„Auf vielen Positionen gibt es offene Rennen“

Fußball: „Auf vielen Positionen gibt es offene Rennen“

Der Trainer des Fußball-Drittligisten KFC Uerdingen will seinen Kader vorerst nicht mehr verändern.

Am Mittwoch endete das Trainingslager von Drittligist KFC Uerdingen. Anlass für RP-Mitarbeiter Heinrich Löhr die acht Tage im österreichischen Hopfgarten nahe dem Nobelskiort Kitzbühel in einem Gespräch mit KFC-Trainer Stefan Krämer Revue passieren zu lassen und im Hinblick auf die in gut zwei Wochen beginnende Saison zu bewerten.

Die Tage in Tirol sind zu Ende. Wie fällt ihr Fazit aus?

Krämer Ich bin rundum zufrieden. Unterkunft und Essen waren sehr gut, wie Sie auch selbst erfahren haben. Die Trainingsplätze waren in einem guten Zustand. Seitens der betreuenden Agentur und des Hotels wurde uns jeder Wunsch von den Augen abgelesen. Schade, dass hier unser erstes Vorbereitungsspiel nach 41 Minuten abgebrochen werden musste. Aber für das Wetter kann keiner etwas.

Und wie fällt die sportliche Bewertung aus?

Krämer Exakt gleich. Kein Spieler ist auch nur ein einziges Mal zu spät gekommen. Ob im Dorf die Einheimischen oder im Hotel die anderen Gäste – wir haben nur positive Blicke erhalten. Nach zehn Uhr hat man die Jungs weder gesehen noch gehört. Ich denke, dass wir Krefeld und den KFC sehr gut präsentiert haben.

Verletzt hat sich auch keiner?

Krämer Richtig, und das ist ja im Grunde genommen das Wichtigste. Am Ende der Woche waren wir 27 Spieler und wir hatten noch nicht einmal einen erkälteten Spieler. Das ist bei so einer großen Gruppe eigentlich ungewöhnlich.

Stichwort „Große Gruppe“. Einschließlich Maurice Litka umfasst der Kader 28 Spieler. Auch wenn eine zweite Mannschaft und eine höherklassig spielende A-Jugend fehlen, ist der Kader nicht zu groß?

Krämer Klares Nein. Zum einen fällt Litka noch monatelang aus, zum anderen haben wir allein in der Liga 38 statt zuvor 34 Spiele zu bestreiten. Und dazu noch möglichst viele Spiele im Niederrhein-Pokal. Ich möchte diesen Kader jetzt nicht mehr verändern.

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Aber wie hält man Spieler ruhig, die im Ranking jenseits der Position 20 stehen ruhig? Mit Geld allein geht das ja nicht. Jeder will schließlich spielen.

Krämer Vorab: alle haben Drittligaverträge. Das man das nicht ausschließlich mit Geld regeln kann, sehe ich auch so. Es wird darauf ankommen, jeden Spieler aus dieser Gruppe mitzunehmen, keinen zurück zu lassen, an der Stelle ganz wachsam zu sein.

Überspitzt ausgedrückt, das Trainerteam muss sich mehr um die Spieler auf der Rangliste ab Platz 20 kümmern?

Krämer In gewisser Weise Ja. Aber ich will es mal anders ausdrücken. Nehmen Sie Patrick Ellguth in der abgelaufenen Speilzeit. Der hat in der Rückserie wenig gespielt und im Training immer viel angeboten. Und als er in Wiedenbrück und Mannheim gebraucht wurde, eine Topleistung gebracht. Auch so ein Spieler trägt maßgeblich zum Mannschaftserfolg bei. Dieser Gedanke ist heute Teil des Profifußballs und wer den nicht verinnerlicht, der ist in dem Gewerbe fehl. Genau das erwarte ich von jedem einzelnen meiner Spieler. Und ich verrate ihnen, dass es auf vielen Positionen derzeit noch offene Rennen gibt.

Krefeld hat ja auch einen Eishockey-Erstligisten. In der Sportart gibt es den Begriff der 1. Sturmreihe. Würden Sie das Trio Aigner/Beister/Großkreutz angesichts von 359 Erstligaspielen in Summe als ihre Erste Reihe bezeichnen?

Krämer Alle diese drei Spieler verfügen sicherlich über außergewöhnliche fußballerische Fähigkeiten. Aber wir haben sie nur bekommen, weil es in ihren Karrieren in den vergangenen zwei Jahren Brüche gab. Wenn wir die geschlossen bekommen, werden wir viel Freude an ihnen bekommen. Trotzdem möchte ich vor einem warnen. In der Dritten Liga wirst du kein einziges Spiel gewinnen, weil hinten auf einem Trikot irgendein berühmter Name steht.

Sondern? Sie waren schon lange Trainer in der dritten Liga.

Krämer In jedem Spiel wird erst einmal gefightet und wenn du diesen Kampf gewonnen hast, erst dann kannst du deine fußballerische Klasse einbringen. An der Stelle verspreche ich mir viel von Kevin Großkreutz. Ihn kenne ich so, dass er immer alles gibt – gleich, ob es in der Champions-League gegen Barcelona oder in der Dritten gegen Hansa Rostock geht. Und wie gesagt, über fußballerische Klasse verfügt er.

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