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Krefeld: Hans-Dieter Tippenhauer gestorben

Fußball : Hans-Dieter Tippenhauer gestorben

1983 stieg der FC Bayer Uerdingen mit ihm als Trainer in die Fußball-Bundesliga auf. Im Management beschritt er Anfang der achtziger Jahre ganz neue Wege. Er zog sich früh aus dem Fußballgeschäft zurück, wohnte aber noch viele Jahre in Krefeld-Traar.

Wie erst jetzt bekannt wurde, verstarb Anfang April Hans-Dieter Tippenhauer. In Krefeld wird der Name dieses Fußballlehrers untrennbar mit dem sensationellen Erstligaaufstieg 1983, als der FC Schalke 04 in zwei Relegationsspielen bezwungen wurde, verbunden bleiben. Eigentlich war Tippenhauer zu jener Zeit Manager in Uerdingen, aber als im Frühjahr 1983 der damalige Trainer Werner Biskup wegen persönlicher Probleme gehen musste, übernahm er kurzfristig und zusätzlich den Trainerposten.

1980 kam der gebürtige Ostpreuße nach Uerdingen, übernahm den Posten des Managers von Paul Hufnagel, der damals in den Ruhestand ging. Während Hufnagel eher die Funktion eines Team-Managers hatte, war das Aufgabengebiet von Tippenhauer wesentlich umfangreicher. Er hatte zuvor sehr erfolgreich als Trainer bei Fortuna Düsseldorf, sowie Arminia Bielefeld (Aufstieg in die Bundesliga) gearbeitet und sollte nun in Uerdingen nicht nur helfen, eine neue Mannschaft aufzubauen, sondern auch das ganze Umfeld zu professionalisieren.

Dabei ging er ganz neue Wege und startete einige innovative Projekte, die Anfang der 80er Jahre in Deutschland die Ausnahme waren. So installierte er beispielsweise den ersten Fanshop auf der Rheinstraße, um eine zentrale Anlaufstelle für die Fans zu schaffen. Er rief das über viele Jahre erfolgreich veranstaltete Hallenturnier am Glockenspitz ins Leben, organisierte Fantreffen und Besuche der Mannschaft in Schulen. Sein Engagement ging sogar so weit, dass er sich bei einem Heimspiel selbst unter die Zuschauer mischte, um eine Umfrage durchzuführen, ob bei Freitagsspielen 19:30 oder 20 Uhr die beliebtere Anstoßzeit sei. Auch eine Straßenbahn, auf der für die Spiele des Vereins geworben wurde, war damals Neuland.

Doch auch im sportlichen Bereich legte er sich mit großer Begeisterung erfolgreich ins Zeug. In seiner Amtszeit wurden einige der Spieler geholt, die 1985 Pokalsieger wurden – allen voran Matthias Herget und Dietmar Klinger von Rot-Weiß Essen, dazu Torwart Werner Vollack von den Stuttgarter Kickers – und Trainer Timo Konietzka verpflichtet, sowie die Jugendabteilung erfolgreich umstrukturiert. Aufgrund dieser auch bundesweit beachteten Arbeit in Uerdingen wurden auch wieder andere Bundesligaclubs auf Tippenhauer aufmerksam. Als er dann während der Saison 83/84 von Borussia Dortmund umworben wurde, reiste er Uerdingens Vorsitzendem Arno Eschler in dessen Urlaubsdomizil nach Venedig nach, um dort um die Auflösung seines Vertrages zu bitten. Eschler warnte ihn, versuchte ihn davon zu überzeugen, das in Uerdingen gerade begonnene weiter zu entwickeln. Vergeblich, Tippenhauer folgte dem Lockruf des BVB und nahm den früheren BvB-Spieler und jetzigen Trainer Konietzka zur Saison 84/85 gleich mit.

Eine Entscheidung, die er noch bereuen sollte, denn während in Uerdingen die von ihm mit angeschobene, erfolgreichste Zeit der Vereinsgeschichte begann, wurden in Dortmund beide nach wenigen Monaten entlassen. „Schade, es wäre besser gewesen, wenn er in Uerdingen geblieben wäre“, erinnert sich der langjährige Uerdinger Kapitän Herget.

Tippenhauer zog sich daraufhin aus dem Fußballgeschäft zurück, wohnte aber noch viele Jahre in Krefeld-Traar, ehe er ins münsterländische Ladbergen zog. 2010 promovierte er an der Universität Münster mit dem Thema „Wahrgenommener Einfluss von Führungsspielern in der Fußball-Bundesliga“. Verstorben ist Tippenhauer, der 77 Jahre alt wurde, in Hamburg.