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SC Bayer Uerdingen wartet bisher vergebens auf Rückkehr in die Heinz-Melcher-Halle

Tischtennis : Schon seit fünf Jahren ohne sportliche Heimat

Die Tischtennis-Abteilung des SC Bayer Uerdingen wartet bisher vergebens auf eine Rückkehr in die Heinz-Melcher-Halle.

Über die Meldung, dass der KFC Uerdingen in der nächsten Saison das dritte Jahr in Folge nicht im heimischen Grotenburg-Stadion spielen kann, darüber kann sich Rolf Schages ein Lächeln nicht verkneifen. Der 59-Jährige ist seit gut 20 Jahren Abteilungsleiter der Tischtennis-Abteilung des SC Bayer Uerdingen, die schon seit nun mehr fünf Jahren ohne sportliche Heimat ist.

Noch viel länger ist Schages beim SC Bayer mit dem Tischtennis verbunden, wo er 1972 seine ersten Gehversuche an der Platte gemacht hat. Entsprechend kennt Schages auch die guten Zeiten, in denen er zum Teil selber in der erfolgreichen Herrenmannschaft gespielt hat, die es bis in die 2. Bundesliga geschafft hatte. Auch die Bundesligazugehörigkeit der Damen, die in den 90er Jahren auch im ETTU-Pokal international unterwegs waren, zeugten von einer Blütezeit im Uerdinger Tischtennis.

Vor fünf Jahren musste die Heinz-Melcher-Halle am Lübecker Weg in einer Nacht- und Nebelaktion geräumt werden. „Ich war zu der Zeit in Urlaub, danach musste alles sehr schnell gehen“, erinnert sich Schages. Schnell hieß in diesem Falle nicht nur die Sportgeräte aus der Halle holen, sondern sich auch nach einer anderen Halle umschauen. „Bevor die Stadt tätig geworden war, hatten wir schon für die Halle an der Sollbrüggen-Grundschule angefragt. Die war aber zu klein und so sind wir in Absprache mit TSV Bockum zum Teil auch in die Halle an der Grotenburgschule gegangen“, sagt Schages weiter.

Die Folge davon war allerdings, dass das Vereinsleben innerhalb der Abteilung nahezu zum Erliegen gekommen ist. Inzwischen gibt es keine Damenmannschaften mehr bei Bayer, selbst bei den Herren wurden zur aktuellen Saison zwei Mannschaften weniger gemeldet. Ein gemeinsames Training gab es schon vor dem Kontaktverbot nur noch selten, eine Bindung von der Jugend zum Seniorenbereich findet fast gar nicht mehr statt.

Dass noch vier Jugendmannschaft gemeldet sind, grenzt da schon an ein kleines Wunder, zumal die Nachwuchsspieler nicht mehr direkt in der Nähe der Halle wohnen so wie vor fünf Jahren, sondern nun mehr weitere Wege in Kauf nehmen müssen. „Die Kinder, die jetzt in unseren Jugendmannschaften spielen, kennen die Heinz-Melcher-Halle überhaupt nicht. Die wundern sich dann immer, wenn die älteren Spieler davon erzählen wie schön es früher war. Da haben auch mal zwei Mannschaft parallel zu Hause gleichzeitig gespielt“, erklärt Schages die Problematik, die zumindest im Jugendbereich geklärt wurde. Hier fand sich eine Lösung, dass alle Mannschaften an einem Spieltag in der Halle an der Grotenburgschule zu Hause spielen. Im vorherigen Jahr wurde die ehrenamtliche Arbeit von Schages durch den Kreisvorstand mit der Verleihung des Roman-Dahm-Pokals besonders gewürdigt. Wie es aufgrund des Coronavirus allerdings weiter geht, das steht noch in den Sternen. Es kommen viele Fragen auf, denn es ist auch die Zeit für Verhandlungen mit Spielern aus der ersten Mannschaft. „Wir hatten schon vor der Absage durch den Verband beschlossen, dass wir nicht mit unseren Mannschaften antreten. Wie es jetzt weitergeht, müssen wir abwarten. Zufriedenstellen kann man nicht alle“, so das Motto aus Uerdingen.

Es herrscht allerdings noch in anderer Richtung etwas an Wehmut. Traditionell findet nach Ostern immer das große Tischtennis-Turnier in Uerdingen statt. Im Turnierkalender des Verbandes war dieses terminlich angegeben, Schages hat auch schon eine Anmeldung dazu. Doch auch das fiel der Corona-Pandemie zum Opfer. „Wir waren ja die letzten Jahre froh, dass wir mit der Bayer-Halle am Löschenhofweg einen geeigneten Austragungsort zur Verfügung hatten, aber nachdem der Spielbetrieb ausgesetzt wurde, macht ein Turnier auch keinen Sinn mehr“, bedauert Schages. Damit hat seine Abteilung keine Gelegenheit, sich ordentlich in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Doch es gilt noch weitaus mehr dem Turnier nach zu trauern. „Für uns ist es immer die Gelegenheit, mit anderen Tischtennisspielern in Kontakt zu kommen. Es ist dann wie auf einem Sportfest. Klar sparen wir jetzt einiges an Arbeit zur Vorbereitung ein, aber da hat unser Organisationsteam bisher immer viel Spaß dran gehabt“, fügt Schages noch hinzu und hofft, dass es demnächst wieder Positives zu berichten gibt.