Der Saisonhöhepunkt im Krefelder Handball steht bevor „Uns fehlt hier und da die Leichtigkeit“

Interview | Krefeld · Der Vorstands-Vorsitzende des Handball-Drittligisten zieht ein Fazit der Hauptrunde und blickt auf die Aufstiegsspiele und die Zukunft des Klubs. Er ist zuversichtlich, dass die Mannschaft gegen Konstanz eine gute Chance besitzt.

 In der Yayla-Arena kennt sich Simon Krivec seit den Handball-Derbys gegen Aldekerk aus. Vielleicht wird dort in der Saison 2025/26 jedes Heimspiel der HSG Krefeld stattfinden, wenn die Glockenspitzhalle saniert wird.

In der Yayla-Arena kennt sich Simon Krivec seit den Handball-Derbys gegen Aldekerk aus. Vielleicht wird dort in der Saison 2025/26 jedes Heimspiel der HSG Krefeld stattfinden, wenn die Glockenspitzhalle saniert wird.

Foto: Samla Fotoagentur/samla.de

Die HSG Krefeld Niederrhein steht vor ihrem absoluten Saison-Höhepunkt. Mit dem Heimspiel gegen die HSG Konstanz beginnt am Fronleichnamstag (17 Uhr) der Kampf um den Aufstieg in die 2. Handball-Bundesliga. Der Vorstands-Vorsitzende Simon Krivec nennt im RP-Gespräch seine Erwartungen für die Aufstiegsduelle, blickt auf die Hauptrunde zurück und in die Zukunft des Klubs.

Sind Sie mit dem Abschneiden in der Hauptrunde zufrieden?

Krivec Wir haben mit Platz zwei das geforderte Soll erfüllt und die Qualifikation für die Aufstiegsrunde erreicht. Das ist uns am Ende auch frühzeitig und vor allem souveräner gelungen, als es zu Jahresbeginn kurzzeitig aussah.

Warum hat es nicht zu Platz eins gereicht?

Krivec Die Leichtigkeit, die wir zu Saisonstart hatten, ist uns zum Winter hin ein wenig abhandengekommen. Da hätten wir viele Spiele klarer gestalten müssen. Auch unabhängig von dem großen Verletzungspech auf vielen Positionen.

War das Ziel Aufstiegsrunde mal in Gefahr?

Krivec Nein. Mit der Verpflichtung von Bastian Roscheck und Martin Juzbasic zu Jahresbeginn haben wir die Abwehr enorm verstärkt und in der Folge an Souveränität und Kompaktheit gewonnen. Bastis Erfahrung und Ausstrahlung auf dem Feld macht auch seine Mitspieler besser. Mit Martin Juzbasic haben wir einen zweiten, gleichwertigen Torwart dazubekommen. Unsere Gegentoranzahl ist merklich gesunken. Das macht mir Mut für die Aufstiegsrunde.

Aber von Platz eins wäre es vielleicht leichter, die erste Runde zu überstehen?

Krivec Klar, aber man muss anerkennen, dass Ferndorf eine bärenstarke Saison gespielt hat und verdient erster geworden ist. Für mich ist Ferndorf der Topfavorit auf den Aufstieg. Sie haben genau die Souveränität und Konstant gezeigt, die wir in einigen Spielen haben vermissen lassen. Aber ich bin frohen Mutes, weil wir in den vergangenen Wochen deutlich positiver aufgetreten sind. Die Trendkurve zeigt zum Saisonfinale in die richtige Richtung.

Ist der Play-off-Modus mit Hin- und Rückspiel ein Vor- oder Nachteil für die HSG?

Krivec Weil wir nicht wie Ferndorf oder Emsdetten als Topfavorit, sondern als Underdog in die Aufstiegsrunde starten, kommt uns der Modus entgegen. Also ein Vorteil. Jetzt kann ein einziges Spiel alles ins Positive oder Negative kippen lassen. Und unsere Mannschaft ist in der Lage, an einem guten Tag jeden Gegner zu schlagen. In einer Aufstiegsrunde „jeder gegen jeden“ über mehrere Wochen wäre es deutlich schwieriger. Wenn uns jetzt gegen Konstanz ein gutes erstes Heimspiel gelingt, dann ist der Druck direkt beim Gegner. Da kann sich für uns eine gewisse Eigendynamik entwickeln. Unser Ziel als Sportler lautet: Aufstieg.

Und wenn das nicht klappt?

Krivec Dann haben es andere einfach mehr verdient. Wir haben in dieser Saison gemerkt, was uns an verschiedenen Stellen fehlt. Wir wissen, an welchen Positionen wir noch arbeiten müssen. Die Saison wäre aber nicht verloren, weil sie uns wieder einen Lernaspekt und Erkenntnisgewinnung gebracht hat. Aber es bleibt bei unserem Ziel, den Aufstieg alsbald zu realisieren. Und deshalb werden wir weiter an der Professionalisierung auf allen Ebenen des Klubs arbeiten. Der Aufstieg wäre dann das i-Tüpfelchen auf unser Tun und Balsam auf die Seele für alle, die mit sehr viel Herzblut täglich rund um die HSG arbeiten. Und wir haben dann auch eine gute Chance, die Klasse zu halten. Davon bin ich überzeugt.

Was müsste für eine weitere Saison in der 3. Liga passieren, um zu den Topfavoriten zu gehören?

Krivec Wir werden die Saison genau analysieren, wenn sie denn beendet ist. Grundsätzlich wissen wir, wo wir unsere Hausaufgaben noch machen müssen. Jetzt wollen wir jedoch erst einmal gute Play-offs spielen und die Zuschauer begeistern. Der Aufstieg wäre die Krönung des Ganzen. Wenn wir es jetzt nicht schaffen, dann versuchen wir es kommendes Jahr erneut. Unser Anspruch ist es, uns Jahr für Jahr zu verbessern, ohne uns zu übernehmen. Dazu gehört wirtschaftlicher Sachverstand und die nötige Demut.

Ist die HSG für den Aufstieg gewappnet?

Krivec Sollten wir den Sprung schaffen, sehen wir uns in der Lage, in der 2. Liga eine gute Rolle zu spielen und die Klasse zu halten. Ansonsten würde unser Engagement auch keinen Sinn machen. Der Etat wird dann steigen müssen, aber dafür gibt es schon erste Vereinbarungen mit Sponsoren. Wir haben jetzt nicht den höchsten Etat der 3. Liga und würden sicher in der 2. Liga mit einem der kleinsten Etats arbeiten müssen. Aber ich glaube, dass wir aus den finanziellen Möglichkeiten stets das Optimum herausholen. Wir planen seit Jahren zweigleisig, weil man durch die Aufstiegsrunde sehr spät Planungssicherheit hat. Das macht es für alle Mannschaften der 3. Liga schwer, den Schritt eine Klasse höher zu gehen. Ich würde mir wünschen, dass die Mannschaft direkt aufsteigt, die über eine gesamte Saison die Beste war. Beim jetzigen Modus kann ich innerhalb von drei Wochen eine ganze Saison krönen oder sie ad acta legen.

Der Weg in die 2. Liga ist sehr schwer. Es wird im Handball viel über neue Reformen diskutiert. Was würde den Aufstieg erleichtern?

Krivec Eine Reform der 3. Liga ist zwingend notwendig. Derzeit gibt es 64 Mannschaften. Davon arbeiten zehn bis 15 weitgehend unter professionellen Bedingungen. Dann gibt es eine breite gleichstark Masse an Vereinen. Die letzten 25 Teams fallen leistungsmäßig deutlich ab. Die Diskrepanz ist zu groß. Das tut der gesamten Liga nicht gut. Man müsste die Staffeln meines Erachtens auf zwei reduzieren. Das jeweils beste Team der Saison steigt dann auf. Das würde mehr Fairness und Planungssicherheit bedeuten. Unser Trainer Mark Schmetz hat den Vorschlag gemacht, die 2. Liga in zwei Gruppen aufzuteilen und die besten Teams der 3. Liga darin aufzunehmen. Ein anderer Ansatz, der ebenso zielführend ist. Grundsätzlich muss man die Frage stellen, wie man das Ganze reformiert.

Wie viel Potenzial steckt bei der HSG noch im wirtschaftlichen Bereich?

Krivec Potenzial gibt es an vielen Stellen. Wir sind aktuell zufrieden. Die städtischen Sponsoren tun alles, um uns zu unterstützen. Wir sind im guten Austausch bezüglich der Hallensanierung. Aus dem Umfeld heraus besteht noch ein großes Potenzial, sowohl bei den Zuschauern als auch bei den mittelständischen Sponsoren. Wir sind in Krefeld und über Krefeld hinaus im Handball angekommen. Uns fehlt noch ein wenig das Standing in der Region, das etablierte Vereine über Jahrzehnte hinweg erreicht haben. Daran arbeiten wir. Jeder, der einen Beitrag dazu leisten möchte, tut uns gut.

Was ist im Fall des Aufstiegs noch erforderlich?

Krivec Wir müssen uns im sportlichen und organisatorischen Bereich breiter aufstellen. Das beginnt beim Training und bei allen Auflagen und Anforderungen, denen man von Verbandsseite aus gerecht werden muss. Da sehen wir uns auf einem guten Weg, das zu schaffen. Das wir es können, haben wir in der Vergangenheit schon bewiesen.

In der kommenden Saison wird die Glockenspitzhalle saniert. Wo spielt die HSG dann?

Krivec Die Stadt wird uns nicht im Regen stehen lassen. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich möchte ungerne in die Fremde, um unseren lokalen Spirit zu erhalten. Es gibt verschiedene Szenarien, eine davon ist die Yayla-Arena.

Wie sieht Ihre Lebensplanung in Verbindung mit der HSG aus?

Krivec Man stellt sich immer die Frage, wie passt das. Aber mir macht das sehr großen Spaß. Beruflich und privat wird mir dafür der Rücken freigehalten. Natürlich will man persönlich als Unternehmer und im Sport den Erfolg sowie eine Bestätigung für das, was man über die Jahre auch mit persönlichem Einsatz investiert hat. Dafür macht man das ja auch. Der Aufstieg ist für mich aber nicht das Maß aller Dinge. Ich freue mich, wenn ich in der Halle bin und sehe, das Umfeld honoriert das, was wir bieten und die rund 1000 Zuschauer oder mehr gehen zufrieden nach Hause.

Suchen Sie immer neue Herausforderungen?

Krivec Ich versuche, meinen Werdegang mit Herausforderungen zu pflastern. Für mich als Unternehmer ist Stillstand eigentlich Rückschritt. Wenn ich mit dem zufrieden bin, was ich habe, dann muss etwas Neues kommen. Ich möchte gerne gestalten.

Ist Handball Ihr Hobby geworden?

Krivec Als Funktionär ist das eines meiner Hobbys und kein kleiner Teil meiner Freizeitgestaltung. Aber ich habe eine Familie, die im Vordergrund steht, und einen Freundeskreis, den ich auch pflegen will. Ich bin ja auch noch in Moers im Vereinsleben aktiv und gehe auch gerne zum Volleyball. Dazu lese ich rund 50 Bücher im Jahr. Ich versuche schon, mir meine Freiräume zu nehmen, um über den Tellerrand hinauszuschauen und den Kopf mit anderen Dingen zu beschäftigen. Das ist wichtig und hält geistig frisch.

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