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Samed Yesil wurde aus der Bahn geworfen, ist aber glücklich

Vom FC Liverpool zu Teutonia St. Tönis : Samed Yesil wurde aus der Bahn geworfen, ist aber glücklich

Samed Yesil ist erst 27 Jahre alt, doch hat er mehr erlebt als nicht nur die meisten seiner Altersgenossen, sondern fast alle Sportler. Als hoffnungsvolles Talent war er ganz oben, spielt nun für St. Tönis – und ist glücklich. Er verrät warum.

Es war einmal – so beginnen viele Märchen. Sie erzählen wundersame Begebenheiten. Solche widerfuhren auch Samed Yesil. Doch während Märchen frei erfunden sind, waren jene Erlebnisse des gebürtigen Düsseldorfers real. Ob es ein Happy End gibt, ist offen, weil das Glück des Menschen nicht vom Fußball abhängt. Dies ist die nicht alltägliche Geschichte des Samed Yesil.

Es war einmal ein kleiner Junge, der in Düsseldorf geboren mit sechs Jahren beim CfR Links Fußball spielte. Zwei Jahre später wechselte er zum BV 04 und als Elfjähriger zu Bayer Leverkusen. Dort wurde er mit der B-Jugend Deutscher Vizemeister. Er war so gut, dass er als Torjäger gefeiert wurde und von der U16 bis zur U19 in der Junioren-Nationalmannschaft spielte. Mit der U17 qualifizierte er sich für die Weltmeisterschaft, bei der er in sieben Spielen sechs Tore schoss und mit dem Silbernen Schuh ausgezeichnet wurde. Bereits mit 17 Jahren feierte er sein Bundesligadebüt im Spiel zwischen Bayer und Hertha BSC.

Samed Yesil war begehrt, die Qualitäten des Torjägers erregten international Aufsehen. Es folgte der nächste Schritt auf der Karriereleiter. Für eine Million Pfund wechselte Samed Yesil am 30. August 2012 von Leverkusen zum FC Liverpool, wo er einen Vier-Jahres-Vertrag unterschrieb. Im Februar 2013 erlitt der Stürmer einen Kreuzbandriss im rechten Knie. Kaum war er genesen und hatte wieder Anschluss gefunden, riss das vordere Kreuzband erneut.

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Davon erholte er sich nicht mehr richtig. Die Erwartungen, die mit seinem Namen ob der Erfolge in der Vergangenheit verbunden waren, waren riesengroß. Entsprechend viele Hoffnungen wurden in ihn gesetzt – europaweit. Im Sommer hat er das Angebot des Fußball-Oberligisten Teutonia St. Tönis angenommen, das mit einer beruflichen Ausbildung verbunden war.

Doch die Fans haben ihn nicht vergessen, auch nicht in China. Von dort kam jetzt der nebenstehende Brief verbunden mit der Bitte, die Autogrammkarte unterschrieben zurück zu schicken. Für Samed Yesil nicht einmalig. „Früher gab es das natürlich häufiger“, erzählt er. „Aber Liverpool hat in China und Thailand extrem viele Fans. Ich habe das selbst erlebt; als wir in Singapur waren, wurde uns ein verrückter Empfang bereitet.“ Dass er noch heute Post bekommt, „macht mich glücklich. Ich bin nicht vergessen, brauche nicht einmal das Porto bezahlen, sondern nur die Karte unterschreiben und zurück schicken.“

Wehmut empfindet er, wenn er an die vier Jahre in England zurück denkt, wenn er sich die Fotos und Videos anschaut. „Aber ich bin jetzt auch glücklich“, sagt er. „Ich habe eine Familie und alle sind gesund.“ Seit drei Jahren ist er mit seiner Frau Goncha verheiratet, die er in Krefeld kennengelernt hat, als er für den KFC Uerdingen spielte. Sohn Ilyas ist neun Monate alt – sein Stolz. „Aber auch meinen Eltern und Geschwistern geht es gut. Die Familie ist das Wichtigste im Leben.“

Fußball ist für ihn wieder zur schönsten Nebensache der Welt geworden. Dass er auch bei Teutonia die hohen Erwartungen bislang nicht erfüllt hat, weiß er. „Wir hatten keinen guten Start“, sagt er. „Aber es sind noch sechs Spiele bis zum Ende der Hinrunde. Unser Ziel haben wir nicht geändert. Wir wollen einen einstelligen Tabellenplatz erreichen und uns für die Meisterrunde qualifizieren.“