KFC Uerdingen: Präsident Mikhail Ponomarev gibt 2. Bundesliga als Ziel aus

Mikhail Ponomarev im Interview: KFC-Präsident: "Die zweite Liga ist das Ziel"

Der Präsident will den KFC Uerdingen profitabel machen, was aber nur in Liga eins und zwei möglich ist. Er spricht aber nicht nur über seine Visionen, sondern auch über seine Strategie, die Rolle des Vereins am Niederrhein und die Probleme.

Mikhail Ponomarev ist keiner, der die Öffentlichkeit sucht. Der 43 Jahre alte russische Geschäftsmann äußert sich nur selten offiziell. Seit März 2015 engagiert er sich beim KFC Uerdingen, bei dem er seit dem 25. Juni 2016 als Präsident an der Spitze steht. Bevor Ponomarev sich beim KFC engagierte, war er schon für zwei andere renommierte Klubs tätig: für den AFC Bournemouth und die Düsseldorfer EG.

Bei dem englischen Fußballverein fungierte sein Unternehmen als Trikotsponsor und er saß im Aufsichtsrat. Im April 2015 folgte die Krönung der erfolgreichen Zeit mit dem Aufstieg in die Premiere League, wo der Klub heute gegen ManCity, ManU, Arsenal und Liverpool spielt. Beim Düsseldorfer Eishockeyklub wurde er müde belächelt, als er vom Ziel Champions League sprach, das der Klub 2015 dann tatsächlich erreichte.

Seit Juni 2016 führt Ponomarev nun den KFC Uerdingen, der so gut da steht wie schon lange nicht mehr. RP-Sportredakteur Thomas Schulze führte das folgende Gespräch mit ihm.

KFC-Boss Mikhail Ponomarev Foto: Thomas Schulze

Herr Ponomarev, der KFC ist Tabellenzweiter der Regionalliga, punktgleich mit Viktoria Köln. Sind Sie zufrieden?

Ponomarev Wir haben sportlich ein Etappenziel erreicht. An der Tabellenspitze haben sich zunächst einmal zwei Mannschaften etabliert, und vieles deutet darauf hin, dass sie den Kampf um die Meisterschaft unter sich ausmachen: Viktoria Köln und wir, der KFC. Aber vielleicht wird daraus auch noch ein Trio, denn es ist durchaus möglich, dass auch Borussia Dortmund mit seiner U23 noch einmal in den Kampf um die Meisterschaft eingreift.

Wird die Mannschaft denn noch einmal verstärkt?

Ponomarev Das ist nicht konkret geplant. Wir beobachten natürlich den Markt, und wenn sich eine interessante Möglichkeit ergeben sollte, die uns entscheidend weiter hilft, dann werden wir auch versuchen, dies zu realisieren.

Wie beurteilen Sie die Chancen auf den Aufstieg in die dritte Liga?

Ponomarev Das ist extrem schwierig, weil der Meister bekanntlich nicht automatisch aufsteigt. Sollten wir tatsächlich Meister werden, ginge es vielleicht innerhalb von acht Tagen in zwei Wettbewerben um Alles oder Nichts: Dann stünden die beiden Aufstiegsspiele an und auch möglicherweise das Niederrhein-Pokalendspiel. Eine brutale Situation. Aber wir werden alles tun, um auf diesen großartigen Fall vorbereitet zu sein.

Aus Ihren Worten klingt Stress. Warum tun sie sich das an? Warum genießen Sie nicht einfach das Leben?

Ponomarev Weil ich Sport und den Fußball liebe. Und der KFC Uerdingen ist ein Verein mit großer Tradition. Ich bin Geschäftsmann. Also ist es mein großes Ziel, den Verein profitabel zu machen, dass er alleine auf gesunden Füßen stehen kann. Das kann er aber nicht in der vierten und auch nicht in der dritten Liga, sondern nur in der zweiten oder ersten Liga.

Sind Sie ein unverbesserlicher Optimist?

Ponomarev Nein, ich habe klares Konzept und eine Strategie. Das Schwierigste ist jedoch, aus der vierten Liga aufzusteigen. Das Niveau in der dritten Liga ist nicht so viel höher. Man muss dann nur an wenigen Stellschrauben drehen, dann reicht das schon. Und dass der Aufsteiger in der zweiten Liga mithalten kann, demonstriert Holstein Kiel auf eindrucksvolle Weise.

Aber warum engagieren Sie sich ausgerechnet in Uerdingen? Warum nicht bei Alemannia Aachen, Rot-Weiss Essen oder Rot-Weiß Oberhausen - auch allesamt Vereine der Regionalliga mit großer Tradition und Zuschauerpotenzial?

Ponomarev Ich möchte nicht über andere Vereine sprechen, aber ich versichere Ihnen, dass ich mir auch diese Vereine genau angesehen habe.

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Hat der "kleine" KFC im Schatten des großen Niederrhein-Trios Borussia Mönchengladbach, Fortuna Düsseldorf und MSV Duisburg überhaupt eine Überlebenschance?

Ponomarev Mönchengladbach ist natürlich sehr weit weg, aber an Düsseldorf und Duisburg wollen wir heranrücken. Duisburg hat den Vorteil des Stadions, Düsseldorf natürlich eine viel bessere Infrastruktur. Aber ich sehe durchaus eine Chance für den KFC: Wir wollen aufschließen.

Ist Zweitliga-Fußball in Krefeld überhaupt möglich?

Ponomarev Ja, der Weg dort hin ist nicht leicht, aber es ist möglich. Ich erwarte nicht, dass uns die Sponsoren die Tür einrennen, weil wir jetzt eine Meisterschaftschance in der vierten Liga haben. Das Image des Vereins hat in den vergangenen Jahren gelitten. Daher müssen wir in Vorleistung treten mit sportlichem Erfolg und seriöser Arbeit. Aber ich sage auch: Wer glaubt, der Russe soll sein Geld rein stecken, mit dem können wir Geschäfte machen, dem kann ich nur sagen: Ich bin mit ganzem Herzen dabei, aber ich bin kein Depp.

Das klingt, als hätten Sie auch schon schlechte Erfahrungen in Krefeld gemacht.

Ponomarev Ja, aber darüber rede ich jetzt nicht. Das habe ich den Unternehmen mitgeteilt und sie sind nicht mehr im Boot. Ich möchte faire und seriöse Partner, die an der Erfolgsgeschichte des KFC mitarbeiten wollen.

Nochmal zu der Frage: Wäre ein Aufstieg überhaupt zu stemmen?

Ponomarev Ja, sofern die Stadt mitspielt. Denn der DFB macht klare Vorgaben, die ein Drittligist bzw. die Stadt erfüllen müssen. Da geht es nicht nur um finanzielle Sicherheiten bei der Lizenzierung, sondern auch um das Stadion, das Umfeld, die gesamte Infrastruktur. Krefeld gehört sicher nicht zu den finanzstärksten Kommunen, aber wir sind im ständigen Dialog mit der Stadt. Und es sind wirklich gute Gespräche, schließlich wollen wir als Verein den Erfolg auch für die Stadt, die davon profitieren wird.

Können Sie all das vielleicht einmal konkretisieren und ein Beispiel nennen?

Ponomarev Zu den Auflagen zählt unter anderem, dass das Stadion eine Rasenheizung haben muss. Das ist in der altehrwürdigen Grotenburg noch nicht der Fall. Oder dass wir einen entsprechenden Nachwuchsbereich mit Infrastruktur vorweisen müssen. Da hinken wir mit unseren neun Mannschaften auch noch deutlich hinterher. Aber was den sportlichen Bereich angeht, den wir als Verein stemmen müssen - daran arbeiten wir.

In welchen Bereichen sehen Sie beim KFC noch Verbesserungsmöglichkeiten?

Ponomarev In allen, zum Beispiel müssen wir in das Scouting investieren. Das ist inzwischen einer der wichtigsten Bereiche. Den müssen wir aufbauen beziehungsweise ein sehr gutes Netzwerk schaffen.

Wieviel Zeit haben Sie denn mitgebracht, um all Ihre Ziele zu verwirklichen?

Ponomarev Ich habe mich diesbezüglich nicht fest gelegt. Vielleicht schaffen wir es in drei Jahren, vielleicht in zwei Jahren, vielleicht in vier Jahren. Wichtig ist, dass ich eine positive Entwicklung sehe. Sehe ich die nicht, werden wir analysieren, woran es liegt und die notwendigen Veränderungen vornehmen.

(RP)