Aus für Tankrabatt Spritpreis springt deutlich über 2 Euro: Gähnende Leere an Krefelds Tankstellen

Krefeld · In der Nacht zu Donnerstag endete der Tankrabatt. Unzählige Krefelder nutzten die letzte Chance vor dem Anstieg der Spritpreise, um ihre Fahrzeuge noch einmal vollzutanken. Aktuell macht ein Blick auf die Anzeigetafeln der Tankstellen keine Freude mehr. Im Schnitt ist Super-Benzin nun gut 35 Cent teurer.

Nach dem Ende des Tankrabatts
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Gähnende Leere an Krefelds Tankstellen

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Foto: Bärbel Kleinelsen

Drei Monate lang konnten sich Autofahrer über Spritpreise deutlich unter der Zwei-Euro-Marke freuen. Damit ist jetzt Schluss. Seit Mitternacht gelten wieder die alten  Steuersätze, der so genannte Tankrabatt ist ausgelaufen. Damit werden für Superbenzin (E10) 35 Cent pro Liter mehr  fällig, für Diesel sind es 17 Cent. Die gestiegenen Preise schreckten am Donnerstag viele Krefelder ab, die Tankstellen waren leer wie selten. Ohnehin hatte die Mehrzahl der Autofahrer ihre Gefährte bereits einen Tag vorher aufgetankt. Stellenweise kam es im gesamten Stadtgebiet zu langen Staus vor den Zapfsäulen.

„Bei uns standen die Fahrzeuge bis weit auf die Straße und blockierten eine Spur. Es hat aber keinen interessiert. Alle wussten, dass sie warten müssen, wenn sie an diesem Tag  tanken wollen“, erzählt ein 32-jähriger Tankstellen-Mitarbeiter. Er weist darauf hin, dass die Preise für Treibstoff bereits in den letzten Wochen langsam wieder hoch gegangen seien, sodass nach Wegfall der Vergünstigung die Zwei-Euro-Marke überschritten werden musste. „Das war wohl so geplant“, vermutet er und kann deswegen den Unmut vieler Autofahrer nachvollziehen, die sich seit der Pandemie beständig bei ihm und seinen Kollegen über die ihrer Meinung nach verfehlte Preispolitik beschweren. Trotzdem nutzten viele die letzte Möglichkeit, den Liter Superbenzin für 177,9 Cent (zum Beispiel bei Jet) tanken zu können. Aktuell wird an derselben Tankstelle bereits 214,9 Cent berechnet. Und das ist noch günstig. Bis 216,9 Cent reicht die Preisspanne.

Lange Schlangen vor den Zapfsäulen sah auch ein anderer Mitarbeiter einer Tankstelle, auch wenn es bei ihm selber nicht so extrem war. „Auf dem Weg zur Arbeit habe ich überall die Autos vor den Tankstellen stehen sehen, zum Teil bis auf die Fahrbahn. Bei uns hat sich alles gut verteilt, weil wir sehr viele Zapfsäulen haben“, berichtet er.

An diesem Donnerstagvormittag ist davon nichts mehr zu spüren. „Nein, heute ist es ruhig. Es haben ja alle gestern getankt“, sagt der Angestellte und schmunzelt. Auch bei der Konkurrenz kaufen die Kunden am Donnerstag eher Brötchen oder Zigaretten als Sprit. „Es gibt viele, die über die hohen Preise klagen. Aber das sind wir schon gewohnt. Seit einigen Jahren beschweren sich die Kunden. Es wird auch nicht besser, schließlich ist alles teurer geworden und die Menschen wissen nicht mehr, wie sie es bezahlen sollen“, sagt eine 62-jährige Mitarbeiterin, die trotz der gedrückten Stimmung nie die Erfahrung machen musste, dass Kunden ihr gegenüber ruppig oder unverschämt wurden. „Nein, es sind einfach Gespräche. Da wird keiner ausfallend.“

Die Methode Gießkanne, Entlastung über Tankrabatt zu schaffen, ist übrigens unter Ökonomen umstritten. Die jüngste Kritik daran wurde am Mittwochabend in Krefeld von Prof. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und Professor für Makroökonomie an der Humboldt-Universität Berlin, geäußert. Fratzscher sprach beim Wirtschaftsforum Impulse, das IHK und Rheinische Post veranstaltet hatten. Der Ökonom sprach sich für direkte Transferleistungen für Leute mit niedrigen und mittleren Einkommen aus; so könnten die Bürger auch selber entscheiden, ob sie das Geld nun zum Tanken nutzen oder, falls ein Verzicht aufs Auto möglich ist, in andere teurer gewordene Haushaltsposten stecken.  Mit dem Tankrabatt hingegen würden auch Leute entlastet, die die höheren Spritpreise locker tragen können.

Fratzscher betonte, die derzeitige Inflation sei extrem unsozial, weil Menschen mit niedrigen oder mittleren Einkommen überproportional von den Teuerungen getroffen werden würden. Er mahnte dringend an, diese Belastungen präziser als bisher aufzufangen und abzufedern, auch um des gesellschaftlichen Zusammenhalts willen. Solidarische Gesellschaften kämen besser durch solche Krisen als unsolidarische.