Krefelder Sportschützenkorp: Meike und Philipp Rader auf Robin Hoods Spuren

Bogenschießen : Familie Räder auf Robin Hoods Spuren

Das Ehepaar Meike und Philipp Räder vom Krefelder Sportschützenkorps blickt auf nationale und internationale Titel zurück. Beim Heimturnier ihres Vereines wollen die beiden Bogenschützen ebenfalls vorne mitmischen.

Meike und Philipp Räder sind nicht nur ein Ehepaar, sie sind auch erfolgreiche Bogenschützen beim Krefelder Sportschützenkorps (KSSK). Philipp ist mit dem Recurvebogen zweifacher Europameister im Schießen auf dreidimensionale Ziele, seine Frau wurde 2018 Deutsche Meisterin in der Halle auf 18 Meter. Auf die Frage, ob sie sich da nicht wie Robin Hood fühlen, antworten sie prompt: „Als Kind auf jeden Fall. Aber durch Filme wie ‚Die Tribute von Panem’ ist das Interesse und der Reiz, Bogenschießen einmal auszuprobieren, nochmals gewachsen“, entgegnet der 35-Jährige.

Der aus dem oberpfälzischen Schwanendorf stammende Räder und die gebürtige Duisburgerin sind über ihre Eltern zum Bogenschießen gekommen. „Mein Vater hat eine Sportart gesucht, um seinen Rücken zu stärken. Bogenschießen kommt nicht so sehr über die Arme, sondern geht viel über die Rückenmuskulatur. Meine Frau und ich sind dann immer dabei gewesen und so haben wir nicht nur die Sportart kennengelernt, sondern auch uns“, erzählt Philipp. Doch es ist weitaus mehr, als nur den Pfeil einzulegen, zu spannen, zu zielen und die angezogene Sehne loszulassen. Es ist ein Schießen auf standardisierte Zielscheiben mit einem technologisch hoch entwickelten Sportgerät, das rund vier Kilo wiegt. „Es gibt unterschiedliche Arten von Bögen wie zum Beispiel den normalen Langbogen ohne Zielvorrichtung, oder einen Recurvebogen mit Zielvorrichtung wie ich ihn habe. Da geht der Preis für die Anschaffung gut mal in die 1000 Euro oder mehr“, erklärt der Physiotherapeut. Doch nicht nur der Bogen muss auf den Schützen gut abgestimmt sein, auch den Pfeilen kommt in Art und Gewicht eine besondere Bedeutung zu. Dass Räder die Bogensehne aus den entsprechenden Garnen selber wickelt, zeigt zusätzlich auf, wie sehr er sich mit seinem Sportgerät verbunden fühlt. „Bogenschießen ist im Vergleich zum Fußball körperlich nicht so anstrengend, wohl aber im Bereich der Mentalität sehr anspruchsvoll“, beschreibt er seinen Sport.

Um sich einer stressigen Situation mit den Gegnern auszusetzen und dabei die Ruhe zu bewahren bedarf es auch viel Trainings. „Meine Frau und ich simulieren im Training immer wieder den Wettkampf. In der Halle ist sie besser als ich. Outdoor kommt es auf die Disziplinen an. Auch da kann sie ab und zu mitmischen“, sagt Räder mit einem kleinen Augenzwinkern weiter und erklärt, dass Streitereien, wer nun besser ist, eigentlich kein Thema für die Beiden sind. Im Gegenteil, der Andere wird unterstützt, wenn es mal nicht so gut läuft. So auch im vergangenen Jahr bei den Finals der deutschen Meisterschaften in Berlin, wo gleichzeitig zehn Sportarten ihren Meister ermittelten. „Das war schon eine mega Kulisse, beim Schießen hatte ich vor 2000 Zuschauern das Olympiastadion im Hintergrund“, sagt Meike Räder rückblickend. Kurzzeitig brachte sie das Erlebte aus dem Rhythmus, doch dank der Aufmunterung vom Ehemann überwog nach kurzer Zeit der Ehrgeiz und sie landete am Ende auf einen zufriedenstellenden vierten Platz. Eben diesen Ehrgeiz wird das Ehepaar auch wieder am Wochenende haben, wenn der eigene Verein das 25. Seidenweber-Hallenturnier am Girmesgath ausrichtet. Fünf Durchgänge werden angeboten, in denen sich die Teilnehmer aussuchen können, wann sie die insgesamt 60 Pfeile abschießen. Die Räders freuen sich nicht nur auf ihren Heimvorteil, sondern dass sie diesmal auch nicht in der Organisation des Events involviert sind. „Das wird für uns dann etwas entspannter zugehen. Für mich ist das eine Vorbereitung zur NRW-Meisterschaft“, sagt Philipp Räder, seine Frau hingegen hat für das Wochenende eine Ringzahl im Kopf. „Welche, das sag ich lieber nicht“, antwortet sie jedoch, nimmt ihren Bogen zur Hand und beginnt mit dem Training.