Herberts Vasiljevs: Ich bleibe ein Krefelder

Eishockey : Herberts Vasiljevs: Ich bleibe ein Krefelder

2500 Zuschauer erlebten am Samstagabend in der Rheinlandhalle ein stimmungsvolles Abschiedsspiel des Ex-Kapitäns der Pinguine. Herbies All-Stars waren im Match gegen die Big Old Boys des KEV überlegen und gewannen mit 11:5.

Das Krefelder Eishockey ist um einen lebende Legende reicher. Mit Herberts Vasiljevs beendete am Samstag ein Profi seine Karriere, der 13 Jahre das Trikot der Pinguine trug und als Galionsfigur und Kapitän das schwarz-gelbe DEL-Schiff durch Höhen und Tiefen steuerte. In der altehrwürdigen Rheinlandhalle, wo 1994 für ihn als 17-jähriges Talent alles begann, schloss sich jetzt für den Außenstürmer der Kreis einer beeindruckenden Laufbahn. 2500 „echte“ KEV-Fans bereiteten dem 42-Jährigen Deutsch-Letten einen überaus stimmungsvollen und würdigen Abschied. Leider verpassten es, die Verantwortlichen der KEV Pinguine GmbH ihrem langjährigen Spieler noch einmal die Ehre zu erweisen. „Krefeld ist mir ans Herz gewachsen. Ich bin ein Krefelder und bleibe ein Krefelder“, sagte Vasiljevs am Ende seines Abschiedsspiels und bedankte sich bei den Fans für die tolle Unterstützung in den vielen gemeinsamen Jahren und an diesem Abend.

Gänsehaut pur herrschte kurz vor 19 Uhr beim Lied der Pinguine und beim KEV-Walzer. Als Stadionsprecher Kristian Peters-Lach das Eis betrat, um die Spieler der Big Old Boys und Herbies All Stars vorzustellen. Doch er musste sich gedulden. Denn minutenlang schallte es „You´ll never walk alone“ und „Herberts Vasiljevs“ von den Rängen. Als dann die All Stars das Eis betraten, kannte der Jubel keine Grenzen. Egal ob Scott Langkow, „König“ Richard Pavlikovsky oder Christian Ehrhoff, der Empfang für die ehemaligen Cracks der Pinguine war großartig. Auch die Oldies vom KEV, allen voran „Hexer“ Karel Lang wurden gefeiert. Auf den Rängen war deutlich zu spüren, dass der Großteil der Fans schon die glorreichen Zeiten des KEV und der Pinguine miterlebt hat.

In den drei Dritteln bei durchlaufender Zeit blitzte hier und da die Klasse der Ex-Stars noch einmal auf. Die noch aktiven Spieler Daniel Pietta, Martin Schymainski und Andi Driendl traten mit angezogener Handbremse auf. So sehr sich die Big Old Boys mit ihrem Großaufgebot auch wehrten, standen sie natürlich auf verlorenem Posten. Nur eine Strafe mussten die Schiedsrichter aussprechen. Natürlich erwischte es Uwe Fabig. Der knöpfte sich später Martin Schymainski vor und beförderte ihn vor der Bank der Big Old Boys über die Bande.

Weil Vasiljevs 13 Jahre in Krefeld spielte, wurde das Spiel in der 13. Minute unterbrochen. Auf der Haupttribüne trat Robert Vasiljevs, der zwei Jahre jüngere Bruder des Ex-Kapitäns vor das Mikro und gratulierte „den besten Spieler“ zu seiner Karriere. „Herberts hat als Kind jede Gelegenheit genutzt, aufs Eis zu gehen. Selbst bei minus 30 Grad war er mit Schläger und Puck auf dem See zu finden“, sagte Robert. Als Überraschung für seinen Bruder betrat seine Tochter Marija das Eis und überreichte ihrem Onkel einen Strauß Blumen. „Ich war echt überrascht. Ich wusste zwar, dass mein Bruder kommt. Aber dass was geplant war, wusste ich nicht. Schade nur, dass meine Eltern nicht kommen konnten“, sagte Vasiljevs gestern. Vater Haralds befindet sich in seiner Heimatstadt Riga nach einem Schlaganfall in der Reha.

Im Spiel waren die Rollen schnell verteilt. Vasiljevs eröffnete den Torreigen. Weil sich die All Stars hauptsächlich auf technische Feinheiten konzentrierten und den Puck ins Tor zaubern wollten, vielen die Treffer nicht wie am Fließband. „Dieses Team würde uns heute sehr gut zu Gesicht stehen. Dann würden wir bestimmt in die Play-offs kommen“, sagte der langjährige KEV-Fan und Pinguine-Sponsor Peter Niersbach (Firma NIKA), der die Trikots für die All Stars spendierte. Kurz vor Spielende tauschte Vasiljevs dann die Rolle und schlüpfte ins Trikot der Big Old Boys. Bei einem Penalty überlistete er Torwart Langkow. Auch der letzten Treffer des Abends ging bei einer Slapstick-Einlage auf das Vasiljevs Konto. Nach Spielende wurden die Spieler bei der Ehrenrunde begeistert gefeiert. „Herberts, du bist ein Krefelder“, sangen die KEV-Fans.

Herberts Vasiljevs hat während seiner Karriere stets ein Herz für den Nachwuchs des KEV gezeigt. Diese fünf Bambini durften beim Abschiedsspiel für einige Minuten mit aufs Eis. Foto: Samla Fotoagentur/samla.de
Auch für Herbert Vasiljevs Kumpel Boris Blank war es am Samstag ein Abschied von den Krefelder Fans. Am Ende legte der Ex-Pinguin seinen legendären Kosakentanz aufs glatte Parkett. Foto: Samla Fotoagentur/samla.de
Zum letzten Mal trug Herbert Vasiljevs das Trikot mit der Nummer 23, dass in der Deutschen Eishockey-Liga und auch international ein Markenzeichen war. Dem  Eishockey wird er aber in anderer Funktion erhalten bleiben. Foto: Samla Fotoagentur/samla.de
Das war ein rührender Moment, als die zehnjährige Marija, das Patenkind von Herberts Vasiljevs, das Eis betrat und ihrem Onkel einen Strauß Blumen überreichte. Foto: Samla Fotoagentur/samla.de
Robert Vasiljevs hielt von der Haupttribüne aus eine Lobesrede auf seinen Bruder. Foto: Samla Fotoagentur/samla.de
Bereits am Nachmittag bei der Team-Präsentation auf dem Parkplatz vor dem König-Palast herrschte eine tolle Stimmung. Stadionsprecher Kristian Peters-Lach interviewte die Spieler des All-Star-Teams. Foto: Samla Fotoagentur/samla.de
Kurz vor Spielende schlüpfte Herberts Vasiljevs ins Trikot der Big Old Boys. Uwe Fabig (li.) geht davon aus, dass Vasiljevs bald die KEV-Oldies verstärkt. Foto: Samla Fotoagentur/samla.de

Zum Abschluss dieses gelungenen Abends trafen sich Spieler und Fans bei „Gleumes“ zur After-Game-Party. Die letzten Tickets waren schnell vergriffen. „Das war für alle ein tolles Erlebnis. Ich habe mich gefreut, dass so viele gekommen sind“, sagte Vasiljevs gestern. Am Abend traf er sich dann mit Spielern des All-Star-Teams, die noch nicht abgereist waren.