Fußball: Frank Mill - der Weltmeister ohne Spiel

Fußball : Frank Mill - der Weltmeister ohne Spiel

Am 11. Januar steigt im Krefelder Königpalast das Fußballturnier der Legenden. Bei Borussia Dortmund steht Frank Mill als Teamchef an der Seitenlinie. Der inzwischen 58-Jährige erwägt, auch selbst ein paar Minuten mitzukicken.

Frank Mill galt zu seiner aktiven Zeit als Schlitzohr. Das machte ihn bei seinen vier Vereinen ziemlich beliebt, und auch heute noch sitzt ihm der Schalk im Nacken. Bei der Präsentation des Budenzaubers, dem großen Hallenturnier für Traditionsmannschaften am 11. Januar in Krefeld, da kündigte der inzwischen 58-Jährige an: "Vielleicht spiele ich auch noch mal ein paar Minuten mit." Um gleich darauf einzuschränken: "Aber nur, wenn wir schon ziemlich hoch führen, sonst kann ich nicht mehr mithalten." Ansonsten betreut er die Traditionsmannschaft von Borussia Dortmund.

Es gibt eine Szene, mit der Frank Mill, über den sein ehemaliger Mannschaftskollege bei Borussia Dortmund und heutiger BVB-Stadionsprecher Norbert Dickel mal sagte: "Der Mill ist mit allen Abwässern gewaschen.", sein Leben lang zu kämpfen hat. In seinem ersten Spiel für Borussia Dortmund gelang ihm der wohl berühmteste Pfostenschuss im deutschen Fußball nach dem legendären Wembley-Tor. Nach einer einer missglückten Abseitsfalle der Bayern hatte Mill noch Torwart Jean-Marie Pfaff ausgespielt und stand vor dem leeren Tor. Diesen Anblick genoss er so lange, bis ihn Pfaff wieder einholte und er überhastet gegen den Pfosten schoss - die Partie endete seinerzeit 2:2.

Pech hatte er in seiner internationalen Karriere. Zwar spielte er 17-Mal für die deutsche Nationalmannschaft, aber bei den großen Turnieren kam er nur wenig zum Einsatz. Die WM 1982 verpasste er mit Rückenproblemen, aus dem Kader 1986 strich ihn Franz Beckenbauer kurz vor dem Nominierungsschluss. 1988 gehörte er bei der EM zum Kader, kam aber nur zu zwei Einsätzen. Und 1990, als Deutschland in Italien Weltmeister wurde, war Mill ebenfalls dabei - allerdings wirkte er nur in der Qualifikation mit. Später hat er dazu einmal gesagt, dass er sich gar nicht wie ein Weltmeister fühlen würde.

So bleiben als großer Erfolg neben dem Gewinn des DFB-Pokal 1989 mit Dortmund, wo er zum 4:1-Erfolg gegen Werder Bremen einen Treffer beisteuerte, die Spiele in der Olympia-Auswahl, mit der er an den Olympischen Spielen 1984 und 1988 teil. Mit neun Partien bei Olympischen Spielen ist er deutscher Rekordhalter. 1988 gewann die Mannschaft, deren Kapitän er war, Bronze in Seoul. Er ist zudem mit zehn Toren, erzielt in Qualifikations- und Vorbereitungsspielen sowie bei den Endrunden, Rekord-Torschütze der deutschen Fußball-Olympiamannschaft. Insgesamt bestritt er für die Olympia-Auswahl 20 Spiele.

Nach dem Abschluss seiner aktiven Karriere versuchte sich Frank Mill zunächst als Fußball-Manager, aber sein Gastspiel bei Fortuna Düsseldorf in dieser Rolle war recht kurz. Heute ist Mill, der einst im Blumenladen seiner Mutter eine Ausbildung als Florist begonnen hatte, Unternehmer und betreibt unter dem Namen Kidsactive inzwischen 88 Fußballschulen für Kinder und Jugendliche im ganzen Bundesgebiet. In diesen Schulen sind inzwischen 62 ehemalige Profi-Fußballer als Praxisanleiter tätig, darunter darunter Uwe Bein (für den er in seinem letzten Spiel für die Nationalmannschaft eingewechselt wurde), Michael Schulz und Maurizio Gaudino.

Eintrittskarten ab 9,50 Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühr für das Turnier mit 5,5 Stunden live Fußball sind unter www.budenzauber-krefeld.de, unter der Hotline: 01806-99 22 12 (20 Cent/je Anruf aus dem dt. Festnetz, 60 Cent/je Anruf aus den Mobilfunknetzen) und an den bekannten Vorverkaufsstellen, darunter dem Königpalast, erhältlich.

(RP)