Zu Ehren des Weltmeisters Crefelder HTC verleiht jetzt jährlich eine Niklas-Wellen-Medaille

Krefeld · Für den Hockey-Weltmeister Niklas Wellen ist die persönliche Hierarchie klar: Die Geburt seines Sohnes Carlo steht über dem Titelgewinn und der wiederum vor der Olympia-Bronzemedaille.

Niklas Wellen mit der Medaille und dem Pokal vor den Fans.

Niklas Wellen mit der Medaille und dem Pokal vor den Fans.

Foto: Mark Mocnik

Als Hockey-Weltmeister Niklas Wellen am Donnerstagabend den Pokal zu seinem Verein, dem Crefelder HTC, bringt, herrscht an der Hüttenallee Ausnahmezustand. Im Vereinsheim an der Tennisanlage sind hunderte Freunde, Bekannte und Hockeyfans zugegen, um dem besten Spieler der Titelkämpfe in Indien – zu diesem wurde der siebenfache Torschütze aus dem Spiel und erfolgreiche Penaltyschütze unter anderem im Finale gewählt – ihre Ehrerbietung zu leisten. Vor allem die Nachwuchsspieler und -spielerinnen des CHTC sind begeistert.

Als Wellen eintrifft, stehen sie im Dauerregen mit ihren Schlägern Spalier – es reicht von der Straße fast bis zum Eingang. Als der Star  dann von Hans-Werner Sartory auf eine improvisierte Bühne gebeten wird, laufen die TV-Kommentare der wichtigsten Szenen der Weltmeisterschaft, vor allem Wellens Tore, über Lautsprecher. Schweigend neben der Bühne steht Niklas’ Vater Dirk Wellen. Der Vereinsvorsitzende und Vorstand des vor zwei Jahren gegründeten Ligaverbandes schaut einfach zu. In seinen Augen glitzert es. Freude und Rührung sind ihm anzusehen.

„Es ist eine Wahnsinnssache für uns als Familie. Ich bin nach dem Viertelfinale nach Indien geflogen und konnte Niklas dort nach dem Titel einmal kurz an der Werbebande in den Arm nehmen. Da sind dann ein paar Freudentränen geflossen“, sagt der Inhaber des Unternehmens Rondo Food. Für das Deutsche Hockey sei der Titel mit Geld nicht zu bezahlen. „Weit über unsere Familie und den Verein hinaus ist die Bedeutung riesig. Wir haben jetzt einen neuen Medienpartner, der unsere Spiele überträgt und über die kommenden vier Jahr eine Million Euro zählt. Da kommt dieser Erfolg wie gerufen. Auftritte im Sportstudio, das gesamte Medieninteresse, das ist schon eine einmalige Chance“, sagt der Funktionär.

Für seinen Sohn selbst ist der Titel nebst persönlicher Ehrung als MVP, also wertvollster Spieler des Turniers, sowie des Finales, der Höhepunkt seiner Karriere. „Die Bronzemedaille bei Olympia war schon unglaublich. Aber hier ist es halt ein Titel. Auch wenn der Wert von Olympia noch einen Tick höher ist: Der Titel schlägt den dritten Platz in jedem Fall“, betont er.

Und doch war die Weltmeisterschaft trotz des Titels nicht das wichtigste Ereignis der vergangenen Wochen für ihn, denn just während er im Vorrundenspiel gegen Belgien, bei dem er ebenfalls ein Tor erzielte und zum Spieler des Spiels wurde, auf dem Platz stand, brachte seine Lebensgefährtin Kim Draisaitl daheim das erste gemeinsame Kind, Sohn Carlo, zur Welt.

„Ganz klar mein Sohn“, antwortet der Hockey-Weltmeister auf die Frage, welches Ereignis denn das wichtigste sei. „Sport ist toll und es ist ein großer Erfolg, aber ein gesundes Kind zu bekommen, das ist nicht zu toppen“, fügt er gewohnt bodenständig hinzu. Dann verabschiedet er sich wieder, um den Horden vor allem junger Fans Autogramme zu geben, Fotos mit ihnen zu machen und Hände zu drücken.

Der CHTC würdigt seinen erfolgreichen Spieler, der spätestens jetzt in einem Atemzug mit Legenden wie Klaus Michler, Oskar Deeke oder Linus Butt genannt wird, mit der Einführung eines Preises. „Ehrenmitglied bist Du schon seit der Olympiamedaille. Darum gründen wir jetzt die Niklas Wellen-Medaille: Jedes Jahr werden wir einen Jungen und ein Mädchen damit auszeichnen. Dafür gibt es dann ein Hockeyevent im Wert von 500 Euro“, sagt Hockeyleiter Gerrit Buddenberg. So hat Niklas Wellen auch einen nachhaltigen Einfluss auf die Jugend im Verein – weit über Autogramme und Fotos hinaus.

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