Krefelds Segler starten in die neue Saison. Am Rhein steht eine neue Krananlage für die Boote.

Segeln : Ansegeln mit neuer Krananlage

Zwei Jahre war die Krefelder Seglervereinigung ohne eigenen Kran. Der 1933 gegründete Verein hat 60 Boote.

Zwei Jahre ist es her, da hing die Motoryacht ‚Fair Lady’ in der Krananlage der Krefelder Seglervereinigung. Wie jedes Jahr war das Boot über den Winter aus dem Wasser geholt worden, um notwendige Reparaturen vorzunehmen und den Unterwasseranstrich zu erneuern. Jetzt sollte es wieder zu Wasser gelassen werden. Doch plötzlich ertönte ein lauter Knall, das Stahlseil, das die tonnenschwere Krananlage nebst Schiff hielt, riss und die wertvolle Nutzlast rauschte in hohem Tempo die Böschung hinab und schlug hart auf das Wasser auf. Die Yacht wurde dabei schwer beschädigt, der Kran komplett zerstört. Menschen kamen glücklicherweise nicht zu Schaden.

„Das war ein schwerer Schock für uns. Die Anlage war erst kurz zuvor von einer technischen Überwachungsfirma überprüft und abgenommen worden. Es war eine sehr gefährliche Situation, denn das Stahlseil hätte auch gut jemanden schwer verletzen können“, erinnert sich der Vereinsvorsitzende Paul Tünißen mit Grausen. Fortan konnte der Verein mit 135 aktiven Mitgliedern keine Boote mehr „slippen“, das heißt, aus dem Wasser ziehen oder zu Wasser lassen. „In dieser Zeit haben uns die Firmen Thyssen Krupp und Becker sehr geholfen. Sie haben unsere Boote mit Kränen, die eigentlich zum Entladen von Schiffen gedacht sind, geslippt“, sagt Tünißen.

Diese komplizierte Zeit liegt nun hinter den Segel- und Motorbootbegeisterten, denn am Wochenende wurde die neue Krananlage feierlich eingeweiht. Genutzt wurde sie allerdings schon zuvor, denn die Schiffe des Vereins wurden in den Tagen zuvor sukzessive zu Wasser gelassen. „Wir können nun Yachten bis 15 Tonnen slippen. Das entspricht einer Länge von zwölf bis 14 Metern. Alles ist moderner und schöner. Wir sind stolz auf unser neues Schmuckstück“, sagt der Vorsitzende, der den Kran zwar nicht mit einer Flasche Sekt taufte, immerhin aber, in bester Seefahrertradition mit einem Glas Sekt bespritzte.

Nun feierte der Verein sein traditionelles und alljährliches „anfahren“. Ein Ansegeln ist es heute nicht mehr, denn auch wenn der Verein immer noch „Seglervereinigung“ heißt, so sind mittlerweile knapp die Hälfte der Schiffe Motoryachten. Reich geschmückt mit Fahnen und Wimpeln, wie sie früher, vor der Erfindung des Funks, auch zur Kommunikation zwischen Schiffen genutzt wurden, fuhren viele der rund 60 Boote des Vereins auf den Rhein hinaus, drehten eine rund einstündige Runde und kehrten dann in den Hafen zurück. Hier, im Vereinsheim, hatte es schon am Nachmittag Kaffee und Kuchen gegeben. Nach der ersten offiziellen Fahrt der Saison klang der Tag in einem Vereinsfest aus.

Die Krefelder Seglervereinigung wurde im Jahr 1933 gegründet und ist damit der älteste Segelverein der Stadt. „Und der beste“, wie der für Öffentlichkeitsarbeit verantwortliche Heinz Zimmermann augenzwinkernd einwirft. Sportsegeln wird hier jedoch nicht angeboten. „Wir haben keine reinen Sportboote wie Bic, Laser oder dergleichen. Aber wir haben Boote im Verein, auf denen Mitglieder segeln lernen können. Auch Jugendliche. Wenn sie dann in den Sportbereich gehen wollen, arbeiten wir sehr gut mit den anderen Krefelder Segelvereinen zusammen und vermitteln hier entsprechende Angebote“, sagt Tünißen.

Sein Enkel ist auch das jüngste Vereinsmitglied. Eineinhalb Jahre ist der kleine Arthur jung. Bei der Feier ist er aber schon mit dabei. Segeln sei, so sagt der Vorsitzende, auch kein besonders teurer Sport. „Das denken viele. Tatsächlich sind unsere Beiträge aber günstiger als bei vielen anderen Vereinen“, sagt der Vorsitzende. So gibt es beispielsweise ein Familienangebot für Eltern und zwei Kinder. Die Beiträge und viele weitere Informationen sind unter www.krefelder-segler-vereinigung.de zu finden. Auch Touren bis an die Nordsee unternehmen manche Mitglieder. Viele Boote sind hochseetauglich. „Bis dahin sind es um die vier Tage Fahrzeit. Zurück, gegen den Strom, dauert es aber mindestens eine Woche“, erzählt Zimmermann. Dann steigt er auf das Boot. Die Saison geht schließlich los.