Das sind Krefelds Olympia-Hoffnungen

Im Jahr 2020 : Krefelds Olympia-Hoffnungen

Das Jahr 2020 ist wieder ein olympisches Jahr. Vom 24. Juli bis zum 9. August kämpfen die besten Sportler der Welt in Tokio um die größte Auszeichnung, die es im Sport zu vergeben gibt. Auch einige Krefelder machen sich Hoffnung, mit von der Partie zu sein – oder sind bereits qualifiziert. Wir stellen sie vor.

Aline Focken ist im Ringen in der Gewichtsklasse bis 76 Kilogramm eine heiße Kandidatin auf eine Medaille. Die Hülserin gewann bei der Weltmeisterschaft im Vorjahr die Bronzemedaille und sicherte sich damit vorzeitig die Qualifikation für die Olympischen Spiele, wo sie gerne mit einem weiteren Edelmetall ihre aktive Karriere beenden möchte. Dafür ging es schon Ende 2018 in die gezielte Vorbereitung für Tokio. Bleibt zu hoffen, dass ihr nicht ein ähnliches Schicksal passiert wie vor vier Jahren in Rio, wo Focken schon im Viertelfinale ausschied - allerdings da noch in der Gewichtsklasse bis 69 Kilogramm.

Nina Mittelham hat als Tischtennisspielerin ein sehr erfolgreiches Jahr  hinter sich. Nicht nur, dass sie Deutsche Meisterin im Einzel und Doppel wurde, auch international gewann sie zusammen mit Kristin Lang bei der Europameister die Goldmedaille. Im Teamwettbewerb der Europaspiele schlug sie unter anderem Einzel-Europameisterin Li Qian und trug so zum Gewinn der Goldmedaille bei. Inzwischen rangiert die 23-Jährige auf Position 41 in der Weltrangliste. Das Olympia-Ticket hat die Mittelham aber noch nicht in der Tasche. Nur drei Plätze im deutschen Team sind zu vergeben, eine vierte Spielerin darf als Ersatzfrau anreisen.

Niklas Wellen ist nicht nur beim Hockeybundesligisten Crefelder HTC eine feste Größe, sondern auch in der deutschen Nationalmannschaft. In den Qualifikationsspielen für Olympia gegen Österreich setzte sich Deutschland mit 5:0 und 5:3 durch. Dabei steuerte der 24-jährige Krefelder im ersten Spiel eine Vorlage zum 1:0 bei, im zweiten Aufeinandertreffen gelang ihm das wichtige 4:3. Olympiaerfahrung kann Wellen schon vorweisen, stand er doch schon 2016 in Rio mit im Kader, als Deutschland Bronze holte.

Anna Schröder, Selin Oruz und Timur Oruz haben alle drei eines gemeinsam, sie stammen aus der Jugend des Crefelder HTC. Die für den Hamburger Club an der Alster spielende Schröder verpasste aufgrund eines Muskelfaserisses die Olmypia-Qualifikationsspiele gegen Italien. 2013 debütierte sie in der Nationalmannschaft, mit der sie 2016 in Rio wie auch die Herren Bronze holte. Als erfahrene Spielerin dürfte sie in einem fitten Zustand ein wichtiger Eckpfeiler für Tokio sein. Als zentrale Stütze in der Nationalmannschaft gilt auch Selin Oruz, die in der Bundesliga für den Düsseldorfer HC aufläuft. Ebenso wie ihr Bruder Timur, der inzwischen bei Rot-Weiß Köln spielt, hatte sie sich den Traum von einer olympischen Medaille vor vier Jahren schon erfüllt. Doch wer die Hockeyspieler kennt, der weiß, dass sie gerne noch ein oder gar zwei Stufen höher am Ende stehen möchten.

Philipp Hindes ist inzwischen schon ein erfahrender und erfolgreicher Haudegen, was Olympia angeht. Und das trotz seines jungen Alters von 27 Jahren. Der gebürtige Krefelder kann schon auf zwei olympische Goldmedaillen zurückblicken. Der Deutsch-Brite startet seit 2010 für den britischen Radsportverband und gewann auf der Bahn im Teamsprint in London (2012) und in Rio (2018). Bei den UCI-Bahnrad-Weltmeisterschaften 2018 in Apeldoorn gab es die erste Weltmeisterschaftsmedaille - mit Kenny, Carlin, Ryan Owens und Joe Truman gewann er in einem Fünf-Mann-Kader Silber. Auch für Tokio dürfte das Team Great Britain mit dem Krefelder ein heißer Kandidat auf Gold sein.

Benjamin Kleibrink weiß wie es sich anfühlt Gold bei Olympia zu holen. In Peking gelang es ihm 2008 als erster Deutscher seit 1992 im Florett-Einzel die Goldmedaille zu holen. Vier Jahre später gab es dann noch eine Bronzemedaille mit der Mannschaft in London. Danach folgte im Alter von 27 Jahren der Rücktritt vom Leistungssport. 2015 kam es dann zum Comeback. Die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio hatte Kleibrink nach dreijähriger Auszeit verpasst, weil die Florettmannschaft in der Qualifikation gescheitert war. Ein Startplatz im Einzel war für Kleibrink wegen seines späten Comebacks nicht mehr möglich. Aktuell sieht es für den Fischelner gut aus, belegt es doch in der aktuellen deutschen Rangliste im Florett Platz eins, international liegt er auf Platz 24. Neben dem Stichtag am 4.April, wo die FIA-Rangliste maßgebend ist, hat Kleibrink noch die Möglichkeit über kontinentale Qualifikationsturniere zu einem Olympia-Comeback zu kommen.

Michaela Staelberg möchte es ihrer Vereinskameradin Lisa Schmidla gleich tun, die vor vier Jahren in Rio mit dem Doppel-Vierer Gold holte. Beim Crefelder Ruder-Club knallten anschließend die Sektkorken, geht es nach den Vereinsbossen soll es gerne 2020 eine Wiederholung geben. Dafür ist die 24-Jährige vor zwei Jahren auch nach Berlin gezogen, da dort der Frauen-Skull-Stützpunkt ist. Mit dem Doppel-Vierer hat Staelberg zwar die Qualifikation geschafft, bis zum März muss sie aber nochmals beweisen, dass sie weiter im Boot sitzen darf. Ende Februar finden Rennen im Einer statt, Anfang März kommt es auf dem Ergometer zu weiteren vergleichen. Staelberg ist optimistisch und hat ein gute Gefühl in Tokio mit dabei zu sein. Ob es für eine Medaille reicht wird sich dann zeigen.

Jonathan Rommelmann vom Crefelder Ruder-Club hatte im vergangenen Jahr mit Jason Osborne eine neuen Partner im Leichtgewicht-Doppelzweier bekommen. Das Duo zählte bei der WM 2019 schon als Mitfavorit um den Titel. Dort mussten sich Rommelmann/Osborne nur knapp den Iren Fintan McCarthy/Paul O‘Donovan geschlagen geben, haben aber mit Platz zwei die Olympia-Qualifikation für das Boot in der Tasche gehabt. In Tokio wird das Leichtgewichts-Rudern wohl zum letzten Mal olympisch sein. Wenn es Rommelmann mit seinem Partner gelingt eine Medaille zu holen, dann wird es sogar eine historische.

Laurits Follert schaffte nicht in irgend einem Boot die Olymia-Qualifikation, sondern in DEM Boot - nämlich den Deutschland-Achter. Dieser gilt traditionell als das „Flaggschiff“ des Deutschen Ruderverbandes, das schon sechs Mal Gold bei Olympia geholt hat. Das möchte auch Follert, der einst beim Uerdinger Ruderclub begann und später zum Crefelder Ruder-Club wechselte. Den Durchbruch zum Achter gelang den damals 21-Jährigen in der Saison 2016/17. Im Jahr 2019 ist er mit dem Deutschland-Achter Europa- und Weltmeister geworden. Da versteht es sich von selber, dass das Kraftpaket langfristig auch zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio, am liebsten im Deutschland-Achter.

Marc Leske hatte im Jahr 2019 keine einfache Saison gehabt. Mit vier unterschiedlichen Partnern zu rudern war nicht einfach und glich eher einer Achterbahnfahrt. Dennoch schaffte er den Sprung in den A-Bereich. Mit dem Hamburger Malte Großmann fand er im Zweier ohne den passenden Partner, aber da fehlte noch ein wenig an Erfahrung in dieser Bootsklasse. Als Ersatzmann für den Männer-Vierer war er auf der Backbord-Seite bei der WM mit dabei. Als souveränes Gesamtpaket will er noch angreifen und die Bundestrainer bei der Bootsbesetzung noch überzeugen.

Christian Garin war 2019 einer der Shootingstars im Profi-Tenniszirkus. Als damit kaum einer rechnete, verpflichtete ihn Olaf Merkel, Teamchef des Bundesligisten Blau-Weiß Krefeld bereits im Februar. Der 23-jährige Chilene erreichte danach seine ersten drei Finals auf der ATP- Tour und kletterte in der Weltrangliste auf Position 33 und rückte damit beim Stadtwaldteam auf die Position eins. Seit 2012 gehört er auch zum Davis-Cup-Team seines Landes und ist für Olympia gesetzt.

Marco Cecchinato

Ruderer Jonathan Rommelmann peilt mit dem Doppel-Zweier Tokio an. Foto: DRV/Schwier/DRV/Christian Schwier
ATP-Tennisprofi Christian Garin spielt für Blau-Weiß Timberland Krefeld. Foto: ATP
Ein wichtiger Stützpfeiler für die Hockeydamen: Anne Schröder. Foto: Ariane Schirle
Auch Timur Oruz ist neben seiner Schwester Selin in Tokio dabei. Foto: Ariane Schirle
Selin Oruz gehörte beim DHB schon dem Olympia-Team Rio an. Foto: Ariane Schirle
Niklas Wellen sorgte mit dafür, dass die Hockeyherren in Tokio dabei sind. Foto: CHTC
Sie will ihre Karriere mit einer Medaille beenden: Aline Focken. Foto: Germania
Marc Leske hat Chancen Ersatzmann für den Doppel-Vierer zu werden. Foto: DRV/Schwier/Christian Schwier
Gelingt es Michaela Staelberg auch Gold im Doppel-Vierer zu holen? Foto: DRV/Schwier/DRV/Christian Schwier
Laurits Follert hofft auf einen Olympiaplatz im Ruder-Achter. Foto: DRV/Schwier/DRV/Christian Schwier
Nina Mittelham hat ihren Olympiaplatz noch nicht sicher. Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)
Schafft Benjamin Kleibrink im Florett ein Comeback in Tokio? Foto: dpa
Tennisprofi Marco Cecchinato spielt für Blau-Weiß Timberland Krefeld. Foto: ATP

Marco Cecchinato Im Januar 2017 verpflichtete Olaf Merkel während der Australian-Open den damals hierzulande recht unbekannten Italiener. Der damals 24-Jährige aus Palermo rangierte zu diesem Zeitpunkt auf ATP-Rang 188. Ein Jahre später sorgte der Rechtshänder mit der einhändigen Rückhand bei den  French-Open für Schlagzeilen. Im Viertelfinale bezwang er Novak Djokovic. Bei Blau-Weiß löste er 2018 seinen Landsmann Paolo Lorenzi als neue Nummer eins ab und war Garant für das erfolgreiche Abschneiden des Bundesliga-Teams. Seit 2016 gehört er zum italienischen Davis-Cup-Teams und hat als aktuelle Nummer 40 der Weltrangliste gute Karten, auch in Tokio aufschlagen zu können.