1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld
  4. Sport

Krefelder EV: Fünf-Sterne-Programm auf der Kippe

Eishockey : Fünf-Sterne-Programm beim KEV auf der Kippe

Aufgrund von finanziellen Einbußen muss der Verein bei der Nachwuchsarbeit kürzer treten. Ob die Oberliga-Mannschaft weiter spielt, steht noch nicht fest. Die Kooperation mit den Pinguinen ist aber nicht in Gefahr.

Trotz des herrlichen Sommerwetters zogen am Dienstag dunkle Wolken am Krefelder Eishockey-Himmel auf. Im Rahmen einer Pressekonferenz informierte der Vorstand des KEV 81 über die Saison 2021/22 und blickte auf die Corona-Saison zurück. Der 1. Vorsitzende Achim Staudt und Schatzmeister Georg Geovanakis legten die finanzielle Situation des Vereins dar, und Sportvorstand Elmar Schmitz informierte zusammen mit U20- Trainer Robin Beckers über die sportlichen Ziele.

Inzwischen hat der Nachwuchs das Training wieder aufgenommen. „Wir freuen uns unheimlich, nach dieser langen Zeit die Kinder und Jugendlichen wiederzusehen und die Euphorie ist bei ihnen, wie auch bei uns riesengroß“, sagten Schmitz und Beckers uniso. Neben dem üblichen Sommertraining in Sporthallen und an der frischen Luft hat der Verein auch Eiszeit in Dinslaken und Wesel angemietet. In Krefeld soll die neue „Eiszeit“ in der Rheinlandhalle am 9. August beginnen. „Dennis Weidenbach und Peter Kaczmarek werden dann wieder mit der Laufschule starten, um auch die Kleinsten für den Eishockeysport zu begeistern“, sagt Schmitz. Der KEV zählt im Nachwuchs etwa 220 Kinder, die in elf Mannschaften dem Puck nachjagen. Dabei werden sie von drei Hauptamtlichen- und acht Honorartrainern angeleitet.

  • In der Saison 2016/17 war Igor
    Verstärkung hinter der Bande : Pinguine holen hochdekorierten Coach
  • Tom Gaal spielt von 2010 bis
    Aus dem eigenen Nachwuchs : Ein Rückkehrer verstärkt Borussias U23
  • Di Pauli
    Verstärkung für die Offensive : Pinguine verpflichten Stürmer Di Pauli

Das Ziel der Übungsleiter ist es, den Nachwuchs bestmöglich auszubilden und bei entsprechendem Talent auf eine Profikarriere bei den Pinguinen vorzubereiten. Zwischen dem KEV als eingetragenem Verein und der Pinguine GmbH gibt es deshalb auch seit vielen Jahren einen Kooperationsvertrag, in dem auch der Zuschuss der GmbH an den Stammverein geregelt ist. Die Pinguine ließen nun verlauten, dass sie nur noch 50 Prozent des bisherigen Zuschusses zahlen können. „Wir haben das zur Kenntnis genommen und bedanken uns ausdrücklich für die Unterstützung in den vergangen Jahren“, sagte der 1. Vorsitzende Achim Staudt.

Der KEV bemüht sich derzeit darum, diesen Fehlbetrag aufzufangen. In einem ersten Schritt wurden die Sponsoren und Partner sowie die Stadt Krefeld, sprich die Politik, informiert. Der Club sucht auch nach neuen Sponsoren. Nach Informationen der RP soll es sich bei dem Fehlbetrag um ca. 150.000 Euro handeln. „Wir setzen alles daran, diesen Betrag möglichst gänzlich, aber zumindest in Teilen ausgleichen, um unsere sportliche Leistungsfähigkeit zu erhalten“, sagt Schmitz. Sollte diese Lücke im Etat, der in der Mitgliederversammlung im vergangen September bei etwa 800.000 Euro liegt, nicht ausgeglichen werden, wird der Verein das einzigartige Projekt in ganz Deutschland mit den Pinguinen in der DEL, der U23 in der Oberliga und der U-20 in der Division 1 der Deutschen Nachwuchsliga wahrscheinlich nicht fortführen können. In einem ersten Schritt könnte dann wahrscheinlich die U23 nicht am Spielbetrieb der Oberliga teilnehmen. Dadurch würde mit Sicherheit der Zulauf von Spielern aus anderen Vereinen zur U-20 gestoppt, weil sie dann in Krefeld keine Chance haben frühzeitig ins Senioren-Eishockey reinzuschnuppern.

Beste Beispiele dafür, wie schnell es von der U20 über die U23 zu den Pinguinen in der DEL und dann sogar weiter bis zur Nationalmannschaft gehen kann, sind die Spieler Luca Hauf, Maciek Rutkowski und Alexander Blank. Alle drei liefen zum Saisonstart im September bei der U20 auf. Über die U23 ging es zu den Pinguinen und bei Blank sogar bis in die A-Nationalmannschaft.

„Sollte keine U23 mehr gemeldet werden können, müssen wir auch an anderen Stellen Einsparungen vornehmen. Dann sehe ich die Qualität der Nachwuchsarbeit in Gefahr. Ohne die notwendigen finanziellen Mittel werden wir den Anschluss verlieren, und die Zertifizierung vom DEB im Rahmen des Fünf-Sterne-Programms als Top-Ausbildungsclub nicht erhalten können“, malt Schmitz ein düsteres Szenario für den Krefelder Eishockey-Nachwuchs an die Wand.

Bis zum Meldeschluss beim DEB am 30. Juni muss eine Entscheidung fallen. „Ich mache mir große Sorgen, hoffe aber, dass wir mit Unterstützung der Krefelder Wirtschaft kurzfristig Lösungen finden“, gibt Schmitz die Hoffnung nicht auf.