

Gelände hat deutlich an Wert gewonnen

Rund 1000 Arbeitsplätze wurden durch die neu dort angesiedelten Großunternehmen in dem rund 34 Hektar großen Gewerbepark geschaffen, der früher reines Acker- und Weideland war - dass das Gelände nun ein Vielfaches an Wert gewonnen hat, versteht sich von selbst. Für den symbolischen Preis von einem Euro hat die Gemeinde Kerkrade seinerzeit die Fläche veräußert; ein ähnlicher Deal, zum Beispiel im Zuge des Erbbaurechts, schwebt Hessel Meijer auch für Krefeld vor — wenngleich auf einer Fläche zwischen acht und 15 Hektar, je nach Fassungsvermögen des Stadions. Zwischen 10 und 15.000 Zuschauer sollen dort Platz finden; die entsprechende Kalkulation will der Investor der Stadt in diesem Monat vorlegen, so lautet die Vereinbarung mit der Verwaltung. Die Stadt Krefeld selbst könnte, wie in Kerkrade, über eine eigene Tochter das Stadion verwalten — und, zum Beispiel über die Parkplätze, Geld verdienen.

Das niederländische Modell des Gewerbeparks scheint indes prächtig zu funktionieren. Im vergangenen Jahr wurden im Schnitt über 100.000 Autos pro Monat dort gezählt. Die Geschäfte dort haben auch beim Spielbetrieb geöffnet; Betriebe wie der Baumarkt haben abgetrennte Parkflächen, die an Spieltagen von einem Ordnungsdienst überwacht werden. "Allerdings bemüht sich Roda Kerkrade immer, die Spiele außerhalb der Geschäftszeiten zu legen", sagt Roger Pickee aus der Marketingabteilung des Clubs. In Kerkrade ist Roda ebenfalls Mieter von Räumlichkeiten; vier großzügige, als Businessclub nutzbare Säle stehen auf zwei Etagen zur Verfügung, 24 individuell gestaltbare Logen werden vom Club vermietet — ein Sitz in einer solchen Loge kostet 10 000 Euro pro Saison, also eine Zehnerloge 100 000 Euro. Klingt viel, aber lediglich eine Loge steht leer.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So könnte das neue Krefelder Stadion aussehen

(RP/anch)
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