Krefeld hat viel Potenzial für Rollstuhlbasketball

Rollstuhlbasketball : Krefeld hat viel Potenzial für Rollstuhlbasketball

Mit den Basketbears Krefeld gibt es einen Verein, der in der Sporthalle der Montessorie-Gesamschule eine Heimat gefunden hat.

Stefanie Porthier kam vor gut zwei Jahren mit ihrer Familie nach Krefeld, ihr ältester Sohn Yannik  ist teilweise auf einen Rollstuhl angewiesen. Da erwies es sich bei einem „Tag der offenen Tür“ als Glücksgriff, dass auf der Montessorie-Gesamtschule die Basketbears Krefeld einen Informationsstand zum Thema Rollstuhlbasketball hatten.

Fortan war das Interesse des heute 16-Jährigen geweckt, es folgte das erste Schnuppertraining, seit einem halben Jahr gehört er fest zum Jugendteam der Basketbears. Wie wichtig dieser Schritt war, das erläutert Porthier in einfachen Sätzen: „In dem Verein wird das Selbstwertgefühl der Kinder außerhalb von Schule und Familie gefördert. Hier hat mein Sohn die Möglichkeit am normalen Alltag teilzuhaben.“ Aufgefallen ist ihr auch, dass die Grenzen, die im täglichen Leben anfallen, sich bei den Basketbears im Nichts auflösen. „Yannick geht gerne zum Training und freut sich seine Mannschaftskollegen zu treffen“, sagt sie weiter. Dass die Anschaffungskosten eines Rollstuhls für diesen Sport nicht gerade günstig sind, machte sich schnell bemerkbar. Bei ca. 4000 Euro zahlt die Krankenkasse zwar einen Grundpreis für Jugendliche bis 18 Jahre, der Eigenanteil für die Familie bleibt dennoch sehr hoch. Doch nicht nur hier sind die Porthiers stark gefordert, auch der Verein ist auf ein ehrenamtliches Engagement der Eltern angewiesen. Bei den Fahrten zu den Turnieren sind auch schon mal längere Strecken wie nach Trier oder Jena drin. Da der Verein keine Busse oder Transporter hat, müssen die Eltern ran.

Die Jugendmannschaft der Krefelder nimmt derzeit nur an eine Turnierserie teil, die neben dem normalen Spielbetrieb stattfindet und zehn Mannschaften beinhaltet. Dort sind zusätzlich besondere Regeln aufgestellt, die eine Teilnahme für Kinder mit besonderen Beeinträchtigungen ermöglichen. „Es gibt Kinder, die den Ball nicht so hoch in den Korb werfen können, dafür hängt dann unten am Ende des Korbes ein Ring, durch den der Ball muss oder ein Band, das getroffen werden muss. Das ist für manchen mit erschwertem Handicap die gleiche schwere Aufgabe wie bei normalen Würfen, bloß eben angepasst“, erklärt Porthier. Seit ihrer Gründung im Jahr 2005 haben die Bears ihre Heimat in der Sporthalle der Montessorie-Gesamtschule. Trainiert wird Montags ab 17 Uhr, zunächst ist die Jugend dran, nach 90 Minuten folgen die Erwachsenen.

Zuletzt war Krefeld Gastgeber des Jugendturniers, auf das sich die Bears-Spieler besonders gefreut hatten. Nach zwei Auftaktniederlagen gegen die Eifel Tigers und die Kölner Rollie Rookies erkämpfte sich das Heimteam mit ungebrochener Motivation und dem Willen zum Sieg noch den dritten Platz. Das Rollstuhlbasketball bei dem breiten und zahlreichen Sportartangebot in Krefeld eher eine unbedeutende Rolle mit wenig Aufsehen in der Öffentlichkeit spielt, dafür zeigt Porthier Verständnis. „Es betrifft halt nur die Minderheit einer Randgruppe, die allerdings begeistert und hochmotiviert bei der Sache ist“, sagt sie. Dem entgegnet Sven Kaiser, der Trainer der Basketbears, allerdings mit ganz anderen Worten: „So wie die Paraolympics im Schatten der Olympischen Spiele stehen, so wird auch unsere Sportart mit Vorbehalten belächelt. Dabei steckt hier in Krefeld viel an Potenzial.“ Neben Rollstuhlfahrern bietet der Verein nämlich auch Nichtbehinderten integrativ an, die Sportart näher kennenzulernen und mitzumachen. Gerade in den Bereichen Kondition, Taktik, Ballbehandlung und Fahrdynamik wird auf die jeweiligen Bedürfnisse eingegangen. Auch hier hat Stefanie Porthier eine positive Erfahrung gemacht, denn ihr jüngerer Sohn Philippe mischt mit seinen zwölf Jahren inzwischen auch beim Rollstuhlbasketball mit, und das obwohl er nicht im Rollstuhl sitzt.

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