Krefeld: Ronny Kockel geht ungewöhnlichen Weg

Jugend-Fußball : Ronny Kockel geht ungewöhnlichen Weg

Dem A-Junioren-Trainer des VfR Fischeln fehlen Torhüter. Bei Facebook sucht er nun nach einem neuen Schlussmann.

Ronny Kockel hat in seiner inzwischen 25-jährigen Fußball-Laufbahn als Torwart und Trainer so einiges erlebt, doch was ihm zuletzt widerfahren ist, wohl noch nicht. Dem Coach der A-Junioren des VfR Fischeln gehen die Torhüter aus. Dies veranlasste ihn, bei Facebook einen Hilferuf nach einem neuen Torhüter für seine Niederrheinliga-Mannschaft zu starten. Ein ungewöhnlicher Schritt, zumal Kockel auch über ein gutes Netzwerk in Fußballerkreisen verfügt. „Bei uns in Fischeln stehen nur geringe Mittel zur Verfügung. Wir versuchen mit einem kleinen Team alles am Laufen zu halten. Die Spieler erhalten keine finanziellen Zuwendungen, sondern nur die Ausrüstung. Wir leben hier von dem Ehrenamt und ich ziehe meinen Hut davor, was meine Mitstreiter da alles leisten“, sagt der Inhaber der Trainer A-Lizenz.

Seine Problematik im Tor ist auch schnell erklärt. „Ein Torhüter hat während der Saison das Pfeiffersche Drüsenfieber bekommen. Der nächste Torhüter hat nach unserem Spiel in Meerbusch seine Tasche stehen lassen und sich von uns verabschiedet, weil er nicht gespielt hat. Jetzt habe ich nur einen etatmäßigen Torhüter zur Verfügung“, erklärt Kockel den Grund, warum er anschließend bei Facebook aktiv wurde. Doch warum gerade im Internet und nicht über eines seiner Fußball-Netzwerke? „Ich hoffe, dass es vielleicht einen Spieler gibt, der in der letzten Zeit vielleicht aus schulischen oder beruflichen Gründen nicht mehr gespielt hat und jetzt wieder Lust darauf verspürt“, sagt der 43-Jährige über den ungewöhnlichen Weg der Spielersuche, weil ihm der Job als Jugendtrainer viel Freude macht. Als A-Juniorentrainer hatte er vor acht Jahren bei seinem damaligen Verein KFC Uerdingen nach seiner aktiven Laufbahn angefangen und ist mit seinem Team auf Anhieb in die Niederrheinliga aufgestiegen. „Im Jugendbereich hast du noch Spieler, die Ziele verfolgen, und da macht es Spaß, mit ihnen zu arbeiten. Ich habe einen guten Draht zu den Jungs und behandele sie mit Respekt. Ich verlange viel, bin ehrgeizig, bekomme aber auch viel zurück“, erklärt Kockel seine Philosophie. Der derzeitige Erfolg mit Fischeln zeigt, dass es funktioniert, denn das Team rangiert in der Niederrheinliga auf Platz sechs, und das vornehmlich mit Spielern, die er aus den unteren Klassen geholt hat. Doch beim Weg auf der Überholspur sieht der gebürtige Räckelwitzer auch einige Schattenseiten. „Die Spieler werden von den Eltern viel zu viel verhätschelt, die dann meinen, sie wären ein Superstar. Hinzu kommt, dass einige Spieler sich dann schon mit kleinen Erfolgen zufrieden geben und die Trainingsbeteiligung zu wünschen übrig lässt. Wir sind aber eine Mannschaft, die nur als gesamte Einheit funktioniert“, warnt Kockel. Und was muss ein potenzieller Neuzugang für ihn mitbringen? „Es sollte ein Spieler sein, der nicht an Selbstüberschätzung leidet, sich der Konkurrenz stellt und sich entwickeln will. Ach ja, ein Torwart sollte natürlich Bälle fangen können“, sagt Kockel mit einem kleinem Grinsen, dass er im Prinzip für alle Positionen neue Leute sucht. Obwohl es inzwischen ein paar Rückmeldungen und Anfragen gegeben hat, ist Kockel noch weiter auf der Suche in der Hoffnung, bald fündig zu werden.