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HTC Blau-Weiß Krefeld: „Mister Tennis-Bundesliga“ tritt zurück

Nach 45 Jahren : „Mister Tennis-Bundesliga“ tritt zurück

Olaf Merkel ist wegen Differenzen mit Teilen des Vorstandes des HTC Blau-Weiß Krefeld kein Teamchef der Bundesliga-Mannschaft mehr. Titelsponsor Timberland Finance kündigte den Vertrag. Der Liga will der Klub aber erhalten bleiben.

Als der HTC Blau-Weiß Krefeld nach der Bundesliga-Saison 1975 eine neue Nummer 1 für sein Team suchte, wurde der Klub im Westen der schwäbischen Alb im beschaulichen Ort Ebingen fündig. Er lockte Olaf Merkel an den Niederrhein, der drei Jahre zuvor mit dem TC Waldau aus Stuttgart in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga gegen Krefeld spielte.

Selbst Merkel rechnete damals nicht damit, dass er 45 Jahre später immer noch ein Blau-Weißer ist. Das ist jetzt nur noch im Herzen der Fall , denn als Teamchef des Bundesliga-Teams aus dem Stadtwald gab der 68-Jährige am Donnerstag seinen Rücktritt bekannt, allerdings mit reichlich Wehmut in der Stimme: „Besonders in den vergangenen fünf Jahren gab es unvergessliche Erlebnisse und schöne Momente.“

„Ich habe meine Entscheidung dem neuen Vorsitzenden Olaf Stiller vor drei Wochen mitgeteilt. Es gab ein Gespräch, bei dem ich nicht das Gefühl hatte, dass alle, die am Tisch saßen, weiter mit mir zusammenarbeiten wollten. In den vergangenen Jahren hat sich bei mir so einiges durch unglückliche Entscheidungen aufgestaut. Und den Stil, wie man mit mir umgegangen ist, kann und will ich nicht akzeptieren, sagte Merkel. Sein Rücktritt habe nichts mit der Gründung seiner Stiftung für Leistungstennis e.V. im Vorjahr zu tun: „Beides hätte ich problemlos machen können.“

Im Mai hatte er in einem Brief an Mitglieder und Freunde des Vereins seinen Unmut mitgeteilt: „Es war mir ein persönliches Anliegen, einem Großteil meiner aktuellen und ehemaligen Schülern sowie meinen vielen Weggefährten in all den Jahren meine Gedanken und Gefühle näher zu bringen. Da Tennis auch irgendwie mein Leben ist, habe ich mich auch seit 45 Jahren mit aller Kraft als Spieler, wie als Trainer, für diesen Club ehrenamtlich engagiert.“ Für seinen Brief erhielt er von vielen Seiten Zuspruch.

Auch ohne Merkel soll es im nächsten Sommer Spitzentennis im Stadtwald geben, so es die Corona-Pandemie dann wieder möglich macht. „Wir machen weiter. Es kann nicht sein, dass im Verein alles hingeschmissen wird, wenn einer aufhört“, erklärte am Donnerstag der Ex-Vorsitzende Hajo Ploenes im RP-Gespräch. Er habe bereits Kontakt zu Spielern aufgenommen: „Paolo Lorenzi und Jürgen Melzer haben mir schon gesagt, dass sie mich unterstützen werden.“ Anfang November findet ein Treffen mit Vertretern aller Bundesligaklubs statt.

Zum Rücktritt des Teamchefs sagte er: „Vor sechs Wochen sagte Olaf uns bei einem Gespräch, lasst uns nochmal zusammensetzen. Wir haben ihm ein Angebot gemacht, dass er nächstes Jahr nochmal weitermacht und nach dem letzten Spiel einen seiner Arbeit entsprechenden Abschied bekommt. Dann hat er aber vor dem zweiten Gespräch Olaf Stiller angerufen und Nein gesagt. Stiller bedauerte im RP-Gespräch Merkels Entscheidung: „Ich finde es traurig. Ich kann das nicht nachvollziehen. Dieses Ende haben weder er noch der Verein verdient. Das tut mir sehr weh.“

Mit Merkel zieht sich auch Titelsponsor „Timberland Finance“ aus der Bundesliga zurück, dessen 2018 geschlossener Vertrag mit den Blau-Weißen eigentlich noch für zwei Spielzeiten galt. Firmenchef Dirk Köster teilte seine Entscheidung dem Verein in Form einer schriftlichen Kündigung mit.