Krefeld: Billardspieler Thorsten Frings gönnt sich eine Auszeit

Billard : Thorsten Frings gönnt sich eine Auszeit

Einer der besten Billard-Spieler Deutschlands, der für die BG RW Krefeld spielte, beendet aus beruflichen und privaten Gründen vorerst seine Karriere. Der 40-Jährige, der mit seiner Familie in Krefeld lebt, sorgt sich um den Nachwuchs.

Thorsten Frings (40), einer der erfolgreichsten Billardspieler Deutschlands und langjähriges Mitglied der BG RW Krefeld beendet vorerst seine eindrucksvolle Karriere und legt seinen Queue beiseite. Angefangen hat es für den Bedarfs-und Produktionsplaner mit 13 Jahren. Mit seinen damaligen Freunden turnte er in Marl über Garagendächer und sah plötzlich Männer mit schwarzen Hosen, weißen Hemden und schwarzen Pullundern in den Marler Club hinein gehen. Das weckte die Neugier der Jungen, und sie folgten den Spielern und platzten mitten in ein Meisterschaftsspiel.

Der ehemalige Marler Spieler und Weltmeister Günter Siebert erkannte schnell sein Talent und nahm sich seiner an. Er schenkte ihm einen Queue und mit zwei anderen Freunden konnte das Training beginnen. Was ihn am Billardsport fasziniert? „Die größte Faszination ist für mich, dass du heute König und morgen der letzte Idiot sein kannst. Das ist meine Erkenntnis aus nun mehr als 25 Jahren Billardsport.“

Zunächst durchlief er die so genannten technischen Disziplinen. „Es ist toll zu lernen, was der Ball alles kann und es auch zu schaffen, dass der Ball macht, was er soll und nicht, was er will“, sagt Frings. Seine Königsdisziplin ist definitiv Dreiband. Schier unendliche Möglichkeiten, Punkte zu machen, verschiedenste Lösungen für die gleiche Position, technische Varianten für die jeweils gewählte Lösung, all das zusammen fasziniert ihn jedes Mal wieder. Sein erster Verein war der BSC Marl. Über den BC Feldmark kam er zum Essener Club Horster Eck, um dann ab 2010 maßgeblich den Spielbetrieb bei der BG RW Krefeld mitzugestalten. Im letzten Jahr holte er dann mit dem BC Stuttgart den deutschen Pokal. Parallel spielte er auch in Belgien beim BC Ploeg in Zoersel und insgesamt 14 Jahre in Holland in Doetinchen und Rotterdam. Bis 2016 verstärkte er das deutsche Nationalteam.

Sein großes Vorbild war Martin Horn, der mit ihm in der Sportfördergruppe der Bundeswehr lange und viel trainiert und ihn geprägt hat. Wichtig für seine Entwicklung waren die Weltklassespieler Blomdahl, Caudron, Bundestrainer Werner Naruhn, Klaus Hose und Fabian Blondeel. Mit dem türkischen Spitzenspieler Murat Naci Coklu verbindet ihn eine enge Freundschaft. In seiner Karriere spielte er gegen die gesamte Weltspitze. Er besiegte sie alle, nur gegen den Weltmeister Dirk Jaspers war ein Remis das beste Resultat. Neben spektakulären Siegen gab es auch Niederlagen. Aber auch daraus hat er viel gelernt.

Die weitere Entwicklung des Billardsports sieht er positiv. Der Sport wurde professionalisiert, das Preisgeld steigt und immer mehr Sportler können davon leben. „Leider ist nun in Korea eine Organisation gegründet worden, die zum Weltverband (UMB) konkurriert. Dies hat zur Folge, dass dort am Spielbetrieb teilnehmende Sportler in allen Verbänden unterm Dach der UMB gesperrt sind“, sieht Thorsten Frings einen Wermutstropfen in der Szene. National sieht er ein Problem des Nachwuchses. Es gibt viel mehr Sportangebote als früher. Es ist sehr schwierig für Randsportarten Aufmerksamkeit zu bekommen und diese auch am Leben zu erhalten. Das größte Problem im Billardsport sieht Frings in dem fehlenden Zusammenwirken der Sportler und Funktionäre. was für ihn auch ein Grund war, sich aus dem Nationalteam zu verabschieden.

Für die Krefelder Billardszene sieht er als größtes Problem den fehlenden Nachwuchs. Hoffnung setzt er in die Söhne von Dirk Menzel und einige wenige Düsseldorfer Jugendliche. Dem Nachwuchs gibt er den Rat mit auf den Weg, immer am Ball zu bleiben und Freude zu haben. Ohne Spaß kein Erfolg.

Neben dem Billardsport kocht Thorsten Frings sehr gerne und joggt (auch deswegen). Warum er jetzt mit dem Billard aufhört? Seit Januar hat er eine neue Arbeitsstelle, die ihn voll beansprucht. Und seiner Frau Janine und seinem zehn Monate jungen Sohn Mats-Günter will er nicht zumuten, am Wochenende nicht zu Hause zu sein. Er hat sich deswegen aus allen Vereinen abgemeldet. Ob es ein Comeback geben wird? „Wann ich wieder anfange und wo das sein wird kann ich nicht sagen. Irgendwann in zwei bis fünf Jahren werde ich wohl wieder spielen. Vielleicht wieder mit Leistungsanspruch oder nur zum Spaß. Kann auch sein, dass ich nur noch in Holland spiele. Das kommt darauf an, wie die verbandssportliche Lage ist und welches Regelwerk gilt. In irgendeiner Form werde ich dem Billardsport erhalten bleiben.“

Jetzt in der letzten Juni-Woche kommt noch der krönende Abschluss: die Teilnahme am Europapokal mit dem BC Stuttgart in Porto. „Dann ist meine Spielerkarriere erst einmal auf Eis gelegt“, sagt Thorsten Frings mit etwas Wehmut. Die Krefelder Billardszene hat ihm viel zu verdanken und erinnert sich gern an viele packende Duelle gegen Weltklassespieler.

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