Interview André Schicks (HSG Krefeld Niederrhein) „Unser Team ist eine Art Leuchtturm“

Krefeld · Der Geschäftsführer des erfolgreichen Handball-Drittligisten sieht den Klub für die Zukunft sehr gut aufgestellt. Er wünscht sich aber mehr Wertschätzung und Anerkennung von städtischer Seite.

Der Einstieg des Krefelder Unternehmens „Fressnapf“ im Vorjahr war für die HSG auf dem Weg in die 2. Liga ein Meilenstein.

Der Einstieg des Krefelder Unternehmens „Fressnapf“ im Vorjahr war für die HSG auf dem Weg in die 2. Liga ein Meilenstein.

Foto: Samla Fotoagentur/samla.de

Handball-Drittligist HSG Krefeld Niederrhein startete am Montag mit der Vorbereitung auf die restlichen Punktspiele in der Staffel West. Geschäftsführer André Schicks blickt im RP-Gespräch auf die wirtschaftliche Entwicklung im abgelaufenen Kalenderjahr zurück, analysiert den Ist-Zustand und schaut auf diverse Highlights.

Wie fällt Ihr Fazit für das Jahr 2022 aus?

Schicks: „Wir sind absolut nicht unzufrieden, jedoch sollten wir auch einen genauen Blick zurückwerfen. Wir kamen aus der Pandemie. Es war ein intensiver Prozess, die Zuschauer wieder in die Hallen zu bekommen, doch Stück für Stück normalisiert sich der Zustand. Bedingt durch die Teuerungsrate in nahezu allen Bereichen des täglichen Lebens fällt es vielen aktuell schwer, sich die Freizeit zu finanzieren und daher ist dies erneut eine große Herausforderung. Aber auch diese werden wir im Verlauf des kommenden Kalenderjahres meistern können.“

Wie hat sich die Marke HSG im vergangenen Jahr entwickelt?

Schicks: „Mit einem Markenrelounge haben wir der HSG ein gänzlich neues Gesicht verliehen. Dies steht auch für die aktuelle Aufbruchstimmung, welche nicht zuletzt auch mit Fabian Herzog einhergeht, der Anfang des Jahres zu uns gestoßen ist. Er hat die Marke maßgeblich mit auf ein neues Level gehoben und zusätzliche Impulse eingebracht. Daher muss ich eine rasante, aber dennoch stets durchdachte, Weiterentwicklung der Marke feststellen.“

Welche Veränderungen haben die HSG abseits des Sports im vergangenen Jahr geprägt?

Schicks: „Die Logoveränderung und Anpassung des Corporate Designs sind sicherlich die größten Veränderungen im nun abgelaufenen Jahr gewesen. Aber auch eine neue Homepage und Aufarbeitung der Printprodukte haben die HSG. Im Bereich Merchandising haben wir ebenfalls eine Veränderung zu verzeichnen, wonach nun Holger Wegner uns mit seinem Unternehmen Textildruck Krefeld in Krefeld-Fischeln in diesem Bereich frischen Wind verliehen hat. Wir schauen auf sämtlichen Ebenen, wo wir uns verändern und verbessern können. Schließlich wollen wir es vermeiden, dass wir nur im sportlichen Bereich wachsen, die anderen Ebenen jedoch hinterherhinken. Solch eine Entwicklung ist nie gut gegangen.“

Wie gesund ist die HSG auf finanzieller Ebene aufgestellt?

Schicks: „Uns geht es aktuell sehr gut. Wir blicken auf eine enorme Erweiterung der Partnerzahl in den vergangenen sechs Monaten zurück und erfreuen uns aufgrund der soliden Arbeit, gelebter Transparenz und einer Marke, mit der sich jeder gerne sehen lässt, immer größerer Beliebtheit. Ein Hauptgesellschafter trägt mit seinem Engagement zu einem Großteil des Saisonetats bei, dazu gesellen sich weitere leistungsstarke Unternehmen, welche sich immer mehr mit dem Handball identifizieren können. Wir wissen natürlich auch um die erstklassige Unterstützung unseres Hauptsponsors Fressnapf auf diversen Ebenen – monetär, infrastrukturell und im Wissensaustausch. Hierfür sind wir sehr dankbar.

Was wünschen Sie sich für 2023?

Schicks: Ich wünsche uns mehr Anerkennung und Wertschätzung von städtischer Seite. Damit meine ich primär die finanzielle Unterstützung. Diese ist im Vergleich zu anderen Standorten leider noch nicht dort, wo wir es uns wünschen würden.“

Wie zufrieden sind Sie mit dem Ausbau des Partnernetzwerkes?

Schicks: „Ein stetiger Ausbau bedeutet ein solides Fundament, und damit bin ich sehr zufrieden. Hier hat Fabian Herzog gute Arbeit geleistet und ich denke, da ist auch für die Zukunft noch großes Potenzial vorhanden. Ich spüre jedenfalls immer mehr Identifikation mit unserer HSG seitens der Wirtschaft in Krefeld und am Niederrhein – ein gutes und wertschätzendes Zeichen.“

Was ist die Zielstellung für 2023?

Schicks: „Wir verfolgen das Ziel, die Zahlen weiterhin so gut im Griff zu haben wie bisher. Dazu streben wir natürlich sportliche Erfolge an und werden besonders das familiäre Gefühl nicht aus den Augen verlieren. Wenn dies alles so eintrifft, sind wir wieder ein gehöriges Stück weiter und auf dem für unsere Planung richtigen Weg.“

Was verspricht sich die HSG von dem Derby-Heimspiel in der Yayla-Arena am 25. Februar?

Schicks: „Ein derartiges Spiel ist etwas komplett Außergewöhnliches. Wir dürfen Folgendes nicht vergessen: Wir sprechen nicht über Profispieler, die mit einem solchen Interesse umgehen können. Bei unserem Gegner TV Aldekerk sind fast alle Spieler in Vollzeit berufstätig und wenige noch im Studium. Bei uns studieren viele und wenige befinden sich schon im Beruf. Beides ist vom Berufssport, welcher normal vor solchen Kulissen ausgetragen wird, noch weit entfernt. Dennoch sehen wir aktuell durch die Verkaufszahlen, dass das Interesse riesengroß ist. Damit haben wir genau das erreicht, was wir dokumentieren wollten. Die Strahlkraft des Handballsports ist in unserer Region exorbitant groß und zeigt auch mit den Aktivenzahlen auf, welches Potenzial noch in unserer Entwicklung steckt. Wenn am Ende des Tages auch alle Zuschauer beim Spiel in der Yayla- Arena mal den Weg zu einem Heimspiel in die Glockenspitzhalle gefunden haben, haben wir eine Menge erreicht. Aktuell sehen wir schon sehr positive Effekte, da unsere durchschnittlichen Zuschauerzahlen schon jetzt oberhalb der Zeit vor der Coronapandemie liegen. Gemeinsam wollten wir ein Zeichen für den Handball setzen und das ist bisher gut gelungen.

Wie zufrieden sind Sie mit der Planung für das neue Jahr, das Highlightspiel und die kommende Saison?

Schicks: „Die genauen Planungen laufen aktuell auf Hochtouren. Bisher gibt es natürlich viele Dinge zu klären, aber generell bin ich da sehr zufrieden. Was die Planungen zum Highlightspiel am 25. Februar betrifft, sind wir ebenfalls in der Organisation. Das ist natürlich für alle eine besondere Herausforderung, schließlich möchten wir uns an diesem Tag von der besten Seite präsentieren.“

Was tut sich ansonsten hinter den Kulissen?

Schicks: „Aktuell befinden wir uns mitten in den Planungen für die Saison 2023/2024. Es steht im Februar die Lizenzierung zur 2. Handball-Bundesliga an. Dies ist die Grundvoraussetzung, um startberechtigt für die Aufstiegsrunde zu sein.“

Wo sehen Sie die HSG im sportlichen Kontext in der Region positioniert?

Schicks: „Aktuell sind wir aus meiner Sicht mit unserer Mannschaft schon eine Art „Leuchtturm“ im Handball geworden. Wir möchten hochklassigen Handball bieten und dabei natürlich so viele wie möglich für diesen tollen Sport begeistern. Ferner verfolgen wir auch den Weg, zukünftig lokale Spieler weiter in unseren Reihen zu halten und bestenfalls im Vorfeld die Ausbildung dieser mit begleiten zu dürfen. Daran arbeiten wir aktuell akribisch und sind uns sicher, hier bald die nächsten Schritte bekanntgeben zu dürfen.“

Was sind dabei aus Ihrer Sicht die nächsten Schritte?

Schicks: „Im Fokus steht die weitere Arbeit an der Vereinsbasis. Wir wollen die Vereine der Region zusammenführen, um das Maß an Ablehnung untereinander aufzubrechen, sodass lediglich ein gesundes Konkurrenzdenken vorherrscht. Wenn uns das gelingt, wird es deutlich einfacher, junge Talente aus der Region in die Richtung unserer ersten Mannschaft zu führen. Da würde ich mir einfach nur wünschen, dass die Gesprächsbereitschaft weiter steigt und alle noch stärker an einem Strang ziehen.“

Ist die HSG bezogen auf einen Mehrjahresplan und gesetzter Meilenstein im Zeitplan?

Schicks: „Aus wirtschaftlicher Sicht ist die HSG das mit Sicherheit, vorbehaltlich dessen, dass auch hier noch Steigerungswünsche existieren. Wenn sich diese realisieren lassen, wird es deutlich einfacher, auch auf der sportlichen Seite den Mehrjahresplan zielsicher zu realisieren. Aktuell sehe ich uns auf einem wirklich guten Weg, der noch starkes Steigerungspotenzial birgt.“

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort