Krefeld: Stabwechsel bei Grünen: Ana Sanz für Daniel John

Krefeld: Stabwechsel bei Grünen: Ana Sanz für Daniel John

Ratsherr Daniel John konzentriert sich auf seine Funktion als Büroleiter von Arndt Klocke, Vorsitzender der grünen Landtagsfraktion.

Daniel John hat in Krefelds Politik einen Eindruck hinterlassen - einen guten. Der 36-jährige Ratsherr der Grünen schließt das Kapitel Kommunalpolitik am Montag ab. Zum 8. Januar hat er sein Mandat zurückgegeben. Für ihn rückt die Spanierin Ana Sanz ins Stadtparlament. Die Vorstandssprecherin des Kreisverbandes von Bündnis 90/Die Grünen in Krefeld lebt schon seit Jahrzehnten in der Seidenstadt und war bislang in der Bezirksvertretung Süd aktiv.

Fraktionsvorsitzende Heidi Matthias rückte gestern Morgen im Krefelder Rathaus die Verdienste Johns ins Licht. "Er hinterlässt große Fußstapfen", sagte sie. Es sei sehr bedauerlich, dass er seine beruflichen Verpflichtungen als Büroleiter des Fraktionsvorsitzenden der Grünen im nordrhein-westfälischen Landtag in Düsseldorf und sein ehrenamtliches Engagement als Kommunalpolitiker nicht mehr unter einen Hut bringe. Mit der Wahl des Abgeordneten Arndt Klocke zum Fraktionschef habe sich der Aufwand Johns als Büroleiter vervielfacht. "Die Aktenberge auf meinen Schreibtisch sind eklatant gewachsen", berichtet er gestern anschaulich von der gestiegenen Inanspruchnahme. Der Einsatz von 16 bis 18 Stunden täglich für die Politik habe ihn an seine Grenzen gebracht. Für Familie und Freunde bliebe keine Zeit mehr. Insofern sei es ihm durchaus schwergefallen, auf sein Ratsmandat in Krefeld zu verzichten.

Ganz aus dem Blick wolle er seine Heimatstadt nicht verlieren. In seiner beruflichen Funktion sitze er an einer Schnittstelle zwischen Kommune und Land und werde diese Rolle als Lobbyist für die Stadt Krefeld nutzen und überfraktionell mit den Kollegen aus anderen Parteien wichtige Informationen weiterreichen und auf Förderprogramme aufmerksam machen.

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Mit seiner ruhigen Art habe John für einen besseren Öffentlichen Personennahverkehr dicke Bretter gebohrt und für Neuerungen gebaggert, sagte Heidi Matthias. Zum Thema neue Mobilität habe er zu einem Umdenken angeregt und auch die anderen Fraktionen überzeugt. Neben der Haushaltspolitik war es vor allem die Verkehrspolitik, die John interessierte. Besagter ÖPNV, aber auch die Aufwertung Krefelds für Fahrradfahrer standen für ihn ganz oben auf der Agenda. Die Krefelder Promenade als Verbindung von Forstwald nach Uerdingen mit Anschluss an überörtliche Radschnellwege galten als sein Lieblingsprojekt. Dass die Krefelder Promenade planerisch in trockenen Tüchern und die Realisierung der ersten beiden Abschnitte finanziell gesichert sei, zähle zu den Erfolgserlebnissen seiner Anstrengungen.

In der Finanzpolitik habe er die Zusammenarbeit mit CDU und SPD geschätzt und sei froh, dass die Zeiten des Nothaushalts in Krefeld passé seien. Die Haushaltslage habe sich bei allen bestehenden Risiken auch mit Hilfe von außen (hohe Zuwendungen vom Land) sehr verbessert. "Ich glaube, dass wir die Investitionen beispielsweise ins Stadthaus auch aus eigener Kraft hätten schaffen können", sagte John mit einem kritischen Blick auf das ÖPP-Modell. Die Öffentliche-Private-Partnerschaft sollte nur die letzte Möglichkeit sein, Kommunales zu finanzieren, urteilte er.

Ana Sanz wird gleichsam eins zu eins die Aufgaben ihres Vorgängers übernehmen. Die Interessen der beiden seien fast deckungsgleich, erklärte Heidi Matthias. Die Spanierin bewohnt ein klassisches Drei-Fenster-Haus in der Innenstadt. Die Aufwertung der City liegt ihr am Herzen. Viele Großstädte gewinnen an Urbanität, weil sie ihre Möglichkeiten nutzen. In Krefeld liegt das Potenzial der Innenstadt nahezu brach. Ana Sanz plädiert für die Renaissance der City als Wohnstandort. Damit einhergehend sei es nötig, Verkehrs- und Parkprobleme zu lösen und den Wandel nicht nur zu moderieren, sondern zu gestalten. "In Zukunft gibt es immer weniger Geschäfte", sagte die zukünftige Ratsfrau, die ihre Funktion im Kreisverband der Grünen demnächst aufgeben will.

(sti)