Lokalsport: Die furiose kuriose Rückkehr des KFC

Lokalsport: Die furiose kuriose Rückkehr des KFC

Fußball: In der vergangenen Spielzeit schafften die Uerdinger den Sprung zurück in die Regionalliga - und trennten sich anschließend von ihrem Aufstiegstrainer und gut zwei Dritteln der Mannschaft. Jetzt sind sie auf Kurs Dritte Liga.

Als Mikhail Ponomarev seinen Posten beim KFC Uerdingen als Nachfolger von Agissilaos "Lakis" Koukoudialos angetreten hatte, da verkündete er Ziele, die auch sein Vorgänger einst im Kopf gehabt hat: Der KFC soll zurück in die Profifußball, am liebsten eher gestern als morgen. Doch anders als zuvor, scheint dieses Ziel inzwischen greifbarer denn je geworden. Über die Mittel zum Zweck hingegen kann man freilich geteilter Meinung sein - der aktuelle Tabellenstand zeigt aber: Es scheint ein richtiger Weg zu sein. Doch der Reihe nach.

Es ist der 14. Mai 2017, als der Aufstieg des KFC feststeht. Die Saison in der Oberliga dauert zwar noch ein paar Spieltage an, doch nach dem 4:0-Erfolg gegen den TV Jahn Hiesfeld ist den Blau-Roten Tabellenplatz 1 nicht mehr zu nehmen. 86 Punkte hat der KFC Uerdingen am Saisonende in 34 Spielen eingefahren, das sind 27 Siege, fünf Unentschieden und nur zwei Niederlagen. 83 Mal hat's im gegnerischen Tor eingeschlagen bei lediglich 20 Gegentreffern, und der Vorsprung auf den ärgsten Verfolger aus Schonnebeck beträgt satte 14 Punkte. Ganz Fußball-Uerdingen liegt sich in den Armen, die Mannschaft fliegt zur Belohnung zum Ballermann.

Doch weil nach dem Spiel bekanntlich vor dem Spiel ist, geht's auch schnell an die Planung für die neue Saison. Die Ziele der Vereinsoberen sind hoch und sollen möglichst schnell umgesetzt werden. Dazu geht's gehörig ans Personal, allen voran: an den Trainerposten. André Pawlak, vor der Saison als Wunschtrainer verpflichtet, hat seine Schuldigkeit getan, doch ihm trauen sie nicht zu, das Team auch auf Anhieb noch eine Liga weiter nach oben zu führen - er muss gehen. Für ihn kommt Michael Wiesinger, der schon in der Bundesliga tätig war und zuletzt mit dem SV Elversberg zweimal in den Relegationsspielen zur Dritten Liga knapp gescheitert war.

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Auch bei der Mannschaft gibt es gehörigen Aderlass. Gut zwei Drittel des Aufstiegsteams muss gehen. Darunter wird auch der Kapitän Timo Achenbach ausgemustert - er darf nicht mehr mittrainieren, und mit dieser Angelegenheit befasst sich inzwischen das Arbeitsgericht. Parallel zum Ausmustern beginnt eine Einkaufstour, wie sie der Verein im Verhältnis zur Liga wohl noch nie erlebt hat. Mehr als ein Dutzend neue Spieler kommen, allesamt aus mindestens der Regionalliga, Torwart René Vollath sogar aus der Zweiten Liga. Geld, so scheint offenbar nicht mehr so sehr eine Rolle zu spielen, weil Mikhail Ponomarev zu seinem Wort steht und seine finanziellen Zusagen auch einhält. "Finanziell können wir einfach nicht mit den Profibedingungen in Uerdingen mithalten", sagte Bonns Vorstand Thorsten Nolting etwa, als der KFC Angreifer Lucas Musculus vom BSC verpflichtet.

Neben dem hochwertigen Kader schreitet auch die Professionalisierung beim KFC weiter voran. Das fängt mit dem neuen Trainingszentrum an, das der KFC in Oppum findet, geht weiter mit einem großen VIP-Zelt vor dem Stadion, mit der Fahrt ins Trainingslager in beinah völliger Abgeschiedenheit, mit neuen Räumlichkeiten der Geschäftsstelle und neuen Kooperationspartnern. Und der Erfolg gibt den Uerdingern Recht. Sportlich eilt der KFC von Sieg zu Sieg, führt lange die Tabellenspitze der Regionalliga an. Zur Winterpause liegt die Auswahl von Michael Wiesinger nunmehr auf dem zweiten Tabellenplatz, ist aber punktgleich mit Spitzenreiter Viktoria Köln. Was noch fehlt, ist eine bessere Trefferquote, aber auch daran soll im Winter gearbeitet werden, damit im Mai 2018 der nächste Aufstieg folgt.

(oli)
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