Krefeld: Nachwuchsspieler vom ATS Krefeld ist nach Karatetritt zehn Monate gesperrt

B-Jugendspieler aus Krefeld: Zehn Monate Sperre nach Karatetritt

Ein Jugendspieler aus Krefeld darf erst im kommenden Jahr wieder Fußball spielen. Der B-Jugendspieler von ATS Krefeld hatte Marius Sauter, den Trainer des TSV Meerbusch, mit einem Tritt niedergestreckt und schwer verletzt.

Ein klares Zeichen im Kampf gegen Auswüchse im Nachwuchsfußball hat die Kreisjugend-Spruchkammer in Nettetal-Lobberich gesetzt. Die Kammer hat einen Nachwuchskicker für zehn Monate gesperrt. Der Jugendliche war beim Skandalspiel der B-Jugend-Kreisklasse zwischen Anadolu Türksport Krefeld und dem TSV Meerbusch am 4. Februar beim Stand von 3:0 ausgerastet und hatte TSV-Trainer Marius Sauter mit einem Karatetritt niedergestreckt und schwer verletzt. Er erlitt eine Schädelprellung, ein Halswirbelschleudertrauma sowie eine Zerrung in der Brust und war zwei Wochen lang krank geschrieben.

Knapp 100 Minuten dauerte die Beweisaufnahme bei der Spruchkammerverhandlung, zu der seitens des ATS Krefeld nur der mutmaßliche Täter erschienen war, obwohl die gesamte Mannschaft geladen war. Die Kammer hörte die Beteiligten, Zeugen und Vereinsverantwortliche an. Während von Seiten des TSV Meerbusch das Spiel von Anfang an als hektisch bezeichnet wurde, gab der ATS Krefeld an, dass es bis zum Spielabbruch keine Zwischenfälle gab und die Partie ruhig verlief. Auch der Schiedsrichter, der von ATS Krefeld gestellt wurde, gab an, keine Beleidigungen gehört zu haben. Bereits nach 20 Minuten folgten dann aber die ersten Provokationen und Beleidigungen. Dabei fiel mehrmals das Wort "Hurensöhne".

Zum Spielabbruch kam es dann in der 65. Spielminute. Nachdem der ATS Krefeld mit 3:0 in Führung gegangen war, kam es zum Eklat. Nachdem der Täter die Meerbuscher Spieler mit den Worten "Wir haben euch gefickt" beleidigte, forderte der TSV-Trainer den Spieler auf, "die Klappe" zu halten. Daraufhin rannte dieser vom Mittelkreis in Richtung der Trainerbank und streckte Sauter mit einem Karatesprung nieder. Er traf ihn dabei an Brustbein und Kinn.

Der Beschuldigte gab bei der Verhandlung an, seine Mutter sei von dem TSV-Trainer beleidigt worden und deshalb sei es zu dieser Kurzschlussreaktion gekommen.

Doch damit nicht genug. Trotz des Eklats wurde das Spiel zunächst fortgesetzt, obwohl die Meerbuscher Spieler, so Kapitän Kai Bories, geschockt waren. Erst als es wenige Sekunden später zu einer Rudelbildung kam, eilte Dierk Ziebell herbei.

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Der Abteilungsleiter des TSV, der das Spiel zuvor aus dem Vereinsheim verfolgt hatte und inzwischen nach draußen gekommen war, nahm die Mannschaft daraufhin vom Platz und schickte sie in die Kabine. Der Schutz der Spieler war aus seiner Sicht nicht mehr gegeben. Daraufhin sei Ziebell von einem anderen ATS-Spieler aufs Übelste beleidigt worden. Dabei sollen folgende Worte gefallen sein: "Komm her, du Bastard. Ich haue dir auf die Fresse. Ich habe dein ganzes Dorf gefickt." Anschließend musste die Polizei zur Platzanlage am Windmühlenweg anrücken.

Gegen den zweiten Spieler, der bei der Verhandlung nicht anwesend war, soll es ein gesondertes Verfahren geben. Hier gab die Spruchkammer den Hinweis, dass der Spieler durch den Einzelrichter für sechs Wochen gesperrt werde, falls sich der ATS Krefeld binnen 48 Stunden damit einverstanden erklären würde.

Doch die Kammer fällte noch weitere Entscheidungen. Beide Vereine müssen sich die Verfahrenskosten von 75 Euro teilen. ATS Krefeld muss für alle noch anstehenden Spiele eine Verbandsaufsicht bestellen und bezahlen. Zudem muss der Verein für alle Heim- und Auswärtsspiele einen offiziellen Schiedsrichter einladen.

Die Kosten hierfür trägt jeweils der Heimverein. Der TSV Meerbusch muss für den Spielabbruch 50 Euro zahlen. Außerdem wird die Partie jetzt neu angesetzt. Der TSV deutete nach der Verhandlung jedoch an, möglicherweise nicht mehr gegen ATS Krefeld antreten zu wollen.

(RP)