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Preussen Krefeld: Der Niedergang eines Vorzeigeklubs

Fußball : Preussens Niedergang

Historie Der einstige Vorzeigeklub der Stadt kickt inzwischen in der Kreisliga B. Einst trugen namhafte Spieler die Rothosen, die auch mit Freundschaftsspielen gegen attraktive Gegner überregional für Furore sorgten.

„Alte Preussen-Herrlichkeit, wo bist du blieben?“ So oder ähnlich fragen sich die Anhänger des ehemaligen Krefelder Vorzeigeklubs und Traditionsvereins KTSV Preussen – überall und von allen immer nur Preussen Krefeld genannt –, wenn sie in den Fußballtabellen nach den Rothosen suchen. Und sie müssen ganz weit hinten schauen, um sie zu finden. Genauer gesagt in der Kreisliga B, wo das Team um Spielertrainer Alexander Bobis seit knapp zwei Jahren kickt.

Dem 32-Jährigen ist es mit zu verdanken, dass auf Hubert-Houben überhaupt noch dem runden Leder nachgejagt wird. Er übernahm nämlich nach dem Abstieg 2017/2018 aus der A-Liga die Resterampe einer sich fast auflösenden Mannschaft. Er zog die Akteure aus der Zweiten hoch, die es dann aus Personalmangel nicht mehr gab, hielt zur allgemeinen Überraschung im Jahr danach als Elfter die Klasse und hat sich wieder konsolidiert, was Rang vier in der aktuell unterbrochenen Spielzeit beweist. Allerdings ohne Chance auf den Aufstieg, weil ganz oben Lokalrivale BV Union schon mit 17 Zählern Vorsprung enteilt ist. Bobis, 1,94 Meter groß, eigentlich gelernter Innenverteidiger, aber mittlerweile mehr in die Offensive gewechselt, ist der Bruder von Julian Bobis, dem Schlussmann von Teutonia St. Tönis.

In den 80er Jahren waren die Preussen neben Bayer Uerdingen der Vorzeigeclub in der Samt- und Seidenstadt. Viele potente Geschäftsleute von der damaligen Einkaufsmeile Ostwall entrichteten ihren Obolus, was vieles erleichterte. Es gehörte da einfach zum guten Ton, etwas für die Preussen zu tun. Wolfgang Maes, Fred Strucks, Heinz Laden, Werner Ingenillm oder Michael Lukasewicz, um nur einige zu nennen, waren da die Spieler, die den Anhängern Freude bereiteten. Aller Ruhm ist aber vergänglich. In den Jahren danach ging es wieder bergab auf das aktuelle Level.

1985 entdeckte der Einweg-Flaschenhändler und Porzellan-Geschäftsinhaber Axel Morel sein Herz für die Preussen. Es ging unter Trainer Kurt Rettkowski, dem ehemalien Spieler des MSV Duisburg, St. Truiden, Go Ahead Eagles und VVV Venlo, wieder hoch bis zur Landesliga. Da löste ihn dann Fred Bockholt ab. Paul Hahn, mit Uerdingens Keeperlegende Manfred Kroke und Torwarttrainer, Manfred Schlebusch, Willi Radmacher (mit Kurzengagement), Dieter Tartemann und wieder Bockholt folgten. Spieler wie Ralf von Diericke, Branko Rodosek, Peter Loontiens, Klaus-Dieter Dieckmann oder Schlussmann Wolfgang Schreiner – er debütierte als 19-Jähriger in der Bundesliga beim MSV Duisburg gegen den HSV (0:0), war zwar hinter Gerhard Heinze meist die Nr. 2, kam aber dennoch auf 23 Einsätze – gaben sich die Klinke in die Hand. Auch Armin Reutershahn, der ewige Bundesliga-Cotrainer, spielte mit mäßigem Erfolg für die Preussen.

Morel zog sich dann nach und nach zurück und wurde an der Sponsorenspitze von Heide Holterbusch, Chefin einer großen Heizmangelkette, und Hans-Ludwig Hoffmann, beerbt. Das war 1992/1993. Letzterer ist Landwirt aus Mönchengladbach-Wanlo und arbeitete vorher schon beim Rheydter SV mit. Beide waren damals liiert, heute längst ein Paar und 1998 auch Karnevals-Prinzenpaar in Krefeld. Bereits seit 1988 dabei war Horst Riege, aktuell Manager beim Oberligisten TSV Meerbusch. Dies in vielfältigen Funktionen und zwar als sportlicher Leiter, auch kurzfristig Trainer der Zweiten, Cotrainer und Interimscoach der Ersten, wenn gerade mal jemand eher weg war, wie geplant.

Ab November 1993 aber übernahm der 66-Jährige endgültig vom glücklosen Peter Schleuter als erster Mann. In seine Zeit – die Preussen waren Drittligist und Fortuna Düsseldorf stieg auf – fielen so attraktive Freundschaftsspiele wie gegen den 1. FC Kaiserslautern mit Trainer „Kalli“ Feldkamp und Torjäger Stefan Kuntz, Fenerbahce Istanbul mit „Toni“ Schumacher im Tor oder gegen die Uwe-Seeler-Traditionself. Bei den Krefeldern waren unter anderem Spieler wie Mike Klein, Ingo Brocker, Gerd Kühn, Thomas Neber, Werner Kempkens, Marcus Claesgens oder Schlussmann Guido Körber dabei. Und Cotrainer von Riege war ebenfalls ein ehemaliger Bayer-Spieler, nämlich Wolfgang Lüttges.

Nach der Demission von Holterbosch/Hoffmann zum Sommer 1995 ging es, weil personell total ausgeblutet, sang- und klanglos aus der, durch die Einführung der Regionalliga mittlerweile vierthöchsten Klasse, bergab. Und ein Jahr danach entschieden die damaligen Macher sogar, gleich zwei Ligen, bis in die Bezirksliga, runter zu gehen. Damit war die Renaissance endgültig vorbei.

Postwendend gab es einen kleinen Lichtblick: Unter Trainer Michael Hackfurt ging es wieder eine Klasse höher. Aber das Szenario war nicht von Konstanz geprägt. Ab der Saison 2008/2009 wurde dann, noch vom Gesamtverein den Möglichkeiten entsprechend, weiter finanziell unterstützt. Unter Trainer Stefan G. Rex, dem früheren Nachwuchscoach aus Oppum, wurde auch erstmals der Versuch unternommen, wieder an bessere Zeiten anzuknüpfen. Aber da hatte der TuS Bösinghoven, heute TSV Meerbusch, die Nase vorn.

Udo Schüler als sportlicher Leiter und Thomas Kerwer als Trainer übernahmen die Geschicke. Nach Platz neun und zweimal Platz drei in den folgenden Spielzeiten drehte die Vereinsspitze den Geldhahn bis auf ein Minimum zu. Für Schüler und Kerwer war dadurch das Thema durch. Sportlich ging es, weil das Team mal wieder auseinander fiel und im folgenden Jahr nicht antrat, automatisch in die Kreisliga A ab und später in die B-Liga.