KFC Uerdingen: Präsident Ponomarev liebäugelt mit Durchmarsch

KFC Uerdingen: Rückblick und Ausblick : Ponomarev liebäugelt mit Durchmarsch

In der Winterpause bleibt nur wenig Zeit, das extrem nervenaufreibenden Jahr 2018 zu verarbeiten.

Der KFC Uerdingen schickt sich an, Fußballgeschichte zu schreiben. Zwei Mal in Folge ist der Verein nun aufgestiegen: von der Oberliga in die Regionalliga, von der Regionalliga in die Dritte Liga. Doch damit nicht genug. „Mein Ziel ist der Aufstieg in die Zweite Liga“, hatte Mikhail Ponomarev im Januar in einem Exklusivgespräch mit unserer Redaktion bekannt und war dafür von nicht wenigen belächelt worden. Innerhalb von vier Jahren wollte er das selbst gesteckte Ziel erreichen. Nicht ausgeschlossen, dass er es bereits im Mai erreicht. Dann würde er etwas schaffen, was selbst so finanzstarken Vereinen wie RB Leipzig und TSG 1899 Hoffenheim verwehrt blieb: der Durchmarsch von der Oberliga in die Zweite Liga.

Es waren allerdings nicht nur überaus erfolgreiche, schöne zwölf Monate, sondern auch ziemlich nervenaufreibende. Das Jahr begann nämlich überhaupt nicht meisterlich. Das ärgerliche Pokal-Aus gegen Rot-Weiß Oberhausen (0:2) kostete nicht nur mindestens 200.000 Euro, sondern auch Renomme. Das mochte Mikhail Ponomarev noch verschmerzen, aber als in der Liga drei Unentschieden folgten, zog er die Reißleine. Trainer Michael Wiesinger musste gehen, für ihn kam Stefan Krämer. Ponomarevs Wunschtrainer – er wollte ihn schon im Sommer haben, doch stand der Coach da noch in Erfurt unter Vertrag und erhielt keine Freigabe – übernahm eine nahezu unlösbare Aufgabe.

Was in den zweieinhalb Monaten folgte, war eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht. „Kann sein, dass wir jetzt alle Spiele gewinnen müssen, wenn wir noch Meister werden wollen“, hatte Krämer nach dem 1:1 gegen Viktoria Köln gesagt. Tatsächlich folgten zehn Siege in Folge, die den Blau-Roten die zweite Meisterschaft in Folge bescherten – aber nicht den Aufstieg, denn die Regionalliga ist die einzige Klasse, in der der Meister nicht automatisch aufsteigt.

Das Los hatte den SV Waldhof Mannheim als Gegner in der Relegation beschert. Es wurden zwei Begegnungen, die zu den herausragenden Ereignissen der Vereinsgeschichte gezählt werden dürfen – aus so mancherlei schönen und weniger schönen Gründen.

Zu letzteren zählt die Tatsache, dass das Heimspiel in der Fremde ausgetragen werden musste, wie nun alle Heimspiele, weil die altehrwürdige Grotenburg-Kampfbahn nicht den Sicherheitsanforderungen genügt. Die Duisburger Schauinsland-Reisen-Arena wurde als neue Heimspielstätte erkoren und war im Hinspiel mit 18.500 Zuschauern ausverkauft. Die Fans aus Mannheim sorgten für so manchen pyrotechnischen Knall, doch für den einzigen sportlichen sorgte Maximilian Beister. Der Star im Uerdinger Ensemble, der im Winter kam und in 15 Regionalligaspielen elf Tore erzielte, schoss das Tor des Tages und schuf damit eine solide Ausgangsposition für das Rückspiel.

3.000 KFC-Fans begleiteten die Mannschaft am 27. Mai nach Mannheim, wo Fußballgeschichte geschrieben wurde – von gewalttätigen Chaoten. Erstmals in der Geschichte des deutschen Fußballs musste ein Relegationsspiel abgebrochen werden, weil einige Randalierer ein Feuerwerk abbrannten, das nicht nur Spieler und Zuschauer gefährdete, sondern auch nicht enden wollte.Zudem gab es in und um das Stadion herum gewalttätige Auseinandersetzungen.

Die Uerdinger Spieler ließen ihrer Freude nach dem Abbruch beim Stand von 2:1 für den KFC freien Lauf. Es folgte tags darauf die große Feier auf dem Rathausplatz.

Sportlich war der Aufstieg in die Dritte Liga perfekt, doch nun begannen weitere nervenaufreibende Tage. Die beim DFB zu hinterlegende Kaution war nicht fristgerecht eingegangen. Die Mannheimer versuchten so, den Uerdinger Aufstieg noch zu verhindern. Doch KFC-Präsident Ponomarev gelang es vor Gericht nachzuweisen, dass seine Zahlung pünktlich raus gegangen, aber nicht umgehend von der Bank weitergeleitet worden war. Und nochmals grenzenloser Jubel im Lager der Blau-Roten als das Gericht der Argumentation folgte und den Aufstieg bestätigte. Nach zehn Jahren kehrte Uerdingen endlich wieder auf die nationale Fußball-Bühne zurück.

„Wir haben etwas erreicht, sind aber noch nicht am Ziel“, sagte Mikhail Ponomarev und handelte wieder entsprechend. Die Mannschaft wurde im Sommer noch einmal erheblich verstärkt, und zwar so, dass dies in Deutschland Aufsehen erregte. In Kevin Großkreutz heuerte ein Weltmeister von 2014 in Uerdingen an, in Stefan Aigner und Dominic Maroh zwei weitere gestandene Bundesligaprofis.

„Wir sind kein normaler Aufsteiger“, gestand Trainer Krämer. „Die Mannschaft ist so zusammengestellt, dass sie vorne mitspielen kann.“ Inzwischen scheut sich auch der Trainer nicht mehr, dass Wort „Aufstieg“ in den Mund zu nehmen. „Wir wollen um den Aufstieg in die Zweite Liga spielen“, bekannte er am vierten Advent nach der 0:4-Pleite in Unterhaching. Eine klare Kampfansage an die Konkurrenz.

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