American Football Luis Emker führt die Ravens mit Galaleistung zum Sieg

Krefeld · Das 20-jährige Eigengewächs des Krefelder Football-Teams war im ersten Testspiel gegen die klassenhöheren Kaiserslautern Pikes als Runningback mit zwei Touchdowns der entscheidende Mann.

 Eigengewächs Luis Emker setzt sich hier gegen zwei „Rote Teufel“ durch.

Eigengewächs Luis Emker setzt sich hier gegen zwei „Rote Teufel“ durch.

Foto: Samla Fotoagentur/samla.de

Als sich gleich in der ersten Aktion des Testspiels der Krefeld Ravens gegen die Kaiserslautern Pikes der designierte erste verbliebene Runningback Tim Schulz verletzt und nicht weiterspielen kann, da deutet nichts auf den späteren 21:6-Erfolg der Krefelder gegen das klassenhöhere Team aus der Pfalz hin. Immerhin fehlten von den eigentlich acht Ballträgern im Kader bereits fünf – darunter die designierten Starspieler Glenn Holloway und Leander Carstensen.

Dass es dennoch zum klaren Erfolg reicht basiert vor allem auf zwei Säulen: Einer überragenden Defensive und dem jungen Eigengewächs Luis Emker. Der 20-Jährige, der sich plötzlich als Starter wiederfindet, erläuft ganze 265 Yards in 15 Versuchen mit zwei Touchdowns – jeweils für gut 70 Yards. Eine Klasseleistung! Zum Vergleich: Ein Schnitt von drei Yards pro Versuch gilt landläufig als solide, fünf sind eine sehr gute Ausbeute – Emker landete bei 17 Yards pro Carry.

„Ich hatte heute Morgen schon beim Aufstehen ein richtig gutes Gefühl und hatte einfach richtig Lust, mal wieder zu spielen. Es hat richtig Spaß gemacht“, sagt der junge Ballträger selbst.

Ob er nun Ansprüche anmeldet? Auf diese Frage antwortet er ganz Ravens-Like: „Ich weiß, was ich kann und bemühe mich, das immer auf den Platz zu bringen. Aber wäre einer der anderen heute auf dem Platz gewesen und ich hätte nicht ein Play gemacht, dann hätte ich die Jungs genauso angefeuert und hätte mit ihnen gefeiert“, sagt er. Sportleiter und Runningback-Coach Dino Volpe aber macht ihm durchaus Hoffnung. „In der Form wie heute muss sich Luis vor keinem der anderen Jungs verstecken. Er hat große Qualität, Tempo, Beweglichkeit und das Gespür für die Situation. Wenn er noch etwas Muskelmasse drauf packt, dann kann er viel erreichen“, ist der Ravens-Macher überzeugt.

Der so gelobte gibt einen großen Teil des Zuspruchs direkt weiter. „Meine Läufe heute wären ohne unsere überragende Offense-Line nicht denkbar gewesen. Was die Jungs für Löcher aufgerissen haben, das war schon unglaublich. Solche Lücken habe ich selbst in der U-19 nicht gehabt und schon da war unsere O-Line richtig stark“, sagt er.

Die starke Leistung des Youngsters aber ist nur ein Puzzleteil in einer sehr kompakten Teamleistung, in der nur das Passspiel noch etwas Verbesserung bedarf. „Wir konnten erst seit einem Monat trainieren und das sieht man in der Abstimmung zwischen Quarterback und Wide-Receivern noch sehr deutlich“, erläutert der neue Headcoach Jörg Hintzen. Der im vergangenen Sommer verpflichtete Spielmacher Justin Wiedelbach braucht, das war zu sehen, noch einige Einheiten mit seinen neuen Passempfängern.

Umso stärker aber agiert die Defensive der Krefelder. Dreimal stoppte sie den Drittla-Absteiger in der Red-Zone, also dem Gebiet unmittelbar vor der eigenen Endzone. Das allerdings wurde durch sehr aggressives Coaching der Gäste, die jeweils den vierten Versuch ausspielten und nicht das Fieldgoal, also den Schuss für drei Punkte, wählten, begünstigt. „Ich bin wirklich hochzufrieden mit dem Auftreten der Jungs. Passverteidigung ist noch eine kleine Schwäche, daran arbeiten wir aber und wollen das zu unserer Stärke machen“, befindet Defense-Coordinator Florian Penz.

Seine Mannen hatten zuvor das vor zwei Jahren noch drei Klassen höhere Team (Kaiserslautern stieg aus der dritten in die vierte Liga ab, die Ravens aus der sechsten in die fünfte auf) über die ganze Distanz ohne Punkte gehalten. Die einzigen Zähler der Pikes resultierten aus einem Fehler der Offensive, die den Ball verlor. Das allerdings war auch diskutabel. Quarterback Wiedelbach warf den Ball quer und nur leicht nach vorn, erreichte aber keinen Mitspieler. Der Ball fiel auf den Boden und wurde von einem Gegner aufgenommen und in die Endzone getragen. Die Schiedsrichter entschieden auf Rückwärtspass und damit Fumble, also Ballverlust – das Video zeigt klar, dass das falsch ist, zumal die Regel besagt, dass im Zweifel von einem unvollständigen Pass auszugehen ist.

Es blieb aber der einzige kleine Fleck auf einem ansonsten hervorragenden Auftritt der Gastgeber, die auch rund um das Spiel eine gewohnt professionelle Veranstaltung boten, die sich in ihrer Aufmachung selbst vor vielen Erstligisten nicht zu verstecken braucht.

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