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Selin Oruz – betroffene  Botschafterin für Specialhockey

Als Demonstrationssportart beworben : Selin Oruz – betroffene Botschafterin für Specialhockey

Jeder soll im Rahmen seiner Möglichkeiten Sport treiben können. Deshalb macht sich die Krefelderin für Specialhockey stark, damit auch Menschen mit geistigem Handicap den Sport ausüben können.

2023 finden die Special Olympic World Games, quasi Olympische Spiele für Sportler mit geistigem Handicap, in Berlin statt. Teil dieser Veranstaltung will auch das Specialhockeyteam des Deutschen Hockeybundes (DHB) sein, das sich als Demonstrationssportart für die noch junge Veranstaltung beworben hat und jetzt warb. Dabei ließ sich auf dem Hockeyplatz des Rheydter SV kaum ein Unterschied zu normalen Teams erkennen. Die Spieler dribbeln durch einen Hütchen-Parcours und schlossen mit einem Torschuss ab. „Wir sind ein total buntes Team von 19 bis 63 Jahren, Neulingen und erfahrenen Hockeyspieler, die einen unterschiedlichen Grad an Handicaps haben. Gespielt wird in gemischten Teams und wir stellen uns auf die Besonderheiten der einzelnen ein,“ erklärt Trainer Claus Heinze. Dabei gelten leicht abgewandelte Regeln, so wird auf Kleinfeld gespielt mit sechs Spielern pro Team. Einer der erfahreneren Nationalspieler ist Mahmut Gerdan, neuer DHB-Repräsentant: „Es macht totalen Spaß auf dem Platz zu stehen. Ich war schon bei der EM in Amsterdam dabei und würde sehr gerne mit dem Team nach Berlin fahren.“

Inmitten seiner Spieler steht Selin Oruz, sie macht eine kurze Übung vor und gibt den einen oder anderen Tipp. Die Nationalspielerin und Kapitänin des Düsseldorfer HC ist neue Botschafterin für das Specialhockey beim DHB und schlägt somit auch eine Brücke zwischen den etablierten Auswahlteams und dem neuesten Nationalteam. „Wir von der Damennationalmannschaft haben schon länger Kontakt zu den Parasportlern. Sie haben uns auch bei der EM in Antwerpen letztes Jahr ganz groß angefeuert. Auch wir versuchen, sie zu unterstützen wo es geht. Sie verdienen viel mehr Aufmerksamkeit als sie aktuell bekommen und ich hoffe, ich kann meinen Teil dazu beitragen, für mehr Chancengleichheit für Parasportler zu sorgen“, sagt die 23-Jährige.

Für dieses Anliegen hat sie auch ganz persönlichen Gründe. Ihr acht Jahre älterer Bruder Enis leidet ebenfalls an einem geistigen Handicap, was jedoch so stark ausgeprägt ist, dass es ihm nicht möglich ist, teilzunehmen. Dennoch ist er bei zahlreichen Hockeyevents von Selin oder ihrem Bruder Timur, der ebenfalls lange beim CHTC spielte und nun für Rot-Weiss Köln aufläuft, dabei – so werden Hockeyspiele zu Familientreffen.

„Es ist was ganz Besonderes und sollte dennoch Normalität sein, dass jeder in seinem Rahmen die Möglichkeit hat, seinen Sport auszuüben. Es herrscht eine riesengroße Begeisterung und Freude bei den Sportlern“, beschreibt Selin Oruz ihre Erfahrungen.

DHB-Präsidentin Carola Meyer betont die Reichweite und den Zusammenhalt im Hockey. „Wir sind total happy, diese Möglichkeit der Bewerbung zu haben und hoffen natürlich, dass wir den Platz erhalten. Wir haben ein unglaubliches Feedback unter anderem auch aus den USA, Pakistan und Indien erhalten.“

Aktuell gibt es in Deutschland 15 Specialhockeyteams aus sieben Landesverbänden, darunter in Hamburg, Berlin und Essen. Ob der große Traum in Erfüllung geht, erfahren sie bis Anfang November. Auch im Falle einer Absage hätte man einen Platz im Rahmenprogramm der Special Games sicher.