Schacholympiade Matthias Dorner ist der beste Spieler am dritten Brett

Krefeld · Matthias Dorner aus Willich gewinnt Gold bei der 1. Schacholympiade für behinderte Menschen in Belgrad. Warum es nicht nur sportlich eine beeindruckende Veranstaltung und schöne Erfahrung war.

 Der Willicher Matthias Dorner ist Stammspieler des SK Turm Krefeld.

Der Willicher Matthias Dorner ist Stammspieler des SK Turm Krefeld.

Foto: Wolfgang Thieme

Für den 63-jährigen Matthias Dorner war die Einladung ins deutsche Nationalteam zur „1. Schacholympiade für behinderte Menschen“ ein weiterer Höhepunkt in seiner langen Karriere. Schon 2020 nahm er in Pandemiezeiten an der „Online-Schacholympiade“ teil. Krankheitsbedingt verlor er sein rechtes Bein samt Hüfte, auch wurden innere Organe in Mitleidenschaft gezogen, was ihn jedoch nicht daran hinderte, ein fast professionelles Niveau im Schach zu erreichen.

Bereits 1990 verlieh der Weltschachbund Fide ihm den Titel eines Fide-Meisters. Mit einer Elo-Wertungszahl von 2180, die die Spielstärke beschreibt, ist der in Willich lebende Matthias Dorner als langjähriger Stammspieler der ersten Mannschaft des Krefelder Schachklubs Turm in der NRW-Liga eine große Stütze.

Serbien – ein Land mit einer langen Schachtradition – wurde vom Weltschachbund als Gastgeber der ersten Behinderten-Olympiade ausgewählt. Bevor sich die mehr als 100 Frauen und Männer in der Hauptstadt Belgrad mit 26 Teams aus 33 Ländern an die Bretter setzten, wurden sie mit einer beeindruckenden Eröffnungszeremonie im serbischen Parlament begrüßt. Diese Art von Schachturnieren, bei denen Menschen mit körperlichen Behinderungen und motorische Beeinträchtigungen sowie Blinde, Gehörlose und Taubstumme gegeneinander spielen, erfordert im Gegensatz zu normalen Schachveranstaltungen eine gänzlich andere Organisation. Sehr gute Voraussetzungen bot dazu das 4-Sterne-Hotel Crowne-Plaza im Stadtzentrum – nahe der Mündung der Save in die Donau gelegen –, das bestens auf die besonderen Bedürfnisse der Teilnehmer vorbereitet war. Nicht nur spezielle Bretter, Schachuhren und Aufzeichnungsgeräte kamen zum Einsatz, sondern es gab auch eine umfassende persönliche Unterstützung sowie Assistenz: medizinische Betreuung und Dolmetscher standen auch außerhalb des Turniersaales – insbesondere bei den Rahmenveranstaltungen – ausreichend zur Verfügung.

Absolute Konzentrationsfähigkeit und ein hohes Maß an mentaler Stärke zeichnen Matthias Dorner aus, hatte er doch auch, wie jedes der vier Teammitglieder, sechs Partien zu absolvieren, wobei trotz Begrenzung der Bedenkzeit eine Partie schon mal fünf Stunden Spielzeit in Anspruch nehmen konnte. Nur am zweiten Spieltag gestattete Matthias Dorner seinem Gegenspieler aus Kasachstan ein Remis, alle übrigen Partien gegen Kontrahenten aus Polen, Usbekistan, Sambia, Kirgistan und Serbien entschied er, teils deutlich, zu seinen Gunsten und erspielte mit 5,5 Punkten ein überragendes Ergebnis, das mit der Goldmedaille für den besten Spieler am dritten Brett ausgezeichnet wurde. Deutschland konnte sich auch dank seiner Leistung von Startrang 14 auf den zwölften Platz vorarbeiten, während Polen, vor dem IPCA – einem internationalen Behindertenteam – und den Philippinen ungeschlagen die Nationenwertung gewann.

Weitere Informationen unter: https://www.youtube.com/watch?v=MR60eDOK_iM

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