Interview mit Hand Krüppel und seinem Nachfolger als Adler-Vorsitzender, Christian Lauffs.

Handball : „Im Handball weiter leistungsorientiert“

Hans Krüppel war 40 Jahre lang Vorsitzender der Adler Königshof und übergibt jetzt an Christian Lauffs.

40 Jahre lang führte Hans Krüppel die Adler Königshof als Vorsitzender. Nun übergibt er den Staffelstab an den 41 Jahre alten Chemie-Ingenieur Christian Lauffs, der mit einem jungen Team den Verein in die Zukunft führen will.

Nach 40 Jahren bekommen die Adler einen neuen Vorsitzenden. Wie läuft die Übergabe?

Lauffs Ich bin ja schon seit 14 Jahren im Vorstand und kenne die Abläufe. Ich habe ein gutes Team und hätte ohne dieses auch nicht kandidiert. Wir haben uns zusammengesetzt und ein Konzept erarbeitet, das als Gerüst dienen soll. Aber ich habe schon lange überlegt. Meine Frau Maike, die als Co-Trainerin die Damenmannschaft betreut, war schon etwas genervt und meinte, ich solle mich endlich entscheiden.

Krüppel Du brauchst auch einfach ein gutes Team, sonst ist das heute nicht machbar.

Sie sprechen das Konzept an. In Handballkreisen wird von einer Abkehr von der Leistungssport gesprochen. Stimmt das?

Lauffs Das ist nicht richtig. Wir haben gesagt, dass wir keine Vorgaben für die Teams mehr machen. Aber wir gehen vom Leistungshandball nicht weg. Wenn ein Team sich sportlich qualifiziert, dann soll es auch hoch spielen. Das ist unverändert. Wir wollen unser Niveau durchaus halten.

Krüppel Ich finde es wichtig, dass das Innenleben im Verein stimmt. Das wollen sie in den Vordergrund rücken, und das ist sehr gut. Einige Dinge sind da über die Jahre eingeschlafen. Früher kamen die Jungs zu uns, weil die Stimmung im Verein so gut war. Da will der neue Vorstand mit frischen Ideen wieder hin, und das ist der richtige Weg. Früher war die Gaststätte Welters der Nukleus des Vereins. Ein solcher fehlt heute, seit die mit neuen Betreibern zum Restaurant wurde.

Wie soll das erreicht werden?

Lauffs Unser Konzept ist überschrieben mit „Back to Family“. Wir wollen alle Jugendteams durchgängig besetzt haben und hier eine Basis aufbauen. Wir müssen sehen, dass junge Spieler einfach bei uns bleiben. Klar ist aber: Über allem steht immer die Finanzierung.

Welche Rolle spielt das A-Jugend-Team in der Bundesliga?

Lauffs Auch das spielt natürlich eine Rolle. Es hat Strahlkraft, auch wenn es sportlich gerade nicht so gut läuft. Wir werden hier Gespräche mit Neuss führen, die Kooperation fortzuführen und vielleicht auszubauen. Ziel ist, es beizubehalten.

Wie soll es denn sonst sportlich weiter gehen?

Krüppel Derzeit kommen sechs Spieler der ersten Mannschaft mit dem Fahrrad zum Training. Das muss das Ziel sein, wir brauchen diese Identifikation, keine gekauften Teams aus ganz NRW. Das Team ist ganz jung, wir haben ohne Torwart einen Altersschnitt zwischen 20 und 21, neulich stand ein Team mit einem Schnitt von 19 Jahren auf der Platte. Das ist wunderbar. Und Marius Timofte ist ein hervorragender Trainer, man erkennt immer ein Konzept.

Sportlich schwebt aber immer noch das Harz-Thema über dem Verein.

Lauffs Absolut. Wenn wir hier keine Lösung über eine Selbstreinigung oder etwas in der Art finden, dann wird das Team nicht bleiben, dann werden wir auf diesem Niveau keine Spieler mehr finden. Aber wir sind in guten Gesprächen mit der Stadt und zuversichtlich.

Krüppel Entscheidend ist, was der Rat sagt. Wir wollen die zweite Schwerpunkthalle neben der Glockenspitzhalle werden.

Blicken wir ein bisschen auf Ihre Zeit zurück, Herr Krüppel. Was bleibt von 40 Jahren Vorsitzender?

Krüppel Sehr viel. Es gab viele tolle Erlebnisse bis hin zur Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz. Es gab den Abstieg aus der Bezirksliga gleich im ersten Jahr. Damals hatten wir einen Etat von 18.000 Mark, heute ist es ein Vielfaches. Wir haben viel in die Jugendarbeit gesteckt, hatten tolle Jugendreisen, haben die Kultur gefördert, und ich habe viele tolle Menschen gehabt, die mich unterstützt haben. Es gab die Gründung der HSG, es war insgesamt eine bewegte Zeit.

Zur Gründung der HSG spielten die Adler in der 3. Liga. Einst sagten Sie, Adler werde nie höher als Bezirksliga spielen.

Krüppel [lacht] Ja, das habe ich damals auch geglaubt. Es war surreal, als wir plötzlich in die Verbandsliga aufstiegen. Irgendwann war es die dritte Liga und wir haben uns die Augen gerieben. Aber unter dem Strich fehlt dafür das Geld.

Stichwort Geld: Ist es heute schwieriger, und welche Rolle spielen die Kulturevents des Vereins?

Krüppel Ja, es ist viel schwieriger geworden. Viele Unternehmen investieren nur noch in den Fußball. Die Unternehmen wenden sich von kleinen Sportarten ab. Die kleinen Vereine, der Nukleus unserer Gesellschaft, bleiben auf der Strecke. Mit den Kabarett- und Musikabenden leisten wir einen großen Beitrag zum Etat.

Lauffs Die wollen wir auch beibehalten. Hier hat Hans auch versprochen, uns weiter zur Seite zu stehen, wofür wir sehr dankbar sind. Seine Erfahrung und Kontakte sind da absolut unersetzlich.

Zum Schluss ein Blick in die Zukunft. Wo soll Adler in ein paar Jahren stehen?

Lauffs Ich denke, wir sind im Moment mit den Damen und Herren in der Oberliga gut aufgehoben. Bei den Damen ist der Sprung in die Nordrheinliga sportlich extrem groß. Wir würden den Weg gehen, wenn die Mädels aufsteigen, aber es ist kein Ziel.

Krüppel Und bei den Herren muss man sagen, sie sind dort super aufgehoben. Sie stehen zwar oben, aber für das junge Team wäre ein Aufstieg nicht gut. Wenn sie da bleiben, wo sie im Moment sind, wäre das in meinen Augen perfekt.

Lauffs Wir steigen jetzt in die Kaderplanung ein und gehen von der Oberliga aus. Das Gros des Teams soll Weihnachten stehen.

Krüppel Und ich bleibe auch noch einige Zeit Hallensprecher. Das macht mir Spaß, dabei bin ich wohl der älteste Sprecher Deutschlands. Ich bin froh, wie alles ist, hatte eine wunderbare Zeit und weiß den Verein in guten Händen. Das ist ein schönes Gefühl.