1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld
  4. Sport

Crefelder HTC: Verena Würz beendet ihre Hockeykarriere

Torjägerin, Medizinerin, politische Aktivistin : Verena Würz beendet ihre Hockeykarriere

Die Torjägerin ist ein besonderer Charakter und ein echtes Vorbild.

„Auf dem Spielfeld hat Verena ein super Auge, eine tolle Technik und das Torjäger-Gen. Sie ist eine Teamplayerin und versucht der Mannschaft in jeglicher Hinsicht, weiter zu helfen. Auch die Projekte, die sie außerhalb vom Hockey als angehende Ärztin unterstützt, sind sehr beeindruckend.“

So wird Verena Würz, Medizinstudentin und Stürmerin des Crefelder HTC, von ihrer Sturmkollegin Helene Stöckmann beschrieben. In Zukunft müssen die Krefelderinnen jedoch auf die Qualitäten der 25-Jährigen verzichten, da sie den Hockeyschläger aus gesundheitlichen Gründen an den Nagel hängt. Zwei Bandscheibenvorfällen zwangen sie bereits zu langen Pausen.

„Es war ein echtes Glück, zum CHTC zu wechseln und hier Teil eines tollen Teams und Umfeldes zu sein. Wir sind gemeinsam einen langen Weg gegangen und ich habe tolle Menschen kennen gelernt. Da viele starke junge Spielerinnen nachkommen, trete ich mit einem relativ guten Gefühl ab“, sagt Verena Würz.

Die Wahl-Düsseldorferin, die sich auch nach Ende des Studiums im kommenden Jahr eine berufliche Zukunft in Krefeld vorstellen kann, meisterte lange Zeit die organisatorische Herausforderung, ihr Medizinstudium und Leistungssport unter einen Hut zu bringen. Bereits mit sechs Jahren hatte sie das erste Mal einen Hockeyschläger in der Hand und möchte daher auch in Zukunft dem Sport und dem CHTC erhalten bleiben. „Ich könnte mir vorstellen, zum Beispiel als Mannschaftsärztin das Team weiter zu unterstützen.“

Sebastian Folkers hat sie drei Jahre lang als Damentrainer begleitet und schätzt die langjährige Kapitänin sehr. „Sie ist auf und neben dem Platz sehr ehrgeizig und hochmotiviert und verfolgt ihre Ziele enorm zielstrebig“, sagt er. „Sportlich war sie durch ihr sehr gutes Ballgefühl und Athletik stets eine Unterschiedspielerin, die immer gewinnen will. Sie hat sich aber für ihr Medizinstudium entschieden und somit gegen eine vermutlich noch steilere Hockeykarriere, die sie sicherlich ins Nationalteam geführt hätte.“ Zu Beginn ihrer Hockeykarriere spielte sie beim Club Raffelberg, ehe sie über Neuss 2014 zum CHTC kam.

Dass sie durchaus einen Blick über den sportlichen Tellerrand besitzt, zeigen ihre außergewöhnlichen Tätigkeiten außerhalb des Hockeyfeldes. Bereits zwei Mal war sie Teil der Crew des Schiffes Seawatch 3, welches sich als privates Rettungsschiff um Flüchtlinge im Mittelmeer kümmert. Ihre Erlebnisse als Teil des medizinischen Teams an Bord haben sie nachhaltig geprägt. „Für mich war schon früh klar, dass ich auch im Ausland medizinische Hilfe leisten möchte. Als die politische Stimmung hier in Deutschland angespannter wurde, habe ich mich für die Seawatch beworben“, berichtet sie. „Sowohl die Mannschaft, als auch die Vereinsführung haben mich bei diesen Plänen sehr unterstützt. Ich glaube, ich werde in Zukunft noch politisch aktiver sein. Wir, die wir den Menschen helfen wollen, müssen lauter werden,“ gibt sie zu bedenken. Im August wird sie erneut auf das Schiff zurückkehren. Zudem unterstützte sie auch als Notfallmedizinerin ausgebildete Entwicklungshelfer in Ghana.

„Was Verena auch neben dem Platz geleistet hat, verdient großen Respekt und Dank. Sie traut sich auch mal gegen den Strom eine Entscheidung zu treffen und durchzuziehen und hat den Mut, auch über die Wohlfühlblase in Deutschland hinaus zu blicken,“ betont Sebastian Folkers.

Auch innerhalb des Teams wird Verena Würz sehr geschätzt, so auch von ihrer langjährigen Mitspielerin und Co-Kapitänin Laura Schmitz, die sagt: „Ihr Rücktritt ist sowohl spielerisch als auch menschlich ein Verlust für die Mannschaft. Sie kann stolz darauf sein, was sie in ihrer Karriere alles erreicht hat. Ich wünsche ihr natürlich nur das Beste für die Zukunft. Sie ist ein besonderer Charakter und ein echtes Vorbild.“