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Krefelds unbekannter Weltklassesportler spielt Minigolf

Minigolf : Krefelds unbekannter Weltklassesportler

Neunmal Welt-, 18-mal Europa-, 29-mal Deutscher Meister, neunmal Europacupsieger, dazu Silber- und Bronze­medaillen: Walter Erlbruch dürfte Krefelds erfolgreichster Sportler sein. Aber kaum jemand kennt den Minigolfer.

Der Name Walter Erlbruch sagt wohl in Krefeld oder der Welt nur den wenigsten etwas. Dabei kehrte der 47-Jährige seit seiner ersten Weltmeisterschaft im Jahr 1991 jedes Mal mit mindestens einer Medaille zurück. Seinen ersten Titel feierte er im Jahr 1985 noch bei den Schülern. Damals errang er die Deutsche Meisterschaft im Einzel. Im Jahr darauf startete er bei den Junioren im Nationalkader und spielte 1991 bereits bei den Senioren seine erste Weltmeisterschaft. Im Zwei-Jahres-Rhythmus geht es seitdem gegen die besten Spieler des Planeten, und Erlbruch kehrte stets mit mindestens einer Medaille heim.

In den geraden Jahren finden Europameisterschaften statt. Auch hier kam er jedes Mal mit mindestens einer Medaille nach Hause. Insgesamt macht das neun Welt- und 18 Europameistertitel. Dazu kommen 29 Nationale Titel und neun Europacupsiege. Hinzu kommen neun Silber- und zwei Bronzemedaillen. Doch so erfolgreich Erlbruch auch ist, bekannt oder gar reich wird er durch seinen Sport nicht. Im Gegenteil. Denn der Sport, den er betreibt, ist als solcher eher unbekannt und gilt den meisten eher als Freizeitspiel: Minigolf. Für die Athleten macht das aber keinen Unterschied. Sie betreiben ihn mit Liebe und Engagement und opfern fast ihre komplette Freizeit.

„Von meinen sechs Wochen Jahresurlaub gehen fünf für Minigolf drauf. Nur eine Woche pro Jahr gönne ich mir zum Ausspannen. Dazu bin ich von Mitte März bis Oktober jedes Wochenende unterwegs und trainiere auf den Bahnen, auf denen dann Wettkämpfe stattfinden“, berichtet der Bankangestellte. Finanzieren muss er seine Unternehmung überdies auch zumindest teilweise selbst. Dabei kommt es auch immer darauf an, sich auf die jeweilige Bahn einzustellen und die beste Kombination von Schlag und Ball herauszufinden.

 Walter Erlbruch begann bereits im Alter von sechs Jahren ...
Walter Erlbruch begann bereits im Alter von sechs Jahren ... Foto: Schalljo

„Je nach Bahn gibt es rund 20 verschiedene Schlagmöglichkeiten. Ich habe außerdem selbst zwischen 3500 und 4000 verschiedene Bälle mit unterschiedlichen Eigenschaften. Da ist es eine Wissenschaft, die richtige Kombination zu finden“, erzählt er. Dafür reiste er nun am vergangenen Wochenende nach Predazzo (Dolomiten). Mit dem Nationalteam ging es ins Trainingslager auf die Bahn, auf der vom 23. bis 25. August die Europameisterschaft stattfindet. „Das Trainingslager machen wir vor allem, um schon dort spielen zu können, ehe die Konkurrenten anreisen. Denn die können sich sonst unsere Ergebnisse abschauen“, berichtet Erlbruch. Dabei könne der Schuss aber auch nach hinten losgehen. „Wir machen das in zwei Etappen. Die erste Hälfte des Teams war eine Woche früher da, hatte es 18 Grad und Regen. Bei uns sind es jetzt über dreißig Grad und Sonne. Das verändert die Verhältnisse komplett. Je nachdem, wie die Bedingungen bei der Meisterschaft sind, können Ergebnisse nutzlos sein“, erzählt er. Darum sei ein guter Wetterbericht tatsächlich eine der wichtigsten Vorbereitungen.

 ... mit dem Minigolf und steht seit 1986 im Nationalkader.
... mit dem Minigolf und steht seit 1986 im Nationalkader. Foto: Schalljo

Ziel ist natürlich erneut der Titel. Konkurrenten sind vor allem die Schweden und relativ neu die Tschechen. Im Team sind die Deutschen dennoch der große Favorit. Seit 1990 holte die Mannschaft mit vier Ausnahmen (Silber) immer Gold. Dass es ein ernst zu nehmender Sport ist, zeigt auch die Wahrnehmung der NADA, der Antidopingbehörde. „Wir unterliegen den gleichen Dopingrichtlinien wie alle anderen Sportler auch“, sagt Erlbruch. „Allerdings gab es im Minigolf noch nie eine positive Probe. Darum haben wir nun Erleichterungen bekommen, da es mit dem normalen Tagesablauf von Berufstätigen kaum vereinbar war.“

 Nun geht es einmal mehr zur Europameisterschaft.
Nun geht es einmal mehr zur Europameisterschaft. Foto: Schalljo

Der wird ohnehin genug gestört. Bei der Urlaubsplanung nehmen die Vorgesetzten aber Rücksicht auf den Bedarf ihres so erfolgreichen, obschon vergleichsweise unbekannten Angestellten. In Krefeld ist er übrigens nicht der einzige Spitzen-Minigolfer. Bei den Senioren gehört Markus Janßen mit fünf EM-Titeln in vier Jahren zur Weltspitze. Sebastian Heine wurde 2016 bei seiner ersten EM Titelträger mit der Mannschaft und im Einzel und 2017 Weltmeister mit der Mannschaft. Krefeld ist also durchaus eine Hochburg für Minigolf, zumindest was die Einwohner angeht. Ein Team gibt es hier nicht. Alle drei spielen für Mannschaften anderer Städte.