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Hockey-Nationalspieler Niklas Wellen wechselt vom Crefelder HTC nach Amstelveen

Hockey : „Holländische Liga ist die beste der Welt“

Der Nationalspieler des CHTC wechselt in die niederländische „Hoofdklasse“ nach Amstelveen.

Welch ein Paukenschlag: Niklas Wellen verlässt den Crefelder HTC. Damit verliert der Hockey-Bundesligist nicht nur einen Nationalspieler, sondern sein Aushängeschild. Wellen wird in der kommenden Saison für Pinoke Amstelveen verstärken, den derzeit Tabellensiebten der niederländischen Hoofdklasse. Bei dem Erstligisten unterschrieb er einen Vertrag für die kommenden zwei Spielzeiten. Zum Rückrundenauftakt am 1. April trifft der CHTC im Nachholspiel auf Rot-Weiß Köln. Die Begegnung gilt als absolutes Spitzenspiel, denn die Domstädter führen die Staffel B an, während der CHTC in der Staffel A hinter Mülheim Platz zwei belegt.

Niklas Wellen, jetzt beginnt für Sie die Abschiedstournee in der Bundesliga. Kommt da nach 21 Jahren nicht Wehmut auf?

Wellen Ja, ein bisschen. Die Entscheidung, den CHTC nach dieser langen Zeit zu verlassen, war sicherlich keine leichte und ich habe da auch lange drüber nachgedacht. Aber nach der langen Zeit in Krefeld habe ich einfach großes Verlangen danach, mal ein anderes Team, eine andere Liga und vor allem Dingen eine andere Stadt zu erleben.

Sie haben bestimmt viele Angebote von anderen Clubs aus dem In- und Ausland bekommen. Warum hat gerade ein niederländischer Club am Ende das Rennen gemacht?

Wellen Ich denke, die holländische Liga ist die beste der Welt und daher sicherlich am reizvollsten. Früh stand für mich fest, dass ich gerne nach Amsterdam ziehen möchte, da mir die Stadt sehr gefällt. Daher kamen in erster Linie nur Clubs in Frage, die in Amsterdam oder der direkten Umgebung liegen. Mit Pinoke habe ich jetzt eine sehr gute Lösung gefunden. Aktuell befindet sich das Team eher im Mittelfeld der Liga, aber ich hoffe, dass ich helfen kann, das Team weiter nach oben zu bringen. Zudem hat Pinoke in Aron Zalewski einen absoluten Top-Mittelfeldspieler für nächste Saison verpflichten können.

Wo sind die größten Unterschiede, wenn man das niederländische und deutsche Spitzen-Hockey miteinander vergleicht – abgesehen von den Zuschauerzahlen und den Verdienstmöglichkeiten.

Wellen Die Frage werde ich in einem Jahr wahrscheinlich besser beantworten können als heute. Es wirkt von außen so, als würde in Holland schneller und direkter Offensiv-Hockey gespielt, was ich sehr mag. Ich denke, in einem Jahr kann ich einen besseren Vergleich zwischen den beiden Ligen ziehen.

Ihre Freundin zieht mit nach Amstelveen?

Wellen Dass Kim mich begleitet, freut mich natürlich sehr. Unsere Vorfreude auf die neue Lebenssituation ab August ist riesig. Ich bin mir aber sicher, dass wird uns dort sehr schnell zurecht finden. Durch den Hockeyclub sind wir ja direkt in einer großen Community und lernen schnell Leute kennen. Darüber mache ich mir keine Sorgen.

Kennen Sie einige Spieler aus Ihrer neuen Mannschaft? Wenn ja, woher?

Wellen Von den holländischen Teamkollegen kenne ich tatsächlich keinen, einige internationale Kollegen kenne ich aus etlichen Länderspielen. Wie den Belgier Alex Hendrickx oder den Argentinier Mazzilli.

Werden Sie in den Niederlanden Ihr Studium fortsetzen?

Wellen Ja, da ich an einer Fernuni studiere, kann ich mein Studium problemlos auch von Amsterdam aus abschließen. Das wird voraussichtlich Ende des Jahres sein. Danach will ich mich aber auch um einen Job dort kümmern, da ich definitiv nicht nur Hockey spielen will. Aber das wird sich dann alles Anfang des kommenden Jahres zeigen.

Wie haben Ihre Krefelder Mannschafts-Kollegen reagiert als sie erfuhren, dass Sie in die „Hoofdklasse“ wechseln?

Wellen Die Reaktionen waren tatsächlich alle recht gleich. Auf der einen Seite fanden sie es sehr schade, dass ich Krefeld verlasse. Aber eigentlich hat sich jeder total für mich gefreut und mich zu der Entscheidung beglückwünscht. Ich habe da ja auch nie ein großes Geheimnis draus gemacht, dass ich am Ende dieser Saison wahrscheinlich weg bin. Daher war die Nachricht intern auch keine Überraschung.

Hockey wird immer leistungs- und zeitintensiver. Auch jetzt sitzen Sie wieder auf gepackten Koffern. Die Nationalmannschaft ruft. Wohin geht die Reise?

Wellen Wir fliegen für knapp zwei Wochen nach Johannesburg, haben dort Lehrgang mit Testspielen gegen Südafrika. Danach bin ich zwei Tage zu Hause und fliege dann mit den Krefelder Jungs fünf Tage nach Barcelona. Dann bin ich wieder neun Tage zu Hause, bevor wir dann einen längeren Pro League Block mit der Nationalmannschaft haben.

Apropos Pro-League, Ende Januar startete die Nationalmannschaft erfolgreich in die zweite Pro League-Saison. Auch für Sie war es der Auftakt zu einem vielleicht entscheidenden Jahr 2020: Pro-League, Olympische Spiele in Tokio, dann Ihr Wechsel nach Holland. Und mittendrin vielleicht das Final Four mit dem Crefelder HTC. Das Viertelfinale ist da doch fast schon gebucht?

Wellen Gebucht definitiv noch nicht, aber unsere Ausgangsposition ist sehr gut. Ich bin voller Vorfreude auf die Rückrunde in Krefeld und werde alles dafür tun, dass wir mit den Herren nach fünf Jahren Abstinenz mal wieder an einem Final Four teilnehmen dürfen.

Ihr Vater Dirk Wellen sagt, zwei Jahre Holland seien für Sie fest gebucht wären. Aber dann kämen Sie zurück zum CHTC. Dann wären Sie 27 Jahre alt und im besten Hockeyalter.

Wellen Da werden sicher noch einige Jahre Bundesliga-Hockey mit dem Crefelder HTC anstehen – das ist sicher.