Krefeld: Stabwechsel bei der Unternehmerschaft

Krefeld: Stabwechsel bei der Unternehmerschaft

Hartmut Schmitz, seit 2009 Hauptgeschäftsführer der Unternehmerschaft Niederrhein, geht in den Ruhestand. Als er 1980 in dem Verband anfing, war die wirtschaftliche Lage schlecht und die Konflikte mit den Gewerkschaften hart.

Als Hartmut Schmitz 1980 bei der Unternehmerschaft Niederrhein anfing, waren die Zeiten so ganz anders - und zwar nicht nur, weil sich die Technik zur Kommunikation auf Brief und Telefon mit Ringelschnur konzentrierte. "Die wirtschaftliche Lage war schlecht", erinnert sich Schmitz; "es fanden schmerzhafte Konzentrationsprozesse statt; es gab Entlassungen und Sozialpläne; die Auseinandersetzungen mit den Gewerkschaften waren hart." Wenn Schmitz heute in den Ruhestand geht, ist die Welt eine andere: "Die Unternehmen stehen gut da, die wirtschaftliche Lage ist robust." Ach ja, und die Kommunikation ist mit Smartphone, Mails und Internet schneller und einfacher geworden.

Schmitz war mit seiner liebenswürdig-verbindlichen Art ein wichtiger Diplomat an der Schnittstelle zwischen Unternehmen, Gewerkschaften und Öffentlichkeit. Zur Unternehmerschaft Niederrhein gehören sechs Mitgliedsverbände, die die Interessen von 800 überwiegend mittelständischen Unternehmen am Niederrhein mit etwa 90.000 Beschäftigten vertreten. Seit 2009 hat Schmitz den Unternehmerverband als Hauptgeschäftsführer geleitet; gestern war Staffelübergabe an seinen Nachfolger Ralf Sibben. Sibben ist seit 2009 Stellvertreter von Schmitz - insofern stehen die Zeichen im Innern auf Kontinuität. Verändert hat sich eben die Lage "draußen". Das Verhältnis zu den Gewerkschaften ist besser geworden: "Wir schreiben Sozialpartnerschaft groß und leben das auch. Wir reden mit den Gewerkschaften auf Augenhöhe, und manchmal kann man auch Fünfe gerade sein lassen", resümiert Schmitz. Verändert haben sich auch die Aufgaben des Verbands. "Früher hatten fast alle Unternehmen Personalleiter; diese Aufgabe wird heute oft auf Sachbearbeiter-Ebene erledigt. Wenn es schwierig wird, beraten wir, vor allem bei Fragen des Kündigungsrechts", erläutert Schmitz. Auch dies betont er: Das Ansehen von Unternehmern ist besser geworden. "Heute muss sich niemand mehr entschuldigen, dass er Unternehmer ist." Schmitz hat einiges bewegt: Er organisierte die Arbeitskreise "Schulewirtschaft" als Verbund von Lehrern und Unternehmen; er hat Aktionstage zur Berufs- und Studienorientierung ausgerichtet; er hat neue Ausbildungsformate wie eine Einführungsschulung für Berufseinsteiger entwickelt - und er hat den Wettbewerb "Jugend forscht" nach Krefeld geholt.

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Sein Nachfolger Ralf Sibben kündigt an, er werde nicht alles von rechts auf links krempeln. "Wir haben seit Jahren vertrauensvoll zusammengearbeitet", sagt er mit Blick auf Schmitz. Organisatorische Ruhe im Innern mag hilfreich sein, denn weniger Arbeit wird Sibben nicht haben: "Die Veränderungen in den Unternehmen und in der Gesellschaft, vom demografischen Wandel bis zur Integration von Flüchtlingen, stellen uns vor enorme Herausforderungen", sagt er.

Eine Besonderheit ist die komplizierter werdende Tarifgesetzgebung. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) lasse mehr und mehr Ausnahmeregelungen im Tarifrecht zu, berichtet Sibben. "Früher bestand bei Unternehmern der Trend zur Tarifflucht, weil Tarifbindung im Ruf stand, eher schlecht zu sein. Doch mittlerweile kann Tarifbindung auch positive Effekte haben. Da werden wir helfen und beraten."

(RP)
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