Lokalsport: Spannender Abstiegskampf in der Landesliga

Lokalsport : Spannender Abstiegskampf in der Landesliga

Trotz ihres Aufwärtstrends treten Viersens Fußballer auf der Stelle. Die VSF Amern wollen unbedingt ihren Abwärtstrend stoppen.

Die englische Woche hat noch mal viel Bewegung ins Tabellenbild der Fußball-Landesliga, Gruppe 1, gebracht. Aus Sicht des Grenzlandes ist allerdings nur die Abstiegszone relevant, nach oben sollte nach der vor allem in der Höhe überraschenden 1:7-Pleite am Sonntag beim 1. FC Mönchengladbach auch für Union Nettetal (aktuell 40 Punkte) nicht mehr viel gehen. Durch die jüngsten Siege von Mönchengladbach, Viersen, Rath und Jüchen ist die untere Tabellenhälfte ganz dicht zusammengerückt. Sogar Dennis Sobisz, Trainer der mit 36 Punkten ausgestatteten VSF Amern, sieht sein Team nach der Heimniederlage gegen Mettmann im Abstiegskampf angekommen. Die RP beantwortet die wichtigsten Fragen aus Grenzlandsicht. Wie viele Mannschaften steigen aus der Landesliga ab? Das hängt nach wie vor entscheidend von der Regionalliga ab. Muss dort kein Team aus dem Zuständigkeitsbereich der Fußball-Verbandes Niederrhein (FVN) absteigen, dürfen fünf Landesligisten in die Oberliga hoch, und einer hat zusätzlich die Chance den Klassenverbleib zu schaffen. Platz 18 und 17 (aktuell Kalkum und Dormagen) würden also direkt in die Bezirksliga gehen, und der 16. (aktuell Viersen) würde mit dem 16. der Gruppe 2 sowie den sechs Zweiten der Bezirksligen in einer Relegation um den einen freien Platz in der Landesligaplatz spielen. In der Regionalliga ist derzeit aus dem FVN einzig Fortuna Düsseldorf II abstiegsgefährdet, steht nach dem Heimsieg gegen Dortmund II am Wochenende aber wieder über dem Strich. Übrigens: Sollte es die Fortuna-Reserve doch erwischen, hätte das eventuell Vorteile für Süchteln. Denn sollte der ASV, momentan Bezirksliga-Primus, als Zweiter doch wieder in die Relegation müssen, dann mit den beiden 15. der Landesligen, stünden eine Liga höher zwei freie Plätze zur Verfügung.

Wieso hat der Insolvenzantrag vonAlemannia Aachen keinen Einfluss auf den Abstieg in der Regionalliga und damit auch indirekt auf die Landesliga? Früher war es so, dass Vereine, die einen Insolvenzantrag gestellt haben, als erster Absteiger feststanden. Laut Landesliga-Spielleiter Thomas Klingen tritt dieser Fall inzwischen aber nur noch ein, wenn das Insolvenzverfahren auch eröffnet wird. Die Beantragung wird mit einem Abzug von neun Punkten bestraft. Da Aachen aber sportlich so gut dastand, kann es diesen Verlust wohl verschmerzen. Sowohl die Fortuna-Reserve als auch die betroffenen Landesligisten können nicht damit planen, dass Aachen einen Abstiegsplatz belegt. Wie ist die Lage für den 1. FC Viersen? Steigt Fortuna nicht ab, stünden die Viersener aktuell auf dem Relegationsplatz 16. Angesichts des großen Vorsprungs auf Kalkum und Dormagen ist dieser Rang wohl sicher. Doch weil der Vergleich mit den Bezirksligisten einem Lotteriespiel gleicht und Rang 16 auch noch auf direktem Weg in die Bezirksliga führen kann, wollen die Viersener noch deutlich in der Tabelle klettern. Diesen Anspruch hat der neue Trainer Steve Jäck als Nachfolger von Willi Kehrberg klar formuliert. Die sechs Punkte unter Jäck aus den drei Spielen der englischen Woche haben die Situation von den Punkten her aber nicht nachhaltig verbessert, weil auch die Konkurrenz im Tabellenkeller erfolgreich war. Was spricht im Abstiegskampf für die Viersener? Die Abstände zu den Nichtabstiegsplätzen haben sich zwar nicht groß verändert, dafür sind wieder mehr Teams in den Abstiegsstrudel geraten. Hinzu kommt, dass der Trend auf Viersens Seite ist und es Steve Jäck in der kurzen Zeit geschafft hat, mit seiner Ansprache, seiner mutigen Spielphilosophie und einigen Personalentscheidungen für eine Aufbruchsstimmung zu sorgen. Das hat das Heimspiel gegen Heiligenhaus deutlich gemacht. Momentan sieht es so aus, als hätten alle Spieler eine Schüppe draufgelegt. Besonders hervor tun sich Torwart Jens Lonny, der lange verletzte Dennis Richter als Spielmacher, der ins defensive Mittelfeld beorderte Sean Herrmann und der auf seine Stammposition auf der rechten Außenbahn zurückgekehrte Dennis Homann. Außerdem bekommen es die Viersener in den neun noch ausstehenden Partien noch mit fünf direkten Konkurrenten aus dem Tabellenkeller zu tun, können also noch viel Boden gutmachen. Wie ist die Lage der VSF Amern? Nach dem starken ersten Saisonabschnitt, der vor Winterpause 30 Punkte eingebracht hatte, mussten die Amerner in René Jansen, Dominik Heythausen und Pascal Wüsten schmerzhafte Abgänge verkraften. Im neuen Jahr gab es aus fünf Spielen "nur" sechs Zähler, drei Partien gegen schlechter platzierte Teams gingen verloren. Hinten werden durch leichtfertige Fehler zu viele Tore kassiert, vorne herrscht dafür Flaute. Müssen die VSF Amern tatsächlich noch um den Klassenverbleib zittern? Im Gegensatz zu Viersen spricht der Trend gegen die VSF, zumal die Mannschaft wegen des Umbaus im Rösler-Stadion auch keine richtigen Heimspiele mehr hat. Allerdings beträgt der Vorsprung auf den aktuellen Relegationsplatz satte zehn Punkte, auf den aktuell ersten sicheren Nichtabstiegsplatz acht. Da müsste schon verdammt viel misslingen, damit das noch schiefgeht. Zumal Amern auch noch die beiden Spiele gegen die abgeschlagenen Teams aus Kalkum und Dormagen vor der Brust hat. Wieso spricht VSF-Coach Dennis Sobisz vom Abstiegskampf? Auch wenn die Lage noch nicht hoch brisant ist, tut der Amerner Trainer gut daran, seine Spieler zu warnen, ehe der Abwärtstrend sich verfestigt. Denn wer unerwartet und zu sorglos in den Abstiegsstrudel gerät, wird es schwer haben, den Schalter umzulegen. Das will Sobisz vor dem Hintergrund der beiden vergangenen Zitterspielzeiten wahrscheinlich verhindern.

(RP)
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