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SC Bayer Uerdingen: Das Licht ging aus, Geschützfeuer war zu hören

Tischtennis : Das Licht ging aus, Geschützfeuer war zu hören

Historie Am 25. Mai vor 25 Jahren standen die Tischtennisdamen des SC Bayer Uerdingen erstmals im Endspiel des ETTU-Pokal, das sie gegen Langweid jedoch 0:4 verloren. Trainer Bernd Raue erinnert sich an den Weg ins Finale und die Angst im Kriegsgebiet.

Die Blütezeit, die der Tischtenniskreis Krefeld erlebt hat, liegt in der Vergangenheit. Zuletzt waren es die Damen des SC Bayer Uerdingen in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts, die regelmäßig in der Bundesliga aufschlugen und auch auf internationalem Parkett tätig waren. Heute, am 25. Mai, vor 25 Jahren folgte der erste große Höhepunkt mit dem Erreichen des ETTU-Pokalfinales, vergleichbar mit der heutigen Europa League im Fußball.

Trainer zu der damaligen Zeit war Bernd Raue, der sich noch genau daran erinnert. „Wir hätten zuerst in Moskau spielen müssen, die haben aber abgesagt und wir sind kampflos weiter gekommen“, sprudelt es direkt aus ihm heraus. Nach einem 4:1 gegen die Rumänen aus Arad klingen seine Worte zum Spiel in der nächsten Runde gegen Zagreb allerdings etwas düster, denn damals herrschte noch der Balkan-Krieg in der Region. „Wir hatten gerade Training und plötzlich ging das Licht für eine Stunde aus. Keiner wusste genau, was passiert war, aber aus der Ferne war Geschützfeuer zu hören und draußen fuhren UNO-Fahrzeuge mit Blauhelmen durch die Gegend. Ich habe dann versucht Jing Tian-Zörner, Elke Schall und Katja Nolten zu beruhigen, denen die Angst schon anzusehen war. Das Spiel selber ist mit 4:1 für uns allerdings optimal gelaufen“, sagt Raue weiter.

Es folgte ein 4:1-Heimsieg über Budapest. Im Halbfinale gestaltete sich dann das nächste Auswärtsspiel wesentlich friedlicher, denn Oroshaza in Ungarn zeigte sich als idyllisches kleines Nest. Auch diese Hürde wurde problemlos genommen.

Im Endspiel ging es in der Uerdinger Halle gegen den deutschen Rivalen FC Langweid um den Titel. Doch hier zeigte sich schnell, dass Bayer chancenlos war gegen Csilla Batorfi, Jie Schöpp und Christina Fischer. „Das war damals die beste deutsche Mannschaft. Mit Csilla Batorfi hatten die eine Spitzenspielerin, die beim Aufschlag den Ball einige Meter hoch in die Höhe warf. Sie spielte auch gut gegen Abwehr, was Jing Tian-Zörner sehr zu spüren bekam“, erinnert sich Raue noch genau an die glatte 0:4-Niederlage.

Doch es gibt auch einen guten Grund, warum Raue eine schöne Erinnerung an diesen Tag hat, denn 24 Stunden später ging es für ihn als Spieler von Rheintreu Bockum mit der Senioren-Mannschaft in der Ü40 nach Neuwied zu den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften. In der Besetzung Li, Anders, Raue und Peiffer wurde im Finale der SV Plüderhausen mit 5:4 bezwungen, wobei Raue selber zwei Punkte beisteuerte.

In den folgenden Jahren gelang dem SC Bayer Uerdingen dann ohne Raue als Trainer zwar noch dreimal der Einzug ins Finale (1996,1998 und 1999), der große Erfolg blieb aber aus. Anders die Bockumer Senioren, die 1999 nochmals Deutscher Meister wurden.