Rostock ein harter Brocken für die HSG

Der Tag der Entscheidung naht : Rostock ein harter Brocken für die HSG

Der Verein, Europapokalsieger 1982, meldet wie die Eagles einen großen Ansturm auf Karten für die Relegation. Die Mannschaft ist jung und begeisterungsfähig und wird den Krefeldern ohne Frage alles abverlangen.

Die Handballeuphorie in Krefeld nimmt stetig zu. Die Fans fiebern der Relegation gegen den HC Empor Rostock entgegen. Die Glockenspitzhalle dürfte erstmals seit dem Umzug der Eagles ausverkauft sein und die Verantwortlichen suchen ständig nach Möglichkeiten, wo noch ein paar Plätze geschaffen werden können. Das ist beim Gegner aber nicht anders.

In Rostock ist die Begeisterung mindestens ebenso groß. Bereits einen Tag nachdem die Nord-Meisterschaft feststand waren 3400 Karten verkauft. Es bildeten sich lange Schlangen an den Vorverkaufsstellen. Der Sieger der Nord-Gruppe ist ein Verein mit großer Tradition. Im Jahr 1982 feierte der Club den Europapokalsieg der Pokalsieger. Zehn DDR-Meistertitel schmücken den Briefkopf. Darüber hinaus weitere Titel bei den Damen, Pokalsiege und eine Finalteilnahme im Europapokal der Landesmeister. Im Verein vergleichen sich Fans wie Verantwortliche von der Tradition her mit Vereinen wie THW Kiel oder VfL Gummersbach. „Das ist auch durchaus verständlich. Die Tradition und die Historie ist da“, sagt HSG-Geschäftsführer Thomas Wirtz.

Der Verein stieg erst 2017 aus der zweiten Liga ab und gehört eigentlich zum Inventar des Unterhauses. Sportlich ist das Abschneiden des Vereins dabei durchaus überraschend. Die beiden Leistungsträger Robin Breitenfeld, der eigentlich gefährlichste Torjäger des Teams, und Stefan Wilhelm fielen über weite Teile der Saison mit Knorpelschaden bzw. Kreuzbandriss aus. Das junge Team kompensiert diese Rückschläge über großen Teamgeist und lebt, ähnlich wie die Eagles, nun von großer Ausgeglichenheit.

Auffällig ist, dass Empor nie aufgibt. Mehrfach drehte die junge Mannschaft sogar deutliche Rückstände. Bei den Füchsen Berlin zum Beispiel lag die Mannschaft zehn Minuten vor dem Ende mit sieben Toren zurück, holte am Ende noch einen Punkt. Und auch beim entscheidenden Spiel um den Nord-Titel in Hildesheim war es ein zwei-Tore-Rückstand gut fünf Minuten vor Schluss. Beide Spiele endeten übrigens 27:27. Die Euphorie an der Ostsee baute sich dabei über die Saison immer mehr auf. Bereits das Derby gegen die Mecklenburger Stiere Schwerin war mit 4631 Zuschauern in der großen Stadthalle ausverkauft. Die Mannschaft zeigte sich dabei keineswegs nervös und schickte den Rivalen, der immerhin am Ende auf Rang vier einlief, mit einer 26:17-Packung nach Hause.

Rostock lebt, ähnlich wie die Eagles, von einer sehr kompakten Abwehr um starke Torhüter. Die Mannschaft ist physisch robust. Ronny Rogawska beispielsweise warnt vor allem vor Rückraumspieler André Meuser mit über zwei Metern Körpergröße. Aus Rostock ist zu hören, dass das Team aber eigentlich weniger von der Wucht, als vielmehr von schnellen Kombinationen lebe. Entscheidend könnte im Aufeinandertreffen der besten Abwehreihen des Nordens (707 Gegentore) und Westens (701 Gegentore) die Defensive sein.

Ausschlag für die Eagles könnte die Erfahrung geben. Marcel Görden, David Hansen, Tim Gentges, Stefan Nippes oder Simon Ciupinski liegen im Alter um oder über 30 Jahre. Rostock hingegen bringt eine eher junge Mannschaft mit. Trainer Till Wichers gilt als hervorragender Psychologe und holt unabhängig von den Rahmenbedingungen das Optimum aus seiner Mannschaft heraus. Unter dem Strich bleibt also ein Duell auf Augenhöhe, bei dem es unter dem Strich auf die Tagesform an den beiden Spieltagen ankommen dürfte. Die Spannung steigt täglich – in beiden Städten.

Mehr von RP ONLINE